Heute im Interview: Amal Johnson

Women in Tech: „Du musst Verantwortung für deinen eigenen Erfolg übernehmen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Amal Johnson, Tech-Veteranin mit IBM-Vergangenheit und Mitglied mehrerer Unternehmensvorstände.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Amal Johnson, Tech-Veteranin mit IBM-Vergangenheit und Mitglied mehrerer Unternehmensvorstände

Amal Johnson

Amal Johnson verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der High-Tech-Industrie, von Anwendungssoftware über Cloud Computing bis zu Hosted Services. Sie ist ehemalige Vorstandsvorsitzende von Author-IT Inc, einem Software-as-a-Service-Unternehmen, das eine Plattform zum Erstellen, Warten und Verbreiten technischer Inhalte betreibt.

Gegenwärtig ist sie in den Vorständen von Mellanox Technolgies (MLNX), CalAmp (CAMP), Intuitive Surgical Inc (ISRG), und Essex Property Trust Inc (ESS) tätig. Außerdem ist sie eine Risikoberaterin für Illuminate Ventures.

2008 wurde Johnson vom Magazin „The Corporate Board Member“ als eine der Top 50 Frauen in der Tech-Branche gelistet, 2011 wurde sie von der San Francisco Business Times zu einer der einflussreichsten Frauen in der Wirtschaft der Bay Area gewählt.

Amal hat einen B.A. in Mathematik von der Montclair State University und studierte Informatik an der Stevens Institute of Technology graduate school of engineering.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Die Mondlandung begeisterte mich wirklich, und ich wollte mehr darüber erfahren.

In meinem Grundstudium belegte ich Mathematik mit Physik als Nebenfach. Im Hauptstudium befasste ich mich dann mit Informatik. Ein paar Jahre später arbeitete ich in meinem ersten Job in der Tech-Branche als Programmiererin für IBM Systems 3, bevor ich in den späten 70ern in Vollzeit bei IBM eingestellt wurde. Ich war schon früh von Computern fasziniert, besonders die Mondlandungen in den späten 60ern und frühen 70ern weckten meine Aufmerksamkeit. Durch den Hype und die Berichterstattung um das Thema schien es, als wäre die ganze Welt auf die Mondlandung fokussiert. Ich war nur eine junge Schülerin an der High School, aber das begeisterte mich wirklich, und ich wollte mehr darüber erfahren.

Ich kam als ausländische Studentin aus dem Nahen Osten in die Vereinigten Staaten. Ich hatte gerade meinen Schulabschluss gemacht, doch in meiner Heimat herrschte große Unruhe. Als ich in die USA kam, war ich mit einem komplett neuen Lebensstil konfrontiert. Ich musste die amerikanische Kultur begreifen, mich anpassen, einen Job finden und so weiter. Als ich schließlich von IBM angeheuert wurde, war dies ein großer Schritt in meiner Karriere. IBM bot eine fabelhafte Ausbildung und gab Frauen die Möglichkeit, eine Vielzahl von Dingen zu lernen. Darunter waren Informatik, die Kunst der zielgerichteten Komunikation, Kundenbeziehungen und wie man eine neu aufkommende Industrie managt. Am wichtigsten war, dass ich lernte, wie man großen Konzernen die positiven Auswirkungen von Technologie zeigt und wie man in dieser Richtung voranschreitet.

Meine erste Arbeit in der Tech-Branche war eine Anstellung als System-3-Programmiererin bei der Bank of America. Zu dieser Zeit suchte IBM nach jungen Recruitern. Ich wurde von einem IBM-Ingenieur empfohlen, der mit mir bei der Bank of America arbeitete. Ich durchlief mehrere Tests, wurde interviewt und schließlich ins Ausbildungsprogramm von IBM aufgenommen. Nach 18 Monaten intensiven Trainings erhielt ich schließlich meine erste Aufgabe: Ich sollte die Implementierung des ersten ATM-Netzwerks für die Wells Frago Bank organisieren.

Als ich meine Laufbahn begann, war IBM der Arbeitgeber schlechthin. Heute denken wir bei Tech-Innovatoren an Facebook oder Google, doch in den 70ern war IBM dieses Unternehmen. Eingestellt zu werden, war wie ein Lottogewinn. IBM bildete seine Angestellten nicht nur 18 Monate lang aus, sondern sorgte danach auch für jährliche Weiterbildungen. Darüber hinaus war IBM eine Firma, die aus ganzem Herzen an Diversität, insbesondere an die Förderung von Frauen, glaubte. Zusätzlich zur Abwicklung von Kundenprojekten und internen Ressourcen hatten wir auch Zugriff auf technische Bildung. Eine der entscheidenden Positionen, die ich innehatte, war als Assistentin im Büro des CEOs von IBM, John Akers, wo ich neun Monate lang tätig war. Die Erfahrungen, die ich sammeln konnte, waren besser als jeder Universitätsabschluss, und die dortigen Rollenvorbilder gehörten zu den besten in der Branche.

Meine letzte Position bei IBM war die Leitung des Außendienstes für Vertrieb, Marketing und Services im Silicon Valley. Ich war die wichtigste IBM-Führungskraft, die als Schnittstelle zu den größten Technologieunternehmen im Valley fungierte und an diese verkaufte. Ich hatte das Glück, ihnen behilflich zu sein und von ihnen lernen zu können.

Hat jemals jemand versucht, dich vom Lernen und von beruflichen Fortschritten abzuhalten?

