Interview mit Geneva Lake, Vizepräsidentin der Worldwide Alliances von MapR

Women in Tech: „Wir haben die Gleichstellung der Geschlechter in der Tech-Branche noch nicht ganz erreicht“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Geneva Lake, Vizepräsidentin der Worldwide Alliances von MapR.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr von ihnen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Geneva Lake

Geneva Lake ist die Vizepräsidentin der Worldwide Alliances von MapR und für den Aufbau eines hochwertigen, weltweiten Informationsnetzwerks zuständig. Sie bringt mehr als 15 Jahre Berufserfahrung aus den Bereichen Marketing, der Alliance-Arbeit und dem Vertrieb von Industriesoftware mit sich. Zuletzt war Geneva als Director of Commercial Alliances für Oracle tätig und zuständig für die Alliance-Manager und deren Teams, die in den Bereichen Analytics, Big Data, Digital Experience und Security arbeiten.

Ihrer Karriere bei Oracle begann als Senior Manager für Alliances. Dort war Geneva für die Leitung des Alliance-Managements zuständig. Zudem trug sie die Verantwortung für das Co-Selling von Umsatzzielen gegenüber Direktinvestitionen und erzielte damit ein jährliches Umsatzwachstum von 25%. Weitere Positionen bei Oracle waren die des Client Relationship Managers – Global Customer Programs und des Strategic Account Managers.

Ich ahnte schon damals, dass eine Karriere in der Tech-Branche sehr erfüllend und zudem zukunftssicher sein würde.

Doch alles begann mit einer Position als Sales Manager für die IT-Firma CTA. Geneva Lake hat einen BA-Abschluss in Wirtschaftskommunikation und Japanologie von der University of California, San Diego.

Was hat deine Neugier für die Technologie geweckt?

Ich studierte an der University of California, deren Fokus auf High-Tech lag und in einer Hinsicht zum damaligen Zeitpunkt einzigartig war: Sie hatte einen Supercomputer, der es Studenten ermöglichte, am Hubble-Space-Programm mitzuarbeiten und außerdem bereits 1991 universitätsinterne E-Mails zu verschicken!

Meine Begeisterung für die Technologie und dem, was sie für die Zukunft versprach, setzte während meines Wirtschaftskommunikations- und Japanologiestudiums ein. Ich ahnte schon damals, dass eine Karriere in der Tech-Branche sehr erfüllend und zudem zukunftssicher sein würde.

Ich bin allerdings kein Mensch mit einem natürlichen Verständnis für Technik. Das war ein Grund dafür, warum mir die Wahl des Berufsweges zunächst nicht offensichtlich erschien. Ich musste während meiner Laufbahn immer wieder beweisen, dass ich Business und Technologie zusammenbringen kann, auch wenn ich selbst keine Entwicklerin bin.

Es ging mir aber auch eher weniger um die technischen Aspekte einer Lösung, als vielmehr um die eigentliche Frage, was Technologie für ein Unternehmen leisten kann. Wie können Kunden Innovationen nutzen, um ihren Wettbewerbsvorteil auszubauen und um dadurch letztlich ihren Gewinn zu steigern?

Ein starkes Unterstützernetzwerk

Ich hatte schon immer eine sehr hilfsbereite Familie und da ich eine Akademikerin erster Generation bin, waren die Erwartungen an mich entsprechend hoch. Aber auf das College zu gehen, war für mich nie das vorranginge Ziel, es ging erstmal nur um das Bestehen der 13. Klasse.

Was meine Mentoren betrifft, so hatte ich im Laufe der Jahre sehr viele weibliche Führungskräfte, die mich unter ihre Fittiche nahmen. Sie sahen Potential in mir und stellten ihre Zeit und ihr Wissen zur Verfügung, um mir dabei zu helfen, meine eigenen Ziele zu erreichen.

Die unvermeidbaren Stolpersteine auf dem Weg

Es scheint so, als gäbe es überall Menschen, die mit Mittelmäßigkeit zufrieden sind und sich im Beisein von Leistungsträgern sehr unwohl fühlen. Ich habe immer Wert darauf gelegt, mich mit Menschen zu umgeben, die schlauer sind als ich. Das hält mich auf Trab!

