Das waren die wichtigsten Entwicklerthemen 2015 - Teil 2

Windows 10 Mobile, Vagrant-Nachfolger Otto und IoT-Fundstücke – unser Jahresrückblick
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Mit großen Schritten bewegen wir uns in Richtung Jahresende. Zeit zurückzublicken und das Jahr Revue passieren zu lassen. In einer Artikelserie greifen wir die wichtigsten Themen aus 2015 auf – welche Technologien, Ereignisse und Trends haben Entwickler in diesem Jahr besonders bewegt und interessiert? In dieser Ausgabe blicken wir auf die „never ending“ Build-Geschichte von Windows 10 Mobile, auf den Vagrant-Nachfolger Otto von HashiCorp und auf die schrägsten und skurrilsten Fundstücke aus dem Internet of Things.

Windows 10 Mobile: Neuer Build, oder doch nicht?

Nachdem am 29. Juli endlich die langersehnte Desktop-Version von Windows 10 an den Start ging, war natürlich auch die Hoffnung auf das Release der mobilen Ausgabe des neuen Microsoft-Betriebssystems groß. Final verfügbar ist Windows 10 Mobile allerdings bis heute nicht. Aktuell kommen nur Nutzer von Lumia 950 und 950 XL in den Genuss der “fertigen“ Version des neuen OS, Besitzer von älteren Modellen müssen sich dagegen weiterhin in Geduld üben. Und das obwohl Microsoft ursprünglich angekündigt hatte, ein Upgrade auf Windows 10 Mobile spätestens im Dezember zur Verfügung stellen zu wollen.

Doch bei der Entwicklung des Mobilbetriebssystems scheint gelinde gesagt der Wurm drin. Immer wieder kam es beim Ausspielen neuer Test-Builds an Teilnehmer des Windows-Insider-Programms zu Verzögerungen.  Um den Prozess voranzubringen, hat sich das Windows-Entwicklerteam im September auf Wunsch der Tester hin sogar dazu durchgerungen, den zu diesem Zeitpunkt ausstehenden Build 10536  trotz schwerwiegendem Bug in den Fast Ring zu schießen. In letzter Sekunde entschied sich Microsoft allerdings wieder um. Grund für die kurzfristige Planänderung war laut Windows-Insider-Chef Gabe Aul ein weiterer Fehler, der zu dem bereits bekannten hinzugekommen ist. Zwar ist die Preview letzten Endes doch noch in den Händen der Insider gelandet, die Testphase von Windows 10 Mobile stand aber auch weiterhin unter keinem guten Stern. Im Oktober verkündete Aul die schlechte Nachricht, dass es vorerst keinen neuen Build des Mobilbetriebssystems geben werde. Als Begründung hierfür nannte er Probleme mit der Telemetrie, die das Windows Phone crashen ließ:

Der Fehler konnte zwar behoben werden, aber auch die nächste Testrunde ging nicht ohne Probleme über die Bühne. Wieder einmal wurde kurz vor dem Release der neuen Preview  – Build 10549 –  ein Fehler festgestellt, der zur Folge hatte, dass alle Insider, die bereits eine Vorabversion installiert hatten, nach Installation des Builds an einem schwarzen Bildschirm hängen blieben. Um Insider nicht länger warten zu lassen, hat sich das Entwicklerteam allerdings entschlossen, die neue Vorschauversion nicht zurückzuhalten, und sie trotz Bug in den Fast Ring zu schießen.

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Ebenfalls im Oktober, am 30. um genau zu sein,  gelang Microsoft schließlich eine große Überraschung: das Entwicklerteam schoss nicht nur einen Desktop-Build von Windows 10 in den Fast-Ring, sondern einige Stunden später auch von der mobilen Version des OS. Erstmals gelang es dem Team damit, Test-Builds beider Versionen beinahe gleichzeitig zu veröffentlichen.

