Interview mit Katerina Skroumpelou, Frontend-Webentwicklerin von Upstream

Women in Tech: „Ich habe viele Dinge geopfert, um heute hier zu sein“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus Katerina Skroumpelou, Frontend-Webentwicklerin von Upstream.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Katerina Skroumpelou, Frontend-Webentwicklerin von Upstream

Katerina ist Frontend-Entwicklerin von Upstream, in Griechenland. In der Vergangenheit arbeitete sie mit Web Maps am National Centre for Scientific Research „Demokritos“. In ihrer Freizeit widmet sie sich ganz dem Web, spricht auf internationalen Konferenzen, experimentiert mit dem neuen Web und ist Mitorganisatorin der Treffen von AngularAthens. Sie kombiniert gerne Web-Technologien. Vor ihrem Einstieg in die Webentwicklung studierte sie Architektur und Spatial Analysis am UCL. Sie ist im Internet Zuhause und liebt die Webentwicklung so sehr, dass sie den Übergang zwischen Arbeit und Leben manchmal nicht bemerkt. Das sagen zumindest ihre Freunde. Zusammen mit ihrer Maine-Coon-Katze lebt sie in Athen (Griechenland).

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich war noch recht jung, als ich mich zum ersten Mal für Technik interessierte. Ich erinnere mich daran, dass meine Eltern mir Spielzeug kauften, bei dem man Dinge verbinden und Stromkreise aufbauen musste. Und 1997 kaufte mir mein Vater meinen ersten Computer, mit Windows 95. Doch am meisten wurde ich durch die Schule beeinflusst. Ich besuchte eine private Grundschule (Hill Memorial School), die neue Wege ausprobierte und mit neuen Unterrichtsfächern experimentierte. In der 3. und 4. Klasse experimentierten wir im Physikunterricht mit Elektrizität und Stromkreisen und in der 5. Klasse hatten wir einen Computerurs, in der uns Logo beigebracht wurde (was in Griechenland 1998 eine große Sache war.)

Nachdem ich wusste, dass ich Programmiererin werden will, gab es nichts, dass mich aufhalten konnte.

Seit den ersten Jahren auf der High School, war es mein Traum Computer und Elektrotechnik zu studieren. Obwohl ich mich letztendlich dazu entschied, keinen Abschluss in Elektrotechnik zu machen, habe ich auf meine Überzeugung vertraut, programmieren lernen zu wollen. Und habe mich auf die Menschen verlassen, die an mich glaubten und mich bei meinen ersten Versuchen in einer Karriere in Technik und Programmierung unterstützten.

Die größte Herausforderung war, an mich selbst zu glauben und ein konkretes und klares Ziel zu haben, um weiterzumachen. Nachdem ich genau wusste, was ich erreichen wollte (und das war, Programmiererin zu werden), gab es nichts, das mich aufhalten konnte, oder mich zumindest von meinen Bemühungen hätte abbringen können-

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Familie und Freunde – die wichtigsten Unterstützer

Meine Eltern unterstützten mich und tun das auch weiterhin unaufhörlich. Natürlich finanziell, aber vor allem psychologisch, weil ich viele Dinge geopfert habe, um heute hier zu sein. Außerdem habe ich auf dem Weg dorthin Menschen getroffen, die an mich geglaubt haben und mir die Möglichkeit (und die richtige Position) gegeben haben, meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Meine Vorbilder sind meine Eltern, da sie trotz all der Schwierigkeiten, die sie in ihrem Leben gemeistert haben (und der Schwierigkeiten, mit denen sie immer noch jeden Tag konfrontiert sind), glücklich sind und ihre Träume niemals aufgeben.

Ich hatte das Glück, positive Menschen als Professoren, Lehrer, Ausbilder, Mitarbeiter um mich zu haben, die immer an mich glauben und meine Bemühungen unterstützen würden. Ich mag das Modell „Peitschenhieb“ nicht, bei dem jemand niedergemacht werden muss, um etwas zu versuchen und in etwas gut zu sein.

