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Interview mit Áine Mulloy, Mitbegründerin von GirlCrew

Women in Tech: „Es ist wichtig, immer weiter zu lernen und sich weiter zu entwickeln.“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Áine Mulloy, Mitbegründerin von GirlCrew.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Áine Mulloy, Mitbegründerin von GirlCrew

Áine Mulloy ist Mitbegründerin von GirlCrew, einem internationalen sozialen Netzwerk für Frauen. Sie ist Community Builderin, TEDx Speakerin und Advocate für Diversity und das Empowerment von Frauen. Mit ihrem geisteswissenschaftlichen Hintergrund arbeitete sie im Verlagswesen gearbeitet, bevor sie in die Tech-Branche wechselte.

Auf Twitter ist sie unter @AineMulloy zu finden.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ehrlichgesagt weiß ich nicht, ob ich jemals an Technologie „interessiert war“. Ich mag Communities. Die Apps und Technologien, die ich am meisten mag, passen alle in einige wenige Gebiete – einfache Wege zu kommunizieren, nützlich, oder zweckgetrieben. GirlCrew passt perfekt zu mir, da es all diese Grundlagen und noch viel mehr abdeckt.

Technologie hat so viele Einsatzbereiche, aber der Faktor Mensch wird häufig zuletzt bedacht, wenn es um die Bemühungen geht alles effizienter und schlanker zu machen. Doch zu welchem Zweck? Mehr Unternehmen sollten sich damit auseinandersetzen, wie sie auf eine Weise tätig sein können, die wirklich von Nutzen für die Gesellschaft sind. Und ich meine nicht nur auf praktische Art. Kunst ist nützlich, Schönheit, Humor und das ausgesprochen Alltägliche können allesamt nützlich sein. Während begrenzte Ressourcen in Produkte gepumpt werden, besteht eine Verantwortlichkeit, über die Auswirkungen unseres Handelns nachzudenken. Wollen wir auf eine fairere und gleichere Welt hinarbeiten? Ich will. Denke ich, dass uns Technologie dabei helfen kann das zu erreichen? Ja. In diesem Sinne bin ich an Tech interessiert, aber ich bin mehr an Konzepten und Auswirkungen interessiert als an der Funktionsweise. Ich mag das Gesamtbild.

Ich habe mit einem Master in Literatur und Publizistik begonnen, bevor ich in einem Bildungsverlag gearbeitet habe. Ich hatte mir vorgestellt, im publizistischen Bereich zu arbeiten, bin jedoch in den Tech-Bereich gestolpert. Wenn man aus der Rolle einer Angestellten in einem Team mit strukturierter Hierarchie hin zum Mitbegründerinnen-Dasein wechselt, gibt es einige Dinge an die man sich anpassen muss. Nicht nur die Praxis ein Geschäft zu führen, sondern auch die Fähigkeit ein Team effektiv zu anzuführen. Insbesondere wenn das Team und das Unternehmen jung sind. Der Aufbau von Strukturen und Prozessen ist wichtig, wird aber oft von der Notwendigkeit verdrängt, die Arbeit fertig zu stellen. Es ist wichtig, einen Schritt zurück zu treten und zu priorisieren was getan werden muss und welche Probleme zuerst gelöst werden müssen.

Familie und Freunde – die wichtigsten Unterstützer

Meine Freunde und Familie waren eine enorme emotionale Unterstützung. Sie haben sich definitiv für mich stark gemacht. Es gibt so viele faszinierende Frauen die ich kenne und von denen ich den letzten Jahren gehört habe, dass ich nicht sicher bin ob ich sie alle auflisten könnte. Wenn ich einige auswählen müsste, würde ich Pat McGrath und Ann O´Dea wählen. Obwohl sie komplett verschieden sind, haben diese beiden Frauen Barrieren auf verschiedene Arten durchbrochen. Was ich an ihnen am meisten bewundere, ist, dass sie kompromisslos sie selbst sind und sich für Diversität und Inklusion einsetzen, während sie tolle Organisationen aufbauen.

Meine Familie war immer sehr akademisch und aufs Lernen fokussiert. Ich mag es, neue Dinge zu lernen und neue Informationen zu finden. Es ist wichtig, immer weiter zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Sonst stagnieren Dinge nur. Zum Glück hat mein gesamtes Team die gleiche Perspektive darauf.

Ein Tag in Áines Leben

Als Mitbegründerin und CMO von GirlCrew leite ich Anstrengungen des Unternehmens in den Bereichen Branding, Marketing, PR und Partnerschaften. Obwohl es Aufgaben gibt, die täglich anfallen, habe ich das Glück niemals zwei identische Tage zu haben. Es könnte die Erforschung neuer Märkte sein, das Testen von Landing Pages, die Zusammenarbeit mit Klienten und Partnern, das Hosting von Events, die Entwicklung neuer Kampagnenstrategien und das Management des Teams sein. In dieser Phase bringen alle ihre Ideen mit ein und wir haben hart daran gearbeitet, einen Raum für die Zusammenarbeit zu schaffen. Die besten Ideen sind immer diejenigen, bei denen das ganze Team an einem Strang gezogen hat um eine Vision lebendig werden zu lassen.

Ich wurde eingeladen, an einem Rundtisch-Gespräch mit dem Herzog und der Herzogin von Sussex – auch bekannt als Meghan Markle und Prinz Harry – während ihres Staatsbesuchs in Irland teilzunehmen. Die Herzogin hatte spezifisch danach gefragt, verschiedene Tech-Leader zu treffen und über die Herausforderungen für Frauen und Mädchen im MINT-Bereich zu sprechen. Über die Eintrittshürden und so weiter. Es war eine unglaubliche Erfahrung, da ich nicht nur als eine von acht irischen Industry-Leaders ausgewählt wurde, sondern wir hatten auch die Möglichkeit die Probleme von Frauen im Vorfeld zu analysieren. Es war eine unglaubliche Erfahrung.

Warum gibt es nicht mehr Frauen im Tech-Sektor?

Wenn Mädchen älter werden, muss man ihnen zeigen, dass sie großartig in Mathe sein können.

Betrachtet man die Hürden mit denen viele Frauen konfrontiert sind, ist es schon fast ein Wunder, dass es so viele von uns gibt. Im Kern geht es aber um zwei Dinge: Ausbildung und Zuversicht. Die heutigen Systeme sind nicht für Frauen gestaltet, sie sind für Männer gestaltet. Das gilt nicht nur für die Arbeitswelt, das gleiche gilt auch für Bildungsumgebungen, Haushaltsstrukturen, gesellschaftlichen Druck etc.

Bereits zu Hause bei den Eltern muss die Vermittlung der Tatsache beginnen, dass Tech-Jobs eine sinnvolle Option für jede/n darstellen, unabhängig vom Geschlecht. Zweitens müssen Schulen verändert werden, um Mädchen dazu zu ermutigen Fächer zu belegen, die traditionell männlich dominiert waren. Insbesondere wenn man berücksichtigt, dass dieses Geschlechterungleichgeweicht häufig das Resultat von unzureichender Ausbildung und Ressourcen über Generationen hinweg ist. Wenn Mädchen älter werden, muss man ihnen zeigen, dass sie großartig in Mathe sein können. Dieses System der Unterstützung muss bis in die Universitäten und darüber hinaus durch ein Netzwerk aus Mentoring und Sponsoring fortgeführt werden.

Wenn wir tiefer über Frauen in der Arbeitswelt nachdenken, müssen die Arbeitszeiten und Arbeitsgewohnheiten flexibler werden. VCs müssen mehr weiblich geführte Startups finanzieren und weiblich geführte Unternehmen als ernsthafte Wettbewerber ansehen.

Ich denke es wird einige Zeit vergehen bevor irgendeine Form der Parität erreicht ist, aber es ist großartig, dass diese Gespräche (über Diversity) geführt werden. Ich denke an diesem Punkt müssen wir wirklich über das Reden hinausgehen und anfangen zu handeln. Es gibt keinen Grund, weshalb nicht einige der Punkte die aus der Forschung kommen beschleunigt und echte Veränderungen eher früher als später hervorgebracht werden können.

Frauen in MINT

Wir wissen, dass die Ausbildung und Erwerbstätigkeit von Frauen einer der einfachsten Wege ist, um Familien aus der Armut zu holen. Außerdem bestimmen Frauen über Konsumausgaben. Wenn dieser Teil der Gesellschaft also Zugang zu einer größeren Menge verfügbaren Einkommens bekommt, können lokale Gemeinschaften und die örtliche Wirtschaft aufblühen. Die Forschung zeigt, dass Unternehmen mit mehr Frauen in Entscheidungspositionen dazu tendieren einen größeren Anteil an Frauen einzustellen, als Unternehmen mit ausschließlich Männern in vergleichbaren Positionen. Vorbilder, mit denen sie sich identifizieren können, ermutigen andere zum Schritt in die MINT-Richtung, sodass junge Generationen anfangen, MINT-Fächer als interessante Option zu sehen.

Betrachtet man die Hürden mit denen viele Frauen konfrontiert sind, ist es schon fast ein Wunder, dass es so viele von uns gibt.

Die Auswirkungen von Frauen in diesen Jobs reichen weit über eine einzelne Branche hinaus. Die Wahrheit ist, dass es immer Frauen im MINT-Bereich gab, und das auf allen Ebenen. Früher wurden ihre Erfolge nicht dokumentiert, wurden gestohlen oder einfach nicht sichtbar gemacht. Das ist heute viel schwieriger. Wenn mehr und mehr Frauen ermutigt werden sich einzubringen, wird die Basis dieser Community immer größer und das Wissen, das Frauen dazu ermutigt, wird immer weiter geteilt und wird einen unglaublich positiven Effekt auf die Kultur haben.

Hindernisse

Isolation wird häufig genannt. Es existiert der Eindruck, dass Frauen häufig die einzige weibliche Person in ihrer Bezugsgruppe sind, was immer herausfordernd ist, da es bedeuten kann, dass Frauen oft nicht gehört werden. Der anhaltende Mangel an Finanzierung ist eine weitere riesige Barriere. In der EU erhalten weiblich geführte Startups 12% der Finanzierung, in den USA erhielten weiblich geführte Unternehmen im Jahr 2017 nur 2% aller verteilten VC-Dollar. Das ist ein Problem.

Tipps & Tricks

Bleib dran und kämpf dich durch Häufig geht es darum, auf den eigenen Bauch zu hören und sich auf den Instinkt zu verlassen. Viele Hindernisse versperren den Weg, aber es ist wichtig an sich selbst zu glauben. Wir alle leiden am Hochstapler-Syndrom und Unsicherheitsanfällen, aber man muss am stärksten für sich selbst kämpfen. Find etwas das dich begeistert und arbeite daran, es für dich und andere zu erschaffen.

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