Interview mit Liat Palace, Director des Delivery Technology Office DevOps Coaching Teams bei Amdocs

Women in Tech: „Frauen werden nicht von ihren Egos angetrieben“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Liat Palace, Director des Delivery Technology Office DevOps Coaching Team bei Amdocs.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Liat Palace, Director des Delivery Technology Office DevOps Coaching Teams bei Amdocs

Liat Palace

Liat Palace

Liat Palace ist auf einer Mission – und zwar zur Transformation des Unternehmens Amdocs, einem der größten Anbieter von Telekommunikationssoftware. Ein Unternehmen mit über 27.000 Mitarbeitern, verteilt auf 85 Länder. Liat Palace ist ausgebildete Entwicklerin mit über 20 Jahren Erfahrung in der Softwareindustrie und hat als Scrum Master und Agile Coach gearbeitet. Heute leitet sie eine Gruppe von DevOps Coachs und Tech-Enthusiasten. Sie unterstützt millionenschwere Projekte, an denen Tausende von Mitarbeitern beteiligt sind und hilft dabei, eine Kultur der Zusammenarbeit, der Wachstumsorientierung, des kontinuierlichen Lernens, der Verbesserung der Prozessimplementierung und der technischen Exzellenz zu fördern.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Schon als Kind hatte ich ein gesteigertes Interesse daran, wie die Dinge eigentlich funktionieren, und stellte ständig Fragen. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem meine Eltern keine Geduld mehr mit mir hatten und sie mir alle Exemplare einer „Frage-und-Antwort“-Buchreihe mit dem Titel „Was und Warum“ kauften. Ich habe diese Bücher enthusiastisch gelesen und seitdem nicht damit aufgehört, Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen.

Meine Karriere begann bei einem Forschungsinstitut für Gesundheit an, wo mit mir im Raum der einzige Computertechniker der Einrichtung saß. Er war damals mit der Einzige, der wusste, wie man Soft- und Hardwareprobleme lösen kann. Das war in der Mitte der Neunziger und für die meisten Angestellten waren Computerkenntnisse und die ganze Technologie rund um Computer damals noch neu. Allerdings hatte mein Zimmergenosse nicht so feine Umgangsformen und die Leute kamen immer öfter mit ihren Fragen und Anliegen zu mir, wenn er nicht im Büro war. Ich war mehr als nur gewillt zu helfen und lernte so den Software- und Hardwaresupport recht schnell kennen. Ich stellte fest, dass ich es sehr genoss, den Menschen bei ihren Problemen zu helfen und seitdem arbeite ich in diesem Bereich.

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Einige Zeit später erhielt ich dann meine formale Ausbildung, der Schwerpunkt lag aber eher auf Software und Vernetzung. Nach 10 Jahren am Forschungsinstitut zog ich schließlich weiter, um als Softwareentwicklerin bei Amdocs zu arbeiten. Software war schon lange meine Leidenschaft, doch hatte mich dann die Developer bzw. User Experience im Zusammenspiel mit der Magie, die zustande kommt, wenn Benutzer auf Software trifft, noch mehr angezogen. Ich baute Wissenspools an den Orten auf, von denen ich das Gefühl hatte, dass sie diese brauchen und als Scrum Master richtete ich Suites für die Automatisierung ein. Es ging mir dabei immer darum, ein Gefühl von Qualität und Vertrauen für mein Team zu schaffen. Es war letztlich mein Interesse an der Verarbeitung der Meta-Analyse und der Psychologie der Softwareentwicklung, das dazu führte, dass ich Agile Coach wurde und schließlich die Leitung des Coaching-Teams bei Amdocs Delivery übernahm.

Die Softwareindustrie wird größtenteils von Männern kontrolliert. Tatsächlich war ich während meines Studiums an der Universität die einzige Frau in meinem Jahrgang. So sah es auch aus, als ich meinem ersten Entwicklungsteam bei Amdocs beitrat. Die Tatsache, dass ich zur damaligen Zeit einer Minderheit angehörte, trieb mich zu Höchstleistungen in meinem Beruf an. Ich wollte nicht nur beweisen, dass ich mit den anderen gleich auf bin, sondern dass ich besser bin. Ich lerne ständig dazu und konzentriere mich auf das, was erreicht werden musste. Ich liebe Zusammenarbeit und Kommunikation und bringe beides als Vorteile in alles ein, was ich angehe.