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Ein Tag in Genevas Leben

Zurzeit bin ich die weltweite Leiterin der Alliances- und Channels-Organisation von MapR. Angesichts des globalen Charakters dieser Rolle, bin ich dementsprechend viel auf Reisen und habe ungewöhnliche Arbeitszeiten. Wenn ich nicht in einem Flugzeug sitze, kann es passieren, dass ich den gesamten Arbeitstag mit endlos langen Telefonaten im Büro verbringe.

Daher versuche ich, den Arbeitallstag ein wenig aufzulockern und ein bisschen aus dem Büro rauszukommen – zum Beispiel indem ich mit einem Partner zu Mittag essen gehe, wertvolle Zeit mit Angestellten verbringe oder einfach mal für zwanzig Minuten draußen in der Sonne spazierengehe.

Besonders stolz bin ich darauf, die Karrieren von anderen vorantreiben und mitgestalten zu können. Viele der Menschen, die über die Jahre für mich gearbeitet haben, haben es weit gebracht und Unglaubliches geleistet! Das macht mich sehr glücklich.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Dieses Phänomen hat seinen Ursprung historisch gesehen nicht erst beim Eintritt ins Berufsleben, sondern bereits in den Familien und Schulen. Klassischerweise wurden eher Jungen als Mädchen gefördert, MINT-Fächer zu studieren. Aber ich glaube, dass das Problem Erziehern und Eltern heutzutage eher bewusst ist. Sie bemühen sich daher, MINT auf der gesamten Bandbreite zu fördern – unabhängig vom Geschlecht. Einige gehen zudem noch einen Schritt weiter und bieten Programme und sogar Stipendien an, die speziell das Interesse von Frauen an MINT-Fächern wecken sollen.

Ich glaube, dass man sich mehr auf die Unterstützung verschiedener Lernstile konzentrieren muss.

Ich glaube auch, dass man sich mehr auf die Unterstützung verschiedener Lernstile konzentrieren muss. Die meisten Kinder, Jungen und Mädchen unterscheiden sich nämlich genau darin. Nehmen wir als Beispiel Mathematik. Was mir damals Schwierigkeiten bereitete, sehe ich heute auch bei meiner Tochter. Sie ist zwar generall an Mathematik interessiert, aber die Problemlösung ist für sie kaum nachvollziehbar. Es fiele ihr sicher leichter, Mathematik und die Lösung von Problemen zu verstehen, wenn man die Anwendung von Mathematik im echten Leben ins Zentrum rücken würde. Kann sie diese Lücke zwischen Theorie und praktischer Anwendung nicht überbrücken, dann hat sie Schwierigkeiten, die Aufgabe zu verstehen.

Als ich damals noch Mathematik lernte, im öffentlichen Schulsystem Kaliforniens der 80er-Jahre, war der Mathematikunterricht auf das Auswendiglernen ausgelegt – und nicht auf die Anwendung im echten Leben. Ich habe die Theorie, dass viele Mädchen (und ebenfalls Jungen) stark von der Beantwortung der Frage „WARUM lerne ich über dieses Problem?“ profitieren würden.

Wäre unsere Welt anders, wenn mehr Frauen in MINT-Fächern arbeiten würden?

Wenn etwa die Hälfte der Weltbevölkerung daran gehindert wird, ihr volles Potential auszuschöpfen, dann opfert man dafür den Fortschritt in jedem Bereich: Von der Medizin bis hin zur Technik und darüber hinaus – aber im Wesentlichen ist es die Innovation, die darunter leidet.

In den USA sieht man das Ganze daran, dass wir nach wie vor nur aus einem eingeschränkten Kandidatenpool schöpfen. Die erste Wahl bei der Einstellung von US-Unternehmen sind in der Regel Amerikaner. Sehr oft haben Unternehmen jedoch keine andere Wahl, als Fachkräfte zu importieren (oder Arbeitsplätze zu exportieren), was teuer und ineffizient ist. Im derzeitigen Tempo zeigen die Prognosen, dass es keine Möglichkeit gibt, die Talentlücke zu schließen.

