Tipps & Tricks zur Bewältigung des technologischen Fortschritts

Jeden Tag eine neue Technologie: Wie mit der Innovationsflut umgehen?
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Mittlerweile vergeht fast kein Tag mehr, ohne dass eine bahnbrechende Innovation angekündigt wird. Was für Entwickler eigentlich eine Freude sein sollte, ist aufgrund der schieren Menge langsam zu einem Problem geworden. Lässt sich die Flut der Neuheiten überhaupt noch bewältigen – und wenn ja, wie?

Dass die Technik die Menschen irgendwann überwältigt, ist ein beliebtes Filmmotiv. Am populärsten spielen die Terminator- und Matrix-Franchises mit der Angst, den Maschinen zu unterliegen, also zum Objekt des technologischen Wandels zu werden. Für Entwickler stellt sich dieser Tage vor allem die Aufgabe, sich von der hohen Innovationsfrequenz nicht verrückt machen zu lassen. Dem Hype zu widerstehen, der fast alle neuen Technologien zu begleiten scheint, ist nicht immer leicht. Dennoch sollte man sich von den immer neuen Produkten sowie den in großer Zahl damit einhergehenden Artikeln und Blogposts nicht vorgeben lassen, wie man am Ende seine Arbeit zu tun hat.

Frustration, ausgelöst durch das Gefühl des Kontrollverlusts und des Nicht-mehr-Mitkommens, lässt sich am ehesten durch besonnenes Handeln eindämmen. Im Folgenden soll gezeigt werden, was es dazu braucht.

Vorsicht bei der Early Adoption

Zunächst gilt es, sich des Problems bewusst zu werden. Viele der Technologien, die jeden Tag frisch auf den Markt geworfen werden, bieten ja tatsächlich reale Vorteile. Irgendein Problem muss schließlich immer gelöst werden, dementsprechend groß ist die Verlockung. Aber erstens: Nur weil der Hype den baldigen Tod alles Bisherigen verkündet, heißt das noch lange nicht, dass der dann wirklich eintritt. In der Realität läuft es sogar häufig andersherum: Das lauthals angepriesene Wunderprodukt verschwindet nach zwei Jahren vom Markt. Und zweitens sollten die Kosten des Technologiewechsels genauestens erwägt werden.

Letztere können durchaus umfangreich sein, nicht nur in finanzieller Hinsicht. Passt eine Neuerscheinung wirklich in das alte Framework und mit den vorhanden Libraries und Apps zusammen? Deckt sie einen großen Aufgabenbereich ab oder nur eine Handvoll Use Cases? Verfügt unser Team über genügend Zeit und Wissen, um Implementierung und Wartung einer völlig anderen Plattform oder Library stemmen zu können? Des Weiteren stellt sich die Frage, ob die noch unerprobte Software langfristig sinnvoll und ohne großen Aufwand einsetzbar ist. Darüber hinaus ist häufig nicht absehbar, wie sich junge Technologien bei veränderten Aufgabenstellungen schlagen.

Aus Perspektive des einzelnen Entwicklers sollten außerdem folgende Faktoren beachtet werden: Wie viele Programmiersprachen und Tools kann ich beherrschen, ohne dass meine Skills zu oberflächlich werden? Und wie passt die neue Technologie in meine langfristige Karriereplanung?

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Warum ist die Verlockung trotzdem so groß?

Das Internet ist ein schnelllebiges Geschäft und wer nicht aufpasst, gerät schnell ins Hintertreffen. Der Innovationsdruck ist also vor allem Resultat des ökonomischen Drucks. Immer effizienter, immer leistungsfähiger, immer schneller – was die Konkurrenten hier an Vorsprung haben, haben sie irgendwann auch bei den Kundenzahlen, ergo beim Profit. Kein Wunder, dass Firmen versucht sind, Neuheiten voreilig als Rettungsanker zu begreifen. Die schräge Aufmerksamkeitsökonomie des Internets und die Gravitation, die von der Technologiewahl größerer Unternehmen auf die gesamte Branche ausgeht, verstärken den Effekt zusätzlich.

