Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Gina Contrino

Women in Tech: „Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder in den MINT-Berufen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Gina Contrino, Frontend-Entwicklerin bei Lisk.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Gina Contrino


Gina Contrino ist Frontend Entwicklerin bei Lisk und erfahrene JavaScript-Programmiererin. Ursprünglich aus Berlin, arbeitete sie eine Weile in Südkorea und kehrte anschließen nach Deutschland zurück. In Südkorea begann ihre Karriere als Entwicklerin. Ihr Interesse an der Blockchain wurde geweckt, als sie erkannte, dass diese Technologie dazu geeignet ist, jeden Tech-Sektor dramatisch zu beeinflussen.

Was hat Dein Interesse für Technik geweckt?

Ich interessiere mich seit 2014 für Technik. Damals wusste ich noch gar nichts über die Tech-Szene, ich hatte nicht einmal einen Laptop.

Ich interessiere mich seit 2014 für Technik. Ich habe seinerzeit in Südkorea studiert und einen Job bei einem Accomodation-Startup angenommen. Ein Freund war dort Programmierer und überzeugte mich, grundlegend über Programmierung nachzudenken. Damals wusste ich noch gar nichts über die Tech-Szene, ich hatte nicht einmal einen Laptop.

Als ich nach Berlin zurückkehrte, wusste ich, dass mein Leben eine große Veränderung brauchte. Ich war mit der Koreanistik als Karrierepfad nicht mehr zufrieden. Als mein früheres Startup mir anbot, als Remote-Entwicklerin weiterzumachen, ergriff ich die Gelegenheit. Es war ein großer Schritt: Ich verließ die Uni, kaufte mir einen Laptop und brachte mir mit Onlinekursen JavaScript und PHP bei.

Ehrlich gesagt waren alle skeptisch gegenüber meiner Entscheidung, die Uni zu verlassen. Mein Studium war beinahe beendet und meine Familie meinte, ich solle bleiben und meinen Abschluss machen. Für meine Freunde war ich die letzte Person, die sich mit Technik beschäftigen würde. Dadurch ergab meine Entscheidung für sie ebenfalls keinen Sinn. Ich glaube, dass einige meiner Freunde sich durch diesen radikalen Schritt sogar irgendwie bedroht gefühlt haben. Glücklicherweise hatte ich bei meinem Startup aber einen fantastischen Mentor, der mich auf meinem Weg begleitet und unterstützt hat. Rückblickend war es die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können.

Als ich anfing, Onlinekurse zu Algorithmen zu belegen, erkannte ich schnell, dass meine Mathe-Kenntnisse mich zurückhielten. Zum Glück entdeckte ich die fantastische Khan Academy, durch die ich endlich, nach vielen Anstrengungen, Fortschritte mache.

Viele Menschen haben versucht, mich davon abzuhalten, in die Tech-Branche einzusteigen, aber wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, lasse ich mich von niemandem mehr aufhalten. Ich glaube, dass niemand so recht gesehen hat, wie ernst es mir mit meinem Karrierewechsel war. Worauf ich stolz bin, ist bei der Programmierung geblieben zu sein. Anfangs fand ich es wirklich frustrierend. Ich habe täglich geübt, doch es fühlte sich an, als würde es noch zehn Jahre dauern, bis ich mich wirklich „Programmiererin“ würde nennen können. Ich hatte lange das Gefühl, ich würde nichts lernen, doch heute sehe ich wie viel ich damals Tag für Tag dazugelernt habe.

Außerdem bin ich ebenfalls stolz darauf, mich neu mit der Mathematik auseinandergesetzt zu haben. Zu Schulzeiten war ich wirklich nicht gut, aber je besser ich beim Programmieren wurde, desto tiefer wollte ich in die Informatik eintauchen. Als ich anfing, Onlinekurse zu Algorithmen zu belegen, erkannte ich schnell, dass meine Mathematik-Kenntnisse mich zurückhielten. Zum Glück entdeckte ich die fantastische Khan Academy, durch die ich endlich, nach vielen Anstrengungen, Fortschritte mache.

Ein Tag in Ginas Leben

Derzeit arbeite ich als Frontend-Entwicklerin bei Lisk, einer Plattform, die es Entwicklern ermöglichen soll, eigene Blockchain-Anwendungen in JavaScript zu entwerfen. Ein normaler Tag beginnt für mich mit unserem Standup-Meeting, in dem wir besprechen, woran wir an diesem Tag arbeiten werden.

Nach dem Standup mache ich mich sofort an die Arbeit, indem ich neue Features hinzufüge oder Tests schreibe. Im Moment beschäftigt sich mein Team hauptsächlich mit der Beta-Phase des Lisk Hubs, unserem neuen Dashboard, das unseren Kryptowährungs-Wallet und den Blockchain-Explorer kombiniert.

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Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich glaube, dass sich das endlich ändert. Ich sehe langsam immer mehr Frauen in der Branche, aber natürlich gibt es noch immer eine große Diskrepanz. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Frauen eine falsche Vorstellung davon haben, was es bedeutet in der Tech-Branche zu arbeiten. Meiner Erfahrung nach ist es sehr fruchtbar und empowernd, und ich hoffe mehr Frauen werden zukünftig ähnliche Erfahrung machen.

Wegen meines Geschlechts habe ich glücklicherweise keine wirklichen Probleme gehabt – im Gegenteil. Heutzutage unterstützen Unternehmen Frauen mehr denn je. Wenn ich für meine Arbeit kritisiert werde, gehe ich von positiven Beweggründen aus, nehme das Feedback an und versuche mich zu verbessern. Ich versuche nicht automatisch davon auszugehen, dass ich Kritik rein wegen meines Geschlechts bekomme.

Gleichzeitig weiß ich natürlich, dass nicht jede die gleichen, positiven Erfahrungen wie ich gemacht hat. Ich verfolge die Karrieren vieler Frauen in der Branche und sehe, wie sie tagtäglich darum kämpfen müssen, von ihren Kollegen und dem Social-Media-Publikum als Entwicklerin ernstgenommen zu werden. Das muss sich ändern.

Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder in den MINT-Berufen, sodass junge Mädchen zu ihnen aufschauen können.

Wir brauchen mehr weibliche Vorbilder in den MINT-Berufen, sodass junge Mädchen zu ihnen aufschauen können. Ich mache mir Sorgen um die Botschaft, die ausgesendet wird, wenn es nur männliche Vorgesetzte in MINT gibt. Grundsätzlich ist es erst einmal durchaus in Ordnung, eine Prinzessin werden zu wollen, aber wenn man nur eine Prinzessin werden möchte, weil es keine anderen Vorbilder gibt, dann ist das nicht gut. Im Moment ist es schlichtweg nicht ausgewogen.

Tipps & Tricks

Versuche, einen Mentor zu bekommen. Es war für mich sehr hilfreich und ebenso wichtig, jemanden an meiner Seite zu haben, der_die einem die richtige Richtung weißt und sich in der Branche bereits auskennt. Dennoch kommt viel Arbeit auf Dich zu, denn die Arbeit in Tech-Berufen kann sehr hart sein. Letztlich ist es ein dankbarer und durchaus machbarer Berufsweg. Ich war anfangs die ungeeignetste Person für den Job – wenn ich es schaffen konnte, kann jede(r) es schaffen.

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