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Heute im Interview: María Robledo, Director of Engineering bei Babbel

Women in Tech: „Wir alle sind dafür verantwortlich, Vorurteile abzuschaffen“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: María Robledo, Director of Engineering bei Babbel.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: María Robledo, Director of Engineering bei Babbel

María Robledo, geboren in Madrid, ist mit ihren zwanzig Jahren Erfahrung in technischer Informatik nun als Director of Engineering bei Babbel tätigt und hat sich spezialisiert auf die Leitung von Hochleistungsteams. Sie studierte Informatik an der Päpstliche Universität Salamanca und hat ihre ersten Schritte im Berufsleben als Softwareentwicklerin bei Lucent Technologies gemacht. Ihr Executive MBA von der IE Business School bot ihr eine globalare Perspektive auf die Geschäftswelt, die von zentraler Bedeutung dafür war, dass sie den Schritt ins IT Consulting wagte und Teil eines Start-ups wurde. Vor ihrer Tätigkeit bei Babbel war sie Senior-Development-Managerin bei Raet und dadurch Teil des European Development Center in Madrid. Zudem arbeitete sie als Senior-Beraterin bei Accenture und als technische Projektmanagerin bei bwin.party digital entertainment.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich interessierte mich überhaupt nicht für Technik, bis ich im Begriff war, mein Studium aufzunehmen. Obwohl ich mich immer für Wissenschaft interessierte, war die Informatik nie auf meinem Radar. Meine Mutter spielte eine Schlüsselrolle: Nachdem ich von einer Universität für ein anderes Studium abgelehnt wurde, schrieb sie mich für Informatik ein.

Ich hatte vorher nichts mit Computern zu tun, dementsprechend herausfordernd