Auch subjektive Faktoren seitens des Entwicklers können sich negativ auswirken. Langeweile, Peer Pressure und der Versuch, den eigenen Lebenslauf aufzustocken, können Programmierer dazu verleiten, eigentlich überflüssige Software zu implementieren. Schlimmer noch sind Tech-Wechsel, die auf mangelnde Kenntniss bzw. falschen Einsatz des alten Systems zurückzuführen sind. Vor dem Reiz, nicht-existente Probleme lösen zu wollen, sollte man sich ebenfalls hüten.

Wie umgehen mit der Situation?

Wirtschaft und Wandel, das geht nicht nur wegen der Alliteration so gut zusammen, sondern weil Letzteres Bestehensbedingung des Ersteren ist. Doch man kann sich einige Tugenden angewöhnen, um nicht daran zu verzweifeln.

Besonnenheit

Nicht jedes Release ersetzt gleich eine altes. Koexistenz ist möglich, ja sogar gewöhnlich. Häufig decken zwei ähnliche Programme unterschiedliche Teilmengen an Problemen ab. Bevor man sich also von einer alten Technologie verabschiedet, sollte man sich über deren Stärken und Schwächen genauestens verständigen. Dabei hilft es, der Community etwas Zeit zu lassen, um dann ihre Erfahrungen mit einzubeziehen.

Gleichzeitig sei vor Dramatisierungen gewarnt: Unternehmen sind weiterhin darauf angewiesen, mehrere Jahre mit einem bestimmten Set an Technologien zu arbeiten. Investitionen müssen sich erst einmal auszahlen, bevor etwa große Neustrukturierungen angegangen werden können. In der Praxis schlägt sich die rasante Innovationsfrequenz also viel langsamer um!

Ansonsten gilt: Beware the hype, but be aware of it! Auf Trends und Hypes sowie auf die Marktforschung und das Vorgehen der Großen sollte man achten, ihnen aber nicht blind folgen. Vorher ist es ratsam zu analysieren, ob eine neue Technologie für die konkreten eigenen Probleme eine passende Lösung bietet. Nur eine informierte Entscheidung kann hier eine gute sein.

Informationsmanagement

Je komplexer und ausdifferenzierter sowohl Software selbst als auch der Markt dafür werden, desto schwieriger wird es, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Wer aber alle News, Blogs und Tutorials liest, hat irgendwann keine Zeit zum Coden oder kein Privatleben mehr. Wie Tim Evko anmerkt, kann das ernsthafte Folgen haben, z. B. Depressionen und/oder Burnout.

Entwicklern empfiehlt er, sich einen Grundstock (Stack) an Programmiersprachen zu halten, um nicht auf alle Neuheiten der Branche reagieren zu müssen, sondern eben nur auf diejenigen, die sie betreffen. Ebenso lässt sich die Zeit begrenzen, die man für Nachrichtenfeeds und Newsletter verwendet. So verschiebt sich der Fokus automatisch auf die entscheidenden Themen, bei denen es sich dann lohnt, mehr Zeit zu investieren.

Praxis

Welches Tool in Zukunft am ehesten Bestand haben kann, erfährt man am besten in der Praxis. Nicht nur verbessert man so seine Skills, sondern kann kundige Urteile über die Potenziale bestimmter Plattformen, Datenbanken, usw. fällen. Auf diese Weise lässt sich noch dazu das vom rasanten Wandel der Technik ausgelöste Gefühl der Ohnmacht bekämpfen.

Seitenprojekte können ein probates Mittel dafür sein. Oder man nimmt sich vor, neue Dinge in kleinen Schritten, eins nach dem anderen, anzugehen. So entwickelt man sich und seine Projekte stetig weiter, ohne der Gefahr zu erliegen, sich in eine Richtung zu verrennen, die nach kurzer Zeit schon wieder obsolet wird.

Fazit

Um es zum Abschluss noch deutlich zu sagen: In diesem Artikel soll keineswegs einem einseitigen Technologiekonservatismus das Wort geredet werden. Fortschritt ist gut und sowieso nicht still zu stellen. Aber man muss wissen, wo sein Platz und wann seine Zeit gekommen ist. Das erfordert jedoch besonnenes Handeln, Informationen und praktische Erfahrung.

 

Aufmacherbild: Flooded street n Budapest with traffic sign via Shutterstock / Urheberrecht: Peter Gudella

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