Seit November dürfte Windows 10 Mobile auf einem relativ akkuraten Entwicklungsstand sein; bei dem in diesem Monat veröffentlichten Build handelt es sich praktisch um die gleiche Version, die vorinstalliert auf den neuen Lumia-Modellen gelandet ist.  Die vermeintliche RTM-Version hat sogar schon ein erstes Update erhalten und auch eine zweite große Aktualisierung für Windows 10 Mobile ist bereits in Arbeit: Projekt Redstone.  Ein erster Redstone-Build könnte Gerüchten zufolge übrigens schon bald an Insider ausgespielt werden.

Wann ein Upgrade auf Windows 10 Mobile auf für ältere Lumia-Geräte bereitstehen wird, steht jedoch auch weiterhin in den Sternen. Eines allerdings lässt sich mittlerweile mit Sicherheit sagen: Android-Apps für das neue Microsoft OS wird es in Zukunft nicht geben. Hintergrund hierfür ist, dass die Windows Bridge für Android  (alias Project Astoria)  – das Tool zur Portierung von Android-Apps auf Windows 10 Mobile – im Zuge der Entwicklung des OS vor dem Aus steht. Mögliche Gründe für den Projektstopp lest ihr hier,  nähere Infos zum Projekt und dem iOS-Pendant haben wir außerdem in diesem Beitrag für euch zusammengestellt.

Hail Otto, Succesor to Vagrant!

Vagrant gilt zweifelsohne als eine der wichtigsten Virtualisierungslösungen auf dem Markt. Dennoch scheint sie nicht einmal den Machern selbst genug zu können. Denn Vagrant aus dem Hause HashiCorp bekommt Konkurrenz – aus dem eigenen Lager: Otto.
Die neue Single Solution soll als „App-Lifecycle-Verwaltung“ gegenüber Vagrant, das sich hin und wieder als zickig erwies und bisweilen zahlreiche Workarounds benötigte, alles besser machen. Die Besonderheiten liegen dabei unter der Haube: So soll Otto in der Lage sein, ohne Konfiguration das richtige Development Environment zu schaffen. Außerdem dreht sich alles um Microservices. Wir haben natürlich gleich Version 0.1.1 unter die Lupe genommen und demonstrieren, wie man Otto unter Ubuntu 15.04 und Windows installiert.

Nützliches und Skurriles aus dem IoT

Dass der Hype ums Internet of Things nicht nur nützliche Dinge hervorbringt, wird spätestens dann klar, wenn man sich einmal anschaut, was sich im Netz so alles tummelt. Zu diesem Zweck haben wir euch eine Top 5 der skurrilsten Ideen aus dem IoT zusammengestellt:

1. EEG-Beanie: Des Öfteren ertappt man sich bei der Frage, ob sein Gegenüber eigentlich überhaupt mal nachdenkt. Darauf kann jetzt eine Antwort gegeben werden: Mit einem EEG-Beanie wird die Gehirnaktivität visualisiert. Indem man gemessene Signale durch einen Computer verstärkt, lässt sich eine eventuelle Gehirnaktivität in Echtzeit anzeigen.

2. Der eine Ring, sie alle zu knechten: Uns ist ein – sagen wir, interessantes – Wearable-Konzept eines Startups untergekommen: der ARING. In einem etwas bizarr anmutenden Video erklärt ein Pärchen, was der Ring im Gegensatz zum hier genutzten iPhone 6 alles kann.

3. Wearable Drones: Das Next Big Thing im IoT soll Drohne und Wearable zugleich sein. Denn Drohnen sollen in absehbarer Zeit genauso zu unserem Alltag gehören wie Smartphones – mit zwei unverkennbaren Unterschieden: Sie können physische Aufgaben erledigen und werden als Wearable funktionieren, wie zum Beispiel Breathe. Das Device sitzt auf der Schulter, misst die Luftqualität und schwebt bei stark verschmutzter Luft wie ein Filter vor das Gesicht.