Ein Tag in Katerinas Leben

Ich bin eine Frontend-Webentwicklerin bei Upstream, einem Mobile-Commerce-Unternehmen in Athen, Griechenland. Mein typischer Arbeitstag beginnt mit einem kurzen Meeting, in dem die Aufgaben der Woche kurz besprochen werden. Dann schalte ich meinen Computer ein, schaue mir die Nachrichten an und lege etwas Musik auf (normalerweise einen Soundtrack oder einen Song, der den ganzen Tag über wiederholt läuft, damit ich mich auf meine Arbeit konzentrieren kann). Ich starte meine IDE und Chrome. Danach öffne ich Jira, um meine Aufgaben zu überprüfen und entscheide, mit welcher ich beginnen werde. Dann fange ich an zu arbeiten.

Wenn es eine neue Sache ist, recherchiere ich zuerst in den MDN-Web-Docs und -Foren und fange dann an zu coden. Ich interagiere regelmäßig mit dem UX-Designer, der mir Mockups gibt, die ich in pixelgenaue Ansichten verwandeln muss und mit den Backend-Entwicklern, mit denen ich die API und die DevOps-Seite bespreche. Wir machen als Team Pause, um gemeinsam Mittag zu essen. Am Nachmittag machen wir normalerweise eine zweite kleine Pause, in der wir ein bisschen spazieren gehen, um den Kopf frei zu kriegen. Nach etwa 8 bis 9 Stunden verlasse ich die Arbeit (normalerweise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln) und mache meine After-Work-Aktivitäten (entweder Workout oder ich bereite einen Vortrag für meine nächste Konferenz vor).

Frauen werden nicht mit den richtigen Vorbildern erzogen. Und dafür ist nicht immer ihre Familien verantwortlich.

Besonders stolz bin ich darauf, das letzte Jahr durchgestanden zu haben, da ich so überarbeitet war, dass ich beinahe einen Burnout hatte.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Das ist eine interessante Frage. Ich denke, ich lasse diesmal die Geschichte der Frauen für mich sprechen. Ich denke, dass Frauen nicht mit den richtigen Vorbildern erzogen werden. Und dafür ist nicht immer ihre Familien verantwortlich. Das ist eher selten, um ehrlich zu sein. Wenn man sich die Medien, die Filme, alle massenproduzierten Kulturen und Produkte ansieht, zumindest bis zum letzten Jahrzehnt, dann spielten Frauen dort eine sehr spezielle Rolle. Diese Rolle ändert sich im Laufe der Jahre tendenziell. Und es wird sich irgendwann in unserem Bereich widerspiegeln. Es braucht nur etwas Zeit!

Ich bin zuversichtlich, dass dieser Wandel schneller eintreten wird, als wir denken! Ich glaube (und hoffe), dass ich meinen Teil dazu beitrage, aktiv wie ich bin, in der Hoffnung, mehr Frauen zu ermutigen, in diesem Bereich zu arbeiten. Ich und jede andere Frau wie ich. Denn manchmal müssen wir Vorbilder sehen, um daran zu glauben und es ihnen gleich zu tun.

Ich glaube, dass ein globaler Wandel stattfindet, der sich in Kunst, Medien, Kultur und Produkten widerspiegelt, bei dem die Position und Rolle der Frauen immer weniger stereotypisch ist. Ich hoffe, dass wir in naher Zukunft nicht mehr über „das ist Männerarbeit“ und „das ist Frauenarbeit“ sprechen. Folglich würde auch die berufliche Orientierung der Kinder in einem viel zu jungen Alter, in dem Vorbilder geschaffen werden, nicht beeinträchtigt werden.

Herausforderungen

Ich weiß, dass es in einigen Unternehmen, in einigen Ländern oder in bestimmten Positionen immer noch Diskriminierung bei der Einstellung von Frauen gibt. Dies ist natürlich ein eindeutiges Hindernis. Andere Hindernisse können weniger auffällig sein. Zum Beispiel in einem Team zu sein, in dem deine Stimme nicht gehört wird, weil du eine Frau bist. Oder als weniger kompetent zu gelten. Außerdem müssen wir Frauen in den größtenteils männlichen Arbeitsumfeldern sexistische Witze ertragen, die nicht unbedingt an uns gerichtet aber dennoch beleidigend und ärgerlich sind. Ansonsten fällt mir keine tech-spezifischen Herausforderungen ein.

Tipps und Tricks

Es ist eine großartige Karriere, wenn man natürlich daran interessiert ist. Denn wie alle Karrieren, braucht es Hingabe und harte Arbeit. Lass Dich nicht von Hindernissen und Misserfolgen runterziehen, sondern mach einfach weiter, bis Du Deinen Traum verwirklicht hast.

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