Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Abby Kearns

Women in Tech: Vielfalt sichert Innovation
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Abby Kearns, Executive Director der Cloud Foundry Foundation.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Abby Kearns

Abby Kearns ist eine echte Tech-Veteranin. Im Laufe ihrer 18-jährigen Karriere arbeitete sie im Produktmarketing und -management und für einen Mix aus Fortune-500-Unternehmen und Start-Ups. Als erster Fellow bei der Cloud Foundry Foundation und VP of Strategy war Abby für die Strukturierung und Durchführung operativer und strategischer Initiativen sowie für die Leitung des User Advisory Board und der Industry Special Interest Groups verantwortlich. Vor ihrem Eintritt in die Foundation war sie im Product Management Team bei Pivotal tätig, wo sie sich auf Pivotal Cloud Foundry konzentrierte. Zuvor leitete Abby ein Produktmanagement- und Produktmarketing-Team bei Verizon. Dort lag ihr Schwerpunkt auf Cloud-Services.

Als Abby zur Schule ging, gab es einen Grundkurs für Informatik und Maschine schreiben (das lag damals im Trend). Währenddessen konnte sie den ganzen Tag am Computer verbringen. Der Kurs war ihr erster Berührungspunkt mit einem PC. Über ihre gesamte Schulzeit hinweg liebte Abby Mathematik. In der High School entschied sie sich, einen Einführungskurs Informatik am örtlichen College zu besuchen. Sie wollte noch ein bisschen mehr lernen. Obwohl wirklich nur die Grundlagen auf dem Programm standen, faszinierte sie das Thema sehr. Jahre später, als sie sich für ein Hauptfach am College entscheiden musste, erinnerte sich Abby, wie sehr sie sich für Mathematik und Computer begeisterte. Schließlich fiel ihre Wahl auf Informatik.

Abbys Liebe zur Technologie hat sie immer begleitet

Beruflich gesehen hatte ich eine abwechslungsreiche Laufbahn. Nach dem College-Abschluss wollte ich einen Job in der Technik und arbeitete als Projektmanager bei Sabre. Ich leitete ein Projekt zur Einführung eines neuen E-Mail-Systems für eine Fluggesellschaft. Es war Novell GroupWise – ja, damals war ich dabei. Ich eignete mir schnell eine ganze Menge Wissen bezüglich Infrastruktur-, Projekt- und Programmmanagement an. Daneben lernte ich, ein großes, dezentrales Team zu führen. Was ich damals gelernt habe, hat meine Karriere nachhaltig beeinflusst. Danach verbrachte ich einige Jahre damit Teams zu leiten, Infrastrukturprojekte zu entwerfen und zu implementieren sowie mich mit deren Betrieb zu beschäftigen.

Ich habe Technologie schon immer geliebt, nicht nur das, was sie leisten kann, sondern auch in ihr Potenzial, sich zu verändern und weiterzuentwickeln.

Bereich Operations vermittelt viel darüber, was der Tag danach für eine Technologielösung wirklich bedeutet. Zusätzlich bekommt man eine Ahnung davon, was passiert, nachdem etwas live geht. Am Ende hat man ein enormes Einfühlungsvermögen für den Anwender. Die Rolle hat sehr geprägt, wie ich über ein Projekt denke. Das tut sie auch heute noch. Ich stelle Fragen wie: Was passiert, wenn die Software erst einmal in Produktion ist? Wie sieht die Nutzererfahrung aus? Skaliert die Software?

Ich habe Technologie schon immer geliebt, nicht nur das, was sie leisten kann, sondern auch in ihr Potenzial, sich zu verändern und weiterzuentwickeln. Ich bin jemand, der gerne lernt und den Rest seines Lebens lang lernen wird. Technologie ist das perfekte Umfeld dafür, weil ich ständig lernen muss, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Beharrlichkeit zählt

Ich war die erste aus meiner Familie, die aufs College ging. Ich war ebenfalls die erste und einzige, die eine Tech-Karriere startete. Dementsprechend hatte ich während meiner Kindheit eigentlich kein Vorbild für diese Art von Berufslaufbahn. Ich wusste nur, dass ich genau das wollte und ich hielt daran fest. Um mir das College zu finanzieren, habe ich eine Reihe von Jobs gehabt. Ich habe mir selbst beigebracht, wie ein Computer funktioniert und wie man ihn zusammenbaut. Ich bin wirklich zielstrebig und stur. Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe, gebe ich nicht eher Ruhe, bis ich es erreicht habe.

Abby fiebert der Technik der nächsten 20 Jahre entgegen, weil…

Eine Frau in der Tech-Welt stößt immer wieder auf eine ungeheure Zahl von Hindernissen. Einigen davon bin ich erst kürzlich begegnet. Als meine Karriere begann, wurde schlechtes Benehmen schlicht akzeptiert. Es war einfach die Art und Weise, wie die Welt funktionierte. Als Frau musstest du härter arbeiten und besser sein als dein männliches Pendant, nur um die selbe Augenhöhe zu erreichen. Die Welt beginnt sich endlich zu verändern. Wir fangen endlich an zu glauben, dass die Welt so nicht funktioniert. Ich bin wirklich gespannt auf die nächsten zwanzig Jahre in der Technik. Vielfältigkeit kann unserer Branche so viel Power bringen.

