DevOps ist keine Eintagsfliege

Warum DevOps so wichtig ist
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Unternehmen, die gemäß DevOps-Prinzipien Software entwickeln, verändern den Markt und lassen ihre Konkurrenz durch höhere Innovationsraten hinter sich. Durch den Wandel ihrer Unternehmenskultur haben sie von den Entwicklern bis zum Management-Team alle auf ein gemeinsames Ziel eingeschworen: hochwertige Software zuverlässig und schnell zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Trotz sichtbarer Erfolge zögern viele Firmen dennoch mit der Einführung von DevOps. Hierbei ist der Widerstand gegen Veränderung ein zentraler Faktor. Doch wer sich schon gegen Veränderungen stemmt, der wird noch weniger Freude daran haben, plötzlich irrelevant zu sein.

Ein weiterer Faktor ist, dass DevOps als Konzept oftmals missverstanden wird. Verschiedene Software-Anbieter haben diesen Irrtum dadurch gefördert, indem sie versprachen, dass ihre Kunden durch Einsatz ihrer Software zu einem DevOps-Unternehmen würden. Dabei besteht nach wie vor oftmals Ungewissheit darüber, wie man DevOps-Praktiken eigentlich genau implementiert.

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Viele Firmen sehen DevOps dagegen als reine Modeerscheinung oder meinen, daran keinen Bedarf zu haben, weil sie kein Software-Unternehmen sind. Die Fakten sprechen dabei eine andere Sprache: DevOps wird bleiben und die Vorteile von DevOps sind für Unternehmen in allen Branchen relevant. Firmen sollten also baldmöglichst über die eigene DevOps-Transformation nachdenken, um wettbewerbsfähig und damit relevant zu bleiben. Dies mag sich übertrieben anhören, aber immer mehr Firmen stellen fest, dass nahezu jedes moderne Unternehmen auch ein Software-Unternehmen ist und dass Entwickler diejenigen Unternehmen bevorzugen, bei denen sie innovative Produkte entwickeln können, anstatt ständig nur „Firefighting“ zu betreiben. Vor diesem Hintergrund ist DevOps ein sinnvoller Weg, um sich langfristig einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

DevOps verändert den Markt und beschleunigt Innovation

2014 konnten Millionen von US-Bürgern ihren Antrag auf die von Präsident Obama eingeführte Krankenversicherung nicht stellen, da die entsprechende Webseite nicht funktionierte. Die Entwickler-Teams verfügten zwar über alle Werkzeuge für Softwarekonfigurationsmanagement sowie Continuous Integration (CI) und Continuous Delivery (CD) – zwei essentielle Techniken für automatisierte DevOps-Praktiken – doch sie wandten diese nicht konsequent an. Es dauerte Monate, bis die Webseite endlich funktionierte, und als politische Konsequenz mussten Regierungsmitglieder ihre Ämter räumen.

Ganz anders bei der Bank JPMorgan Chase, die ihren Kunden sichere und zuverlässige Mobil-Anwendungen anbietet. Da JPMorgan Chase eine der ersten US-Banken war, die ihren Kunden diese Möglichkeiten bot, konnte die Bank die Zufriedenheit ihrer Kunden zwischen 2010 und 2014 dramatisch verbessern.

Diese Beispiele zeigen die Herausforderungen, vor denen Software-produzierende Unternehmen stehen und illustrieren die marktverändernden und beschleunigenden Effekte, die DevOps begleiten. Unternehmen, die sich DevOps-Prozesse zu eigen machen, können ihre Marktposition verbessern, neue Märkte erschließen und selbst bestehende Industriezweige neu definieren. Bei Netflix wird DevOps etwa für das Deployment eingesetzt, das täglich tausendfach passiert.  Auf dieser Basis konnte Netflix seine Geschwindigkeit bei der Implementierung neuer Features eklatant erhöhen. DevOps unterstützt den Anbieter damit quasi bei seiner Mission, die klassischen Prinzipien rund um das TV-Erlebnis zu revolutionieren.

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DevOps ist für alle da

Heute sind es technisch versierte Kunden gewöhnt, die Vorteile von technischen Innovationen jederzeit nutzen zu können. Gleichzeitig ist die Toleranz gegenüber fehlerhafter, instabiler oder unsicherer Software gesunken. Die Erwartungen der Kunden sind die Antriebsfeder der sogenannten „Application Economy“, in der Unternehmen hauptsächlich durch ihre Software wahrgenommen werden und Technologie als geschäftlicher Wegbereiter verstanden wird. In diesem Umfeld ist es absolut essentiell, hochwertige Software zuverlässig zu liefern.

Auch Unternehmen in Branchen abseits der Software-Entwicklung haben erkannt, dass heute nahezu jede Firma ihr Kerngeschäft mit Software unterstützt. Der beliebte Pickup F-150 der Ford Motor Company etwa hat mehr als 150 Millionen Zeilen Code in seinen Steuergeräten. Ein leitender Ingenieur des Ford EcoBoost Motoren-Teams bemerkte daher zu Recht, das „Geheimnis” für den Erfolg der EcoBoost-Technologie liege in der Software.

