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Heute im Interview: Lisa Mo Wagner, Product & Growth Consultant

Women in Tech: „Das Wichtigste für den Start in die Tech-Szene ist, sich mehr zuzutrauen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Lisa Mo Wagner, Product & Growth Consultant.

Heute im Interview: Lisa Mo Wagner

Lisa ist aktuell Product & Growth Consultant und berät Start-Ups und auch Konzerne im Hinblick auf Product und Growth Strategie.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Tatsachlich habe ich mich schon von klein auf für Tech interessiert, das habe ich meinem Papa zu verdanken. Er hat mich früh mit einbezogen und mir Dinge gezeigt. Sobald ich schreiben konnte, war es für mich ganz normal über DOS Shell meine Spiele von Disketten zu laden. Ich habe nicht nur einmal mit meinem Dad unseren PC Tower aufgeschraubt, um etwas auszutauschen und den Rechner aufzurüsten. Wir hatten immer Spielkonsolen und schon sehr früh Internet. Lustigerweise bin ich die einzige von den Geschwistern, bei der das so einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat.

Nach meinem Studium (Sozialökonomie) habe ich in einem kleinen Start-Up gearbeitet und sollte da den Kundenservice aufbauen. Dadurch hatte ich natürlich auch viel mit unserem Log-In-Bereich zu tun und den Fragen dazu. Leider war dieser gar nicht so leicht zu benutzen und so habe ich mir immer neue Kleinigkeiten und Änderungen überlegt, die das Leben unserer Kunden einfacher machen würden und die dann zusammen mit dem Entwickler umgesetzt wurden. Mir hat das riesigen Spaß gemacht und zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass das ein Beruf ist. Das habe ich erst später herausgefunden und nun kriegt mich hier nichts mehr weg. Ich würde sagen, so wie bei allen Product Managern, bin ich da so reingerutscht.

Ein Tag in Lisas Leben

Häufig starten neue Projekte mit einem Workshop. Da habe ich schon vieles verschiedenes moderiert: Rollendefinitionen, Organisationsplanung, Brand Entwicklung, Growth Hacking Ideen, Co Creation und noch mehr. Eigentlich hat jedes Unternehmen ein Produkt und auch Services kann man als Produkte vermarkten und verkaufen. Langweilig wird mir also nicht so schnell.

Ich würde nicht sagen, dass man vorsätzlich Steine in den Weg gelegt bekommt.

Vorbilder und Förderer

In meinem ersten offiziellen Product Manager Job hatte ich einen wundervollen QA Engineer (mittlerweile Team Lead Support & QA) an meiner Seite, der sich immer Zeit für meine Fragen genommen hat und mir auch ungefragt Denkanstöße gegeben hat. Mein erstes Entwickler-Team hat sich übrigens auch immer gefreut, wenn ich Dinge gefragt habe und sie mir beispielsweise SQL und GraphQL beibringen konnten. Leider habe ich wenige Frauen in meinen Jobs getroffen, dafür aber drum herum, in verschiedenen Communities, wie etwa “Women in Product”. Diese Netzwerke sind super, wenn man mal “venten” muss oder sich austauschen möchte, denn manchmal hält man sich selbst für verrückt, wenn man Sexismus auf der Arbeit erlebt.

Hat jemand versucht, dich daran zu hindern, in deiner Karriere voranzukommen?

Ich würde nicht sagen, dass man vorsätzlich Steine in den Weg gelegt bekommt. Dennoch muss man als Frau oft doppelt so hart arbeiten und sich beweisen, und dann  ist das Feedback häufig eher vage formuliert und nichts, was man umsetzen kann. Ich habe schon so Sachen gesagt bekommen, wie “du musst freundlicher sein”. Es gibt Studien zum Thema, die zeigen, dass Männer in der Regel Feedback zu erreichten Businesszielen und konkrete Verbesserungsvorschläge bekommen, während bei Frauen Kommunikationsstil und Persönlichkeit angesprochen werden.

Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Technisch habe ich nichts selbst entwickelt, aber ich entwickele alle meine Workshops selbst, basierend auf Design Thinking, Design Sprints, Lean und Agile Grundsätzen und individuell auf den Kunden abgestimmt.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Wir holen langsam auf, aber wenn ich daran zurückdenke, dass ich 2004 auch noch dachte, das Informatik oder etwas in der Richtung nichts für mich ist, das ich das sowieso nicht kann, dass ich nicht so ein Nerd bin, dann dauert es sicher noch eine Weile. Ich kenne einige Frauen, die mittlerweile in der Tech Branche unterwegs sind, sich das aber nicht zugetraut haben. Das muss sich ändern! Junge Frauen und Mädchen sollen sich darüber gar keine Gedanken machen und einfach lernen, studieren und ausprobieren, was immer sie wollen.

Oft genug habe ich diese “Boys Clubs” erlebt. In den Führungsetagen, in Meetings, in denen ich als technische Expertin sitze, werde ich andauernd unterbrochen. Wenn ich einem Kollegen eine Idee mitteile und ihn bei der Umsetzung supporte, rennt er los und lobt sich selbst – besonders natürlich vor dem Chef. Wenn man sich für etwas einsetzt, ist man “bossy” oder aggressiv. All diese Momente habe ich schon mehr als einmal in meiner Karriere erlebt und das ärgert mich. Als Frau und besonders als Women of Color kann man aber schnell in diese kämpferische Feministinnen-Ecke gestellt werden und wird nicht ernst genommen. Aus diesem Grund brauchen wir Männer als Verbündete, sogenannte “Allies”.

Hindernisse

Ich habe mal von Dritten gehört, dass eine ehemalige Kollegin sich die Vorurteile gegenüber Frauen in Meetings zunutze macht und sich als “dummes Blondinchen” ausgibt. Das schadet allen Frauen, weil es Stereotypen am Leben hält und festigt, die längst überholt sind.

Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber es bewegt sich auch schon viel.

Sähe die Welt mit mehr Frauen in MINT-Berufen anders aus?

Vor nicht allzu langer Zeit wurde in einer Studie festgestellt, dass Unternehmen mit mehr Frauen durchschnittlich 15 Prozent erfolgreicher sind und diverse Teams sogar 35 Prozent. Daran sieht man, wir brauchen nicht nur mehr Frauen, wir brauchen generell Diversität in unseren Teams. Wir entwickeln Produkte für eine diverse Gesellschaft, mehr Standpunkte und Erfahrungen von unterschiedlichen Menschen sind notwendig, um das richtig gut zu machen.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich möchte gerne ja sagen, aber das wäre unrealistisch. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, aber es bewegt sich auch schon viel.

Tipps & Tricks

Trau dich! Das wichtigste zum Start in der Tech-Szene ist, sich mehr zuzutrauen. Eines meiner Lieblingszitate zum Thema stammt aus dem Buch “Feminist Fight Club” (das klingt wilder als es ist): “Carry yourself with the confidence of a mediocre white man”. Natürlich ist das eine Verallgemeinerung und auch mit einem Augenzwinkern zu betrachten, aber es steckt auch viel Wahrheit darin. Frauen bewerben sich erst bei ca. 85 Prozent Übereinstimmung zwischen ihrem Können und der Stellenanzeige, Männer starten bei 40 Prozent. Auch wenn man viel über die Probleme von Frauen in der Tech-Szene hört, es gibt mittlerweile viele Unternehmen, die super sind, die auf Diversität achten und sich dafür einsetzen. Finde so ein Unternehmen und dann trau dich! Gerade in der Tech-Branche gibt es viele Quereinsteiger.

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