4. Motorradfahrender Roboter: Yamaha hat einen ziemlich creepy anmutenden autonomen motorradfahrenden, humanoiden Roboter vorgestellt. Der Motobot genannte Roboter fährt ohne Hilfe in einer beeindruckenden Geschwindigkeit Motorrad. Er betätigt die Kupplung und das Fahrpedal, fährt Kurven und bleibt dabei stets aufrecht. Aber damit nicht genug: Motobot hat eine unheimliche, kindliche Roboterstimme verpasst bekommen, die den MotoGP-Weltmeister Valentino Rossi herausfordert.

5. Smarter Bierkühlschrank: Ok, zugegeben, das Produkt ist nicht skurril, sondern sogar ziemlich cool: Der Bud-E Fridge ist der erste vernetzte Bierkühlschrank der Welt. Das Device erinnert den Besitzer daran, den Biervorrat aufzustocken und weiß, wann die richtige Temperatur des Bieres erreicht ist.

Aber nicht nur skurrile Gadgets hat das Internet of Things zu bieten, sondern auch nützliche Plattformen, Protokolle und Sprachen. Besonders spannend waren in diesem Jahr die Programmiersprache ELIoT, der neue Standard P2413 für Architectural-Frameworks, die programmierbare Device-Cloud-Plattform Golgi und Thread, das Open-Standard-Protokoll für die Heimautomatisierung von Google. Auch beschäftigt haben uns die neuen Einsatzmöglichkeiten für Facebooks Parse im IoT, das Wio-Link-IoT-Modul von SeeedStudio und die gefundene SSH-Schwachstelle in Raspberry Pi.

Einstieg in die Entwicklung … und mehr Mathe!

Es ist unbestritten, dass technologische Branchen in Zukunft immer größere Nachfrage in Sachen Personal haben werden; schon heute ist in jedem Haushalt ein Rechner, Tablet, Smartphone und / oder Unterhaltungselektronik der unterschiedlichsten Art zu finden.

Wer Kinder hat, sollte sich also darauf gefasst machen, dass sie sich früher oder später mit dem „dahinter“ beschäftigen möchten. Das Ergebnis ist klar: Kinder an die Entwickler-Front!

Na ja … nicht so richtig. Aber man kann sie schließlich schon einmal gebührend auf ihr mögliches Berufsleben vorbereiten. Aus diesem Grund haben wir uns ein wenig umgesehen und die spannendsten Bücher, Programmiersprachen und Spielzeuge für Einsteiger vorgestellt. Und ja – uns ist bewusst, dass einige der vorgestellten Spielzeuge auch bei Erwachsenen Anklang finden (Sachspenden – bevorzugt Mindstorms-Startersets – bitte direkt an die entwickler.de-Redaktion schicken. Danke!) …

Vor dem Vergnügen kommt jedoch bekanntlich die Arbeit. Für Kids (und nicht nur für die, wie sich noch rausstellen wird!) bedeutet das: Schule. Dort im Besonderen das Thema Mathematik, das nicht nur nach Meinung unserer Leser zu kurz kommt. Auch Pouya Kamali, seines Zeichens CFO bei S&S Media und promovierter Mathematiker, sieht enge Parallelen zwischen der Mathematik und der Softwareentwicklung:

[… I]ch denke, was alle Entwickler gemein haben, ist, dass sie „von Beruf her“ Problemlöser sind. […] Diese Eigenschaft teilen sie mit Mathematikern, denn auch sie sind Problemlöser. Und das Interessante ist, dass Mathematiker eine exakte Wissenschaft aus ihren Lösungsansätzen geformt haben.

Es ist also an der Zeit, umzudenken. Wie genau das funktionieren könnte, hat er uns in einem kleinen Interview verraten.

Aufmacherbild: Nokia Lumia smartphone windows phone with We’re Getting There migrating data status bar percentage von Shutterstock / Urheberrecht: Hadrian

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