Heute habe ich das Privileg, Executive Director der Cloud Foundry Foundation zu sein, der Open Source Software Foundation, die das geistige Eigentum an Cloud Foundry, einer Open Source Cloud Application Platform, verwaltet. Als Stiftung sind wir dafür verantwortlich, dass das Open-Source-Projekt weiterhin erfolgreich sein wird. Zusätzlich ist es unsere Aufgabe, für ein nachhaltiges Ökosystem und eine Community um das Projekt herum zu sorgen.

Vielfältigkeit kann unserer Branche so viel Power bringen.

Meine Stelle bietet mir eine großartige Gelegenheit, mit einem brillanten Team, einem außergewöhnlichen Vorstand und einer Community zusammenzuarbeiten, die mich mit ihrem Talent und ihrer Tatkraft immer wieder begeistert. Über die Jahre hinweg habe ich mit unglaublichen Menschen und Technologien gearbeitet. Es war nicht immer einfach, aber Beharrlichkeit gegenüber jeder Herausforderung war schon immer meine Stärke. In meiner jetzigen Position kann ich zusammen mit unseren Mitgliedsunternehmen etwas bewegen, habe die Möglichkeit von einem unglaublichen Vorstand zu lernen, schwierige Probleme zu lösen und mit einem außergewöhnlichen Team zu arbeiten. Aber was noch viel wichtiger ist, ich habe Spaß dabei!

Eine Frau in der Tech-Welt sein

Viele Frauen bekommen keine Unterstützung, egal ob sie sich gerade erst für eine technische Fachrichtung entschieden haben oder schon seit Jahren in der Technikbranche unterwegs sind. Wenn Frau diesen Karriereweg einschlägt, kann es schwer fallen, Mentoren zu finden, die zu ihr passen und bereit sind, ihre Schützlinge zu fördern. Einige Unternehmen sind ein Club alter Herren. Mit wenigen, wenn überhaupt vorhandenen Frauen kann es unglaublich schwierig sein, einen kulturellen Wandel anzustoßen – es sei denn, er geht von oben nach unten.

Frauen werden viel zu wenig einbezogen, was Männern vollkommen entgeht. Kürzlich hörte ich Kara Swisher davon erzählen, wie sie männliche CEOs interviewte, die noch nie mit dieser Herausforderung konfrontiert waren. Dementsprechend glaubten sie nicht, was für ein tiefgreifendes Problem dahinter steckt. Natürlich beschäftigen unsere Gesellschaft auch systemische Fragen, etwa die fehlende Berücksichtigung berufstätiger Mütter oder unzureichende Mutterschaftsurlaubspolitik. Je mehr Herausforderungen Frauen gegenüberstehen, desto schlechter funktioniert die Pipeline. Wenn Frauen keine Unterstützung erfahren, wird es in der Konsequenz weniger Frauen geben, die in die Industrie einsteigen wollen. Punkt. Wir müssen das weiter verbessern.

Frauen und MINT

Es gleicht einem Teufelskreis: Wenn mehr Frauen in den MINT-Disziplinen arbeiten würden, wären sie nicht dem gleichen Grad an Ausgrenzung ausgesetzt. Wenn sie nicht Opfer von Ausgrenzung würden, würden mehr Frauen in den MINT-Disziplinen arbeiten. Vielfältigere Perspektiven – nicht nur die von Frauen, sondern allen möglichen Hintergründen – bringen mehr Stimmen und Meinungen und bessere Möglichkeiten, Probleme gemeinsam zu lösen.

Einige Unternehmen sind ein Club alter Herren. Mit wenigen, wenn überhaupt vorhandenen Frauen kann es unglaublich schwierig sein, einen kulturellen Wandel anzustoßen – es sei denn, er geht von oben nach unten.

Wohin geht die Diversity-Diskussion?

Das ist kein leicht zu lösendes Problem. Glücklicherweise hat es in den letzten Jahren immer mehr Organisationen gegeben, die es zu einer Priorität gemacht haben, Führungskräfte einzubeziehen, die sich mit traditionell unterrepräsentierten Gruppen identifizieren. Vielfalt ist der Schlüssel, um die Branche voranzubringen; sie hilft uns, eine nachhaltige und offene Gemeinschaft zu fördern und kontinuierliche Innovation zu gewährleisten.

Hier bei der Cloud Foundry Foundation konzentrieren wir uns darauf, die besten und klügsten Speaker zu unseren Veranstaltungen zu bringen, damit die sie die unterschiedliche Perspektiven beleuchten. In diesem Jahr hatten wir auf unserem Silicon Valley Summit eine größere Zahl Frauen, die eine Keynote hielten als Männer. Leider ist dies für diese Branche nicht typisch.

Tipps & Tricks

  • Seien Sie laut und stehen Sie für sich ein. Sie bringen genauso viel mit in die Runde wie Ihre männlichen Kollegen.
  • Vertrauen Sie auf ihre eigenen Fähigkeiten.
  • Seien Sie sich Ihres Werts bewusst und hören Sie auf ihr Bauchgefühl.

Das ist ein Rat, den ich jeder berufstätigen Frau geben würde, unabhängig davon, ob sie nun in der Tech-Branche arbeitet oder nicht.

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