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Bei MapR haben wir eine Initiative namens WE (Women’s Exchange). Mit dieser wollen wir Frauen proaktiv ermutigen, sich bei MapR zu bewerben. Uns geht es nicht nur um den Ausgleich geschlechtsspezifischer Ungleichheiten in der Belegschaft – wir brauchen das Fachwissen!

Die Diskussion über Diversität hat Fahrt aufgenommen. Wie lange wird es dauern, bis die Ergebnisse der aktuellen Debatte sichtbar werden?

Die Resultate sieht man bereits, ich persönlich habe die Veränderungen bereits oft miterleben dürfen. Wenn es ein Team gibt, das nur aus weißen Männern besteht, dann diskutiert das Management beispielsweise darüber, wie viel besser das Team mit erweiterten Blickwinkeln und Perspektiven sein könnte. Wir werden als Gesellschaft nie wachsen können, wenn wir sie nicht ein wenig aufrütteln! Das sage ich zu Menschen aus allen Gesellschaftsschichten: Habt keine Angst davor, euch unwohl zu fühlen! Jeder sagt, wir müssen „über den Tellerrand“ schauen. Aber wenn wir das tun wollen, brauchen wir dann nicht viele verschiedene Meinungen von denen jede ihren ganz eigenen Wert einbringt, um das Endergebnis zu erreichen?

Herausforderungen

Tatsächlich glaube ich, dass es auf beiden Seiten eine unbewusste Voreinge-
nommenheit geben kann, die Frauen vor einige Heraus-forderungen stellt.

Ich weiß gar nicht mehr, wie oft ich schon die einzige Frau im Raum war. Die High-Tech-Industrie ist noch immer eine von Männern dominierte Industrie (was man sieht, wenn man sich die Biographieseiten der Executive Teams von Tech-Webseiten ansieht – hier gibt es nur wenig weibliche Gesichter). Ich sage das nicht, um irgendeine Schuld zuzuweisen, sondern einfach um aufzuzeigen, wo wir aktuell stehen. Tatsächlich glaube ich, dass es auf beiden Seiten eine unbewusste Voreingenommenheit geben kann, die Frauen vor einige Herausforderungen stellt. Es gibt beispielsweise unzählige Forschungsergebnisse, die die Ungleichheiten der Bezahlung von Frauen im Tech-Sektor aufzeigen.

Der weltweit renommierte CEO von Salesforce, Marc Benioff, wurde vor Kurzem dazu in der Sendung „60 Minutes“ interviewt. Er sprach über seine einstige Überzeugung, dass die Bezahlung in seinem Unternehmen fair und gleich ist, und über seinen Schock als er erfuhr, dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit nicht gleich bezahlt werden. Er hat das Problem in seiner Organisation behoben – es kostete Millionen. Und nur wenige Monate später, als das Einkommen der Arbeitnehmer erneut geprüft wurde, passierte es wieder: Das Lohngefälle war zurück. Den Männern wurde wieder mehr für die exakt gleiche Arbeit und das Erreichen der exakt gleichen Ergebnisse gezahlt als den weiblichen Kollegen. Im Interview kam Benioff zu dem Schluss, dass es nicht möglich ist, ein anständiger CEO zu sein, wenn man sich nicht für die Gleichstellung der Geschlechter engagiert. Aber er musste andere männliche Führungskräfte erst davon überzeugen und der Kampf geht weiter.

Haben wir also die Gleichstellung der Geschlechter in der High-Tech-Branche bereits erreicht? Noch nicht ganz. Aber wir machen Fortschritte, was Menschen wie Sheryl Sandberg und Meg Whitman sicher bestätigen können.

Tipps & Tricks

Obwohl die Tech-Industrie heute noch von Männern dominiert ist, ist es auch eine Branche, in der harte Arbeit und Intelligenz geschätzt werden. Ich habe mit einigen der klügsten, interessantesten und diszipliniertesten Menschen in der Branche gearbeitet – Männern und Frauen. Zudem hatte ich das Glück, eine Branche zu finden, in der ich die Zusammenarbeit mit anderen stets genießen konnte und das ist meiner Meinung nach auch einer der Aspekte, der immer wieder übersehen wird: Diese Branche zieht großartige Menschen an.

Wenn Sie all diese Dinge bewundern, fördern und verkörpern, dann werden Sie im Technologie-Bereich sicher glücklich!

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