Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Daniela Sfregola

Kulturelle Einflüsse werden nicht durch Geschlecht, sondern durch Vielfalt getrieben
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Daniela Sfregola, Director bei Daniela Tech.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Daniela Sfregola

1993 kauften Danielas Eltern ihren ersten Familiencomputer: Es war ein riesiger Desktop-Computer mit einem gigantischen Bildschirm. Sie erinnert sich an ihre Eltern, die darum kämpften, herauszufinden, wie man „dieses Ding“ anschaltet, und kläglich versagten. Bis Daniela es versuchte (damals war sie noch ein Kind) und es schaffte! Es war Liebe auf den ersten Blick.

Das Feature, das Daniela zu der Zeit am meisten anzog, war die endlose Auswahl, die sie hatte: Sie konnte viele Spiele spielen (nicht nur eines), aber sie konnte auch viele andere Aktivitäten ausführen, wie Dokumente schreiben, Musik hören, etwas suchen – als ob sie in der Bibliothek wäre.

Ich merkte schnell, dass ich mich damit abfinden musste, die einzige Frau im Raum zu sein.

Nach dem Studium der Literatur und antiker Sprachen beschloss ich, mich auf ein praktischeres Gebiet zu konzentrieren. Ich liebte es, Zeit an unserem Familiencomputer zu verbringen, also entschied ich, dass ich mehr darüber wissen und lernen wollte, wie man selbst Software entwickelt. Ich habe ein Informatikstudium absolviert und begann sofort danach als Softwareentwicklerin zu arbeiten. Ich hatte sehr viel Glück und ich musste nicht viele Hindernisse in meinem beruflichen Werdegang überwinden. Schnell wurde mir klar, dass ich damit zurecht kommen musste, die einzige Frau im Raum zu sein und dass ich es eher als Vorteil denn als Nachteil nutzen musste.

Meine Familie und Freunde wissen, wie stur ich sein kann, und sie haben meine Entscheidungen immer sehr unterstützt. Ich habe nicht nur ein Vorbild, ich habe viele! Um nur einige zu nennen: Margherita Hack, Alan Turing, Albert Einstein, Michelle Obama. Wer den Mut hat, sich zu erheben und zu versuchen, die Gesellschaft zum Besseren zu verändern, sollte als Vorbild gelten.

Die einzige Person, die versucht hat, mich aufzuhalten, war ich selbst. Das passiert jedem: Manchmal ist man erschöpft, will einfach nur aufhören, etwas anderes machen, sich eine Auszeit nehmen, um seine Entscheidungen zu überdenken. Dank der Unterstützung meiner Familie und Freunde konnte ich immer feststellen, dass mein Wunsch zu kündigen nur eine Phase war.

Ein Tag in Danielas Leben

Ich bin die Direktorin von Daniela Tech LTD (BEST NAME EVER – es dauerte zwei Monate, um eine Entscheidung zu treffen). In der Praxis bedeutet das, dass ich Unternehmen berate, wie sie Plattformen aufbauen können, die ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Derzeit arbeite ich eng mit PayTouch zusammen, einem kleinen Startup-Unternehmen mit Sitz in NYC, das eine Plattform für Einzelhändler entwickelt. Mein Arbeitstag ist aufgeteilt in Coding (viel Coding) und das Diskutieren von Tech-Strategien mit meinen Kunden.

Alles, was ich in meiner Karriere erreicht habe, verdanke ich meiner Leidenschaft und Arbeit. Ich bekam nichts geschenkt.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Technik?

Ich glaube, die größte Herausforderung ist eine kulturelle. Frauen glauben nicht, dass eine Karriere in der Technik eine Option sein kann, sie haben keine Ahnung, wie viel Spaß und Erfüllung dies bedeuten kann. Das liegt nicht daran, dass die Gesellschaft böse ist, sondern daran, wie wir denken. Genau das ist auch der Grund, warum ich, als ich jünger war, nie daran gedacht habe, Fußballspielerin zu werden. Glücklicherweise lässt sich diese kulturelle Wahrnehmung dadurch verändern, dass man den Frauen zeigt, dass dieser Karriereweg eine gute Option ist, dass es Frauen in der Technik gibt und dass es wirklich Spaß machen kann!

Die einzige Frau im Raum zu sein, kann eine Herausforderung sein, aber es lässt sich auch in einen Vorteil verwandeln, indem man seine Stimme erhebt und völlig ehrlich und transparent ist. Manchmal können Bürowitze auch ein wenig unter die Gürtellinie gehen und anstößig werden: Wenn Sie etwas stört, können Sie sie einfach wissen lassen, dass dieses Verhalten als anstößig gilt… es besteht eine große Chance, dass die Kollegen es danach einfach sein lassen! Die meisten Menschen sind aufrichtig gutmütig und lachen einfach nur, sie wollen nichts Böses.

Die meisten Menschen wollen nichts böses.

Ich glaube, dass kulturelle Einflüsse nicht durch Geschlecht, sondern durch Vielfalt getrieben werden. Menschen mit unterschiedlichen Sichtweisen auf das Leben statt ähnlichem Hintergrund zu haben, fördert neue Ideen und Lösungen für viele Probleme.

Women in Tech: Wohin geht die Diskussion?

Die Dinge ändern sich schon jetzt, ich sehe mehr und mehr unterschiedliche Menschen bei Meetings oder Konferenzen. Es ist eine spannende Zeit, um sich in der Branche zu bewegen! Natürlich ist der vor uns liegende Weg noch lang, aber wir marschieren definitiv in die richtige Richtung.

Tipps & Tricks

  • Erhebt eure Stimme: Wenn euch etwas stört, habt keine Angst davor, das auch zu äußern; aber respektiert auch immer die Leute um euch herum.
  • Lokale Meetups sind eine großartige Möglichkeit, Menschen mit ähnlichen technischen Herausforderungen zu begegnen und jemandes Karrierechancen zu erweitern.
  • Eine Tech-Karriere kann sich wirklich lohnen und Spaß machen, aber sie kann auch eine Herausforderung sein, da täglich neue Technologien entwickelt werden und sich die Dinge sehr schnell entwickeln können. Um auf dem Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Sie täglich dazulernen und immer über die neuesten Trends in Ihrem Fachgebiet informiert sein: Leidenschaft ist dabei eine große Hilfe.

 

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