Vorbilder und Hindernisse

Meine Familie hat mich die ganze Zeit über unterstützt, in guten wie sowie in schlechten Zeiten – sie war immer für mich da. Ohne ihre Unterstützung wäre es mir nicht möglich gewesen, in dieser anspruchsvollen Branche zu arbeiten. Mein Vorbild ist allerdings Malala Yousafzai: Sie ist für mich der echte Beweis dafür, dass man selbst unter den widrigsten Umständen danach streben kann, das Richtige zu machen.

Niemand hat je direkt versucht, mich vom Lernen oder von meinem beruflichen Weiterkommen abzuhalten. Manchmal jedoch ist es die Organisationspolitik, welche die Entscheidungen trifft und ja, da habe ich oft das Gefühl, dass ich viel härter als die Jungs arbeiten muss, um meine Agenda zu fördern.

Ein Tag in Liats Leben

Ich bin derzeit in der Rolle des Directors tätig und für die DevOps-Transformation bei Amdocs verantwortlich und konzentriere mich auf Prozesse, Verbesserungen und die beteiligten Personen.

Mein Tag besteht normalerweise aus einer endlosen Reihe von Meetings. Ich treffe mich mit Führungskräften sowie den Leuten aus den verschiedenen Abteilungen und Projekten, um die Implementierung von DevOps voranzutreiben. Zusammen mit meinen Coaches passen wir uns den spezifischen Bedürfnissen und Herausforderungen jedes Kunden an und entwickeln die am besten geeignete Journey und entsprechende Mechanismen. Wir hören nie auf, mit den Prozessen zu experimentieren, zu lernen, Best Practices zu entwickeln und zu teilen.

Während meiner gesamten Karriere habe ich ohnehin niemals Kompromisse bei der Frage gemacht, was richtig ist. Und ich hatte das Glück, dass ich meistens alles auf meine Art machen konnte.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Die Tech-Branche verlangt einem sehr viel ab, zumindest in Israel. Neben den häufigen Reisen, wird erwartet, dass man sehr lange arbeitet. In vielen Haushalten wird selbst heute noch von Frauen erwartet, dass sie sich um das Haus und die Erziehung der Kinder kümmern sollen. Es ist unmöglich, die alleinige Verantwortung für diese beiden anspruchsvollen Aufgaben zu übernehmen und gleichzeitig noch in der High-Tech-Industrie zu arbeiten.

Es gibt zudem eine geheime Bruderschaft des Mannes. In mehreren Vorstandssitzungen, an denen ich teilnahm und Frauen die Minderheit waren, sprachen die Männer über Fußball. Das ist selbstredend ein natürliches Thema für Männer und sie vernetzen sich darüber. Jedoch merken sie nicht, dass die Frauen im Raum ausgelassen werden. Um diese Herausforderung zu meistern, muss ich meine Professionalität ständig unter Beweis stellen.

Wir dürfen nicht vergessen, dass es erst 1920 – vor nur hundert Jahren – war, als Frauen zum ersten Mal an den amerikanischen Wahlen teilnehmen durften. Die Welt verändert sich und mit ihr auch die traditionellen geschlechtsspezifischen Rollen.

„Frauen sind in Bereichen der Zusammenarbeit und Kommunikation begabt und werden weniger von Egos angetrieben.“

In der heutigen digitalen Gesellschaft reicht es nicht aus, sich technisch hervorzuheben; die Benutzerfreundlichkeit und die Kommunikation können Unternehmen zerstören, wenn sie vernachlässigt oder falsch angewandt werden. Wir, die Frauen, haben in diesen Bereichen einen großen Einfluss. Wir verfügen über technische Fähigkeiten und Menschenkenntnis; ihre Kombination ist das Rezept für den zukünftigen Erfolg in dieser Branche.

Tipps & Tricks

  • Bereitet euch darauf vor, lange und hart zu arbeiten. Ihr werdet dafür die Unterstützung eurer Familien benötigen.
  • Verfolgt eure Träume und seid ehrlich zu euch selbst. Macht das, was ihr liebt und für das ihr eine Leidenschaft besitzt.
  • Die Tech-Branche ist sehr herausfordernd, aber es kann zugleich sehr lohnend sein. Es kann euch die Möglichkeit geben, die Zukunft so zu gestalten, wie ihr sie euch vorstellt.
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