Unternehmen, die hochwertige Software schnell liefern wollen, kommen daher kaum an DevOps vorbei und sollten sich Gedanken über Continuous Delivery machen. CD ist grundlegend für fortlaufende Software-Entwicklung, -Tests sowie  -Deployment in inkrementellen Releases. Wie bereits  Henry Ford feststellte: „Nichts ist übermäßig schwierig, solange man es in viele kleine Arbeitsschritte aufteilen kann.“

DevOps ist Common-Sense

Software wurde früher mit Variationen der Wasserfall-Methodik entwickelt, mit monate- oder jahrelangen Freigabezyklen. Vieles in der Software-Entwicklung ist heute veraltet, weil es in einer Zeit entstand, als Software noch auf Disketten oder CDs verkauft wurde und Batch-Jobs auf dem Mainframe liefen. Damals waren Fehler kostspielig, und Fehlerprävention galt als oberstes Gebot. Entsprechend wurde auf mehrfache Schleifen mit Review- und Approval-Prozessen gesetzt, anstatt Fehler schnell zu finden und beheben.

Allerdings schleichen sich selbst dort immer mal Mängel ein und eine Nachbesserung wird notwendig. Folgt man CD-Praktiken, werden die Freigabezyklen auf wenige Tage, Stunden oder gar Minuten verkürzt und unterstützen gezielt die schnelle Identifizierung und Korrektur von Fehlern. DevOps spiegelt also die Bemühungen der Industrie wider, veraltete Konzepte durch Anpassung an die veränderten Gegebenheiten zu überarbeiten und die Anforderungen der Application Economy zu erfüllen.

DevOps steigert die Mitarbeiterzufriedenheit

In vielen Software-Unternehmen verbringen die Teams zu viel Zeit mit endlosem „Firefighting“. Den meisten Mitarbeitern missfällt diese Arbeitsweise, und die Ineffizienz dieses Systems macht produktives Arbeiten beinahe unmöglich.

Denn die meisten Software-Entwickler haben diesen Beruf gewählt, weil sie kreativ arbeiten, interessante Probleme lösen und innovativ entwickeln möchten. Muss man stattdessen tagein-tagaus die gleichen Krisen bewältigen, führt dies zu hoher Unzufriedenheit – und verstärkt damit letztlich die Wechselbereitschaft der Mitarbeiter.

Durch die Einführung agiler Praktiken und Continous Delivery im Rahmen von DevOps kann die Zufriedenheit der Mitarbeiter im Entwicklungsprozess dagegen deutlich gesteigert werden. Da sie moderne Arbeitspraktiken verwenden, ziehen diese Firmen auch mehr junge Talente an. Zufriedene Mitarbeiter, die weniger öde Routinetätigkeiten vollführen und denen ein Freiraum für Innovation gewährt werden kann, bleiben auch länger bei einem Unternehmen. So sah etwa ein großer Anbieter von Finanzsoftware innerhalb weniger Wochen nach Einführung von CD als Unterstützung für DevOps einen Anstieg seiner Mitarbeiterzufriedenheit um 15 Prozent. Nicht weniger wertvoll ist die Tatsache, dass zufriedene Mitarbeiter auch produktiver sind, was neben einer verbesserten Software-Entwicklung auch reelle Kostensenkungen mit sich bringen kann.

DevOps ist keine Eintagsfliege

Manche sehen DevOps als Modeerscheinung, ähnlich wie Software-orientierte Architekturen (SOA) vor ein paar Jahren der „letzte Schrei“ waren. Auch wenn DevOps ein Prozess-Muster und keine Architektur darstellt, macht der Vergleich dennoch Sinn. Einer der Hauptgründe für das Scheitern von SOA war die unhandliche und architekturzentrische Struktur, die heute durch weniger sperrige Microservices ersetzt wird. Dadurch kann die Anwendungsarchitektur viel leichter in Form von kleinen, bereichsübergreifenden Teams angepasst werden, die sich auf einzelne Features konzentrieren.

Derselbe Wechsel in der Herangehensweise – von überbordenden und starren Prozessen zu agilen, flexiblen Praktiken – hat sich mit DevOps auch für Software-Entwicklung und -Betrieb vollzogen. In vielen Branchen geht der Trend hin zu Flexibilität und Agilität, somit ist DevOps auch außerhalb der traditionellen Software-Entwicklung relevant. DevOps ist daher keine Modeerscheinung, sondern ein langfristiger Trend.

DevOps ist machbar

Die Einführung von DevOps gelingt besonders gut, wenn man sich auf pragmatische Prinzipien anstatt auf dogmatische Formen konzentriert. Dennoch sollte ein Unternehmen nicht nur auf Anraten von Analysten mit DevOps beginnen, sondern potenzielle Schwierigkeiten und Vorteile selbst evaluieren. Dies sollte dann jedoch auch mit einem gesunden, skeptischen Misstrauen im Hinblick auf die Aussage erfolgen, DevOps könne sämtliche Probleme lösen, denen sich ein Software-Unternehmen gegenüber sieht.

Die Frage, inwieweit DevOps für das eigene Unternehmen sinnvoll ist, muss jeder selbst entscheiden. Derzeit legt die Summe an Erkenntnissen nahe, dass man bald mit DevOps beginnen sollte, wenn man nicht Risiko laufen will, von der Konkurrenz abgehängt  zu werden.

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