Ich denke, die Frage geht eher in die Richtung: „Hast du jemandem erlaubt, dir im Weg zu stehen?“ Und meine Antwort darauf ist: Das hat jeder selbst in der Hand. Ich habe geheiratet, bekam ein Kind und musste lernen, Karriere und Familie miteinander in Einklang zu bringen. Es lag an mir, und ich musste das hinkriegen. Es sollte niemals eine externe Macht sein, die dir hilft oder dich von etwas abhält.

Ein Tag in Amals Leben

Aktuell sitze ich in vier Unternehmensvorständen und berate junge Frauen in ihrer ersten Rolle als CEOs. Für mich gibt es keine zwei identischen Tage. Alles hängt von den Bedürfnissen und Anforderungen der Unternehmen ab, mit denen ich arbeite.

Besonders stolz bin ich auf die Teams, die ich aufgebaut habe, auf die Leute, die ich berührt habe, auf die Beratung und das Mentoring, das ich formell als Vorstandsmitglied oder informell für CEO-Anfängerinnen gebe. Ich habe in den letzten 20 Jahren Gruppen von Leuten geleitet, und es kann ein einsamer Job sein, zum ersten Mal CEO zu sein. Du brauchst ein externes Umfeld, das dir dabei hilft, die Risiken und Herausforderungen zu durchdenken. Ich war eine derjenigen, nach deren Unterstützung andere Frauen die Hände ausstreckten, und es war leicht für mich, da ich auch schonmal CEO war. Ich war in der Lage, etwas zurückzugeben und sie zu unterstützen, bis sie die nötige Erfahrung hatten, um ihr Unternehmen wachsen zu lassen. Wir alle brauchen Gemeinschaften, die uns in unterschiedlichen Bereichen unseres Lebens unterstützen. Ich schlage immer den Aufbau solcher Gemeinschaften und Netzwerke vor, die beim Finden der richtigen Balance helfen können.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Es ist nicht leicht, eine fordernde Karriere aufrechtzuerhalten und gleichzeitig eine gesunde Life-Balance beizubehalten. Es gibt viele Frauen, die an dieser Branche interessiert sind. Sie unternehmen die ersten nötigen Schritte und erreichen einen Punkt, an dem sie Entscheidungen treffen müssen. Man kann immer mehr Familien beobachten, in denen der Vater seine Karriere aufgibt, während die Frau berufliche Fortschritte macht. Ich sehe  immer mehr Frauen in Führungsrollen und mehr Kolleginnen in den Vorständen.

Die Zeit arbeitet zu unseren Gunsten, da es definitiv mehr Frauen in Wissenschaft und Technik gibt. Zum Beispiel ist der CEO von IBM eine Frau, der ehemalige CEO von Hewlett Packard war eine Frau und der CEO von General Motors ist auch eine Frau. Aus meiner persönlichen Erfahrung heraus sehen wir immer mehr Frauen in Führungspositionen als Folge der Arbeit, die Ende der 70er Jahre Anfang der 80er Jahre geleistet wurde.

Du musst Verantwortung für deinen eigenen Erfolg übernehmen.

Frauen in MINT

Die Welt wäre definitiv eine andere, wenn mehr Frauen in MINT-Feldern arbeiten würden. Das schließt eine gleiche Anzahl an Sitzen und gleiches Stimmgewicht in den Entscheidungsgremien ein. Es gibt viele Situationen und Themen, in denen eine dezidiert weibliche Perspektive berücksichtigt werden muss. Ich glaube daran, dass die Welt eine andere wäre, wenn wir im Allgemeinen mehr Balance hätten.

Herausforderungen für Frauen in der Tech-Branche

In einer Branche, die immer noch überwiegend von Männern geführt wird, denke ich, dass die größte Herausforderung darin besteht, wie man seine eigene Stimme und seinen eigenen Stil entwickelt. Die Gefahr besteht, dass man sich als Frau so sehr anpasst, bis man selbst so wird „wie die anderen Jungs.“

Wie verschaffst du dir Gehör, ohne deine Identität oder deine Authentizität zu verlieren? Wie erhalten wir unseren Stil? Du musst authentisch sein, das ist eine wichtige Herausforderung. Ich habe das Gefühl, dass wir diese Barrieren in der Tech-Branche durchbrechen.

Man kann bereits Ergebnisse davon sehen. In Kalifornien schreibt ein neues Gesetz vor, dass ab 2020 Vorstände mit fünf Mitgliedern mindestens zwei und Vorstände mit sechs oder mehr Mitgliedern mindestens drei weibliche Mitglieder haben müssen. Je mehr darüber gesprochen wird, desto mehr erkennen die Menschen den Wert und desto weiter schreiten sie überzeugt voran und setzen etwas tatsächlich um. Das wird einen enormen Einfluss auf alle Bereiche haben.

Tipps & Tricks

Wir arbeiten in einer fordernden Branche, die sich extrem schnell verändert. Du bist dafür verantwortlich, dich konstant weiterzubilden und sicherzustellen, dass dein Wissensstand mindestens aktuell ist – wenn nicht sogar zwei Schritte weiter. Du musst dich bemühen, mehr zu lernen und Verantwortung für deinen eigenen Erfolg übernehmen. Es gibt keinen Platz für Selbstzufriedenheit, und du kannst dich nicht auf dein Wissen oder auf frühere Erfahrungen verlassen. Du musst engagiert sein und auf der Höhe der Zeit bleiben, sonst kannst du sehr schnell einen Stillstand erreichen.

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