Interview mit Alisa Dammer, Backend-Entwicklerin und Datenwissenschaftlerin

Women in Tech: „Stereotypen und niedrige Erwartungshaltungen sind starke Hindernisse für Frauen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Alisa Dammer, Backend-Entwicklerin und Datenwissenschaftlerin bei Joblift.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Alisa Dammer

Mein Hauptinteresse gilt der Datenanalyse. Dabei interessieren mich vor allem neuronale Netzwerke und deren Einsatz in verschiedenen Bereichen wie bei der Bilderkennung, der Textklassifikation und auf den Finanzmärkten.

Während meines ersten Studiums habe ich genug theoretisches Wissen in Mathematik und Statistik gesammelt, um ohne Schwierigkeiten in wissenschaftlichen Kontexten arbeiten zu können. In meinem zweiten Studium habe ich mir umfassende Programmierkenntnisse angeeignet.

In meiner Freizeit versuche ich stets meinen Horizont zu erweitern, und habe unter anderem Online-Kurse (von technischen Kursen bis hin zu Kursen zum Thema Neurobiologie), neue Technologien (zuletzt Blockchain und Solidity) und Sprachen für mich entdeckt. Ich nehme regelmäßig an GameJams teil und versuche darüber hinaus meinen Körper nicht zu vernachlässigen: Sport, Meditation und eine alles in allem gesunde Lebensweise sind ein Muss.

Was hat dein Interesse für Technik geweckt?

Vermutlich war ich im ersten oder zweiten Jahr meines zweiten Studiums, als ich erkannte, welche Vorteile die Kombination von technischen und nicht-technischen Fähigkeiten mit sich bringt. In dieser Zeit habe ich ein tiefgreifendes Interesse für Technik entwickelt.

Nach meinem ersten Bachelor in Mathematik und Wirtschaft (B.Sc.) wollte ich etwas weniger abstraktes machen (Mathematik ist ziemlich cool, aber eben doch auch ziemlich abstrakt). Ich habe also ein zweites Studium (Informationssysteme, d.h. Wirtschaft und Informatik) begonnen und zunehmend starkes Interesse an der Programmierung entwickelt (Spieleentwicklung und Datenanalyseanwendungen waren meine Favoriten). Das Problem war, dass ich im Vorfeld noch keinerlei Programmiererfahrung hatte. Frühere Kurse haben sich stets eher an Studenten mit zumindest rudimentärer Programmiererfahrung oder einem guten Vorverständnis zugrundeliegender Konzepte gerichtet. Zu allem Überfluss war das Studium auf Deutsch, wodurch ich seinerzeit noch nicht alles genauestens verstehen konnte.

Meine Familie ging davon aus, dass ich im Management oder in anderen Wirtschaftszweigen erfolgreicher sein würde. Wenn es um Fähigkeiten bzw. Wissen geht, ist mein Freund so etwas wie mein Vorbild. Meine Familie hat nie mein starkes Interesse an technischen Belangen akzeptiert, wodurch ich zunächst mehr oder weniger genötigt wurde, Wirtschaft und Mathematik zu studieren. Als ich meinen zweiten Bachelor in Informationssystemen gemacht und einen Backend-Engineering-Job in der Tasche hatte, konnte mich allerdings niemand mehr aufhalten.

Ein Tag in Alisas Leben

Ich arbeite in dem kleinen Startup „Joblift“ als Software Engineer. Ein typischer Tag beginnt um etwa 9:15 Uhr mit der Überprüfungen von Slack Channels auf dringliche Nachrichten und Bug Reports. Gegen 10:15 Uhr treffen sich kleinere Teams und tauschen sich über Fortschritte, Probleme, aktuelle Themen oder andere Dinge, die im Projektrahmen wichtig sind, aus.

Unsere tägliche Arbeit besteht aus handfester Programmierung und der Kommunikation mit dem Vertrieb/Management, die in einer anderen Stadt angesiedelt sind (unser Team ist zweigeteilt: Tech / Nicht-Tech). Mittagessen gibt es um 12:30 Uhr und danach geht es weiter bis ca. 18+ Uhr.

Ich bin stolz darauf, einfache und zugleich leistungsstarke Tools und Programme (wie EtE) entwickeln zu können, die meinen Kollegen und unseren Endanwendern helfen. Genaugenommen bin ich also auf meine fachlichen Fähigkeiten stolz.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Obwohl das für unser Technik-Team gerade nicht zutrifft (40% des Teams besteht aus Frauen), glaube ich, dass Frauen nicht immer mit dem erwarteten Engagement mithalten können. Was ich meine, ist, dass Frauen für gewöhnlich mehrere zusätzliche Aufgaben neben dem Erlernen neuer fachlicher Kompetenzen haben (Hausarbeit, Kinder, Hobbys, Frauen sind sozialer, etc.). Das ist nicht schlimm, aber letztlich werden Personen, die mehr Zeit in etwas investieren, immer besser darin sein. Männer haben (zumindest nach meinem Gefühl, vermutlich ist es auch sehr branchenspezifisch) freiere Gestaltungsmöglichkeiten für ihre Zeit.

Lesen Sie auch: Women in Tech: „Wir haben die Gleichstellung der Geschlechter in der Tech-Branche noch nicht ganz erreicht“

Die Zahl der Frauen in der Tech-Branche ist angestiegen. Allerdings ist es ist sehr schwer, Debatten und Statistiken direkt miteinander zu vergleichen. Debatten sind nur der erste Schritt. Viel wichtiger ist, was danach passiert – und das werden wir abwarten müssen.

Hindernisse

Stereotypen und niedrige Erwartungshaltungen sind starke Hindernisse. Letztere sind in jedem Fall schlecht, da Personen im Vorfeld abgewertet werden und es schwierig sein dürfte, die tatsächlichen Fähigkeiten und Kenntnisse nachträglich unter Beweis zu stellen.

Tipps & Tricks

Ein paar Ratschläge meinerseits sind:

  1. Dickköpfig sein
  2. Nicht schüchtern sein, sondern mehr Leute kennenlernen
  3. Zu Meet-ups gehen, auch wenn man die behandelten Technologien noch nicht genau kennt
  4. An Hackathons teilnehmen
  5. Videospiele spielen
  6. Stereotypen nicht (sofort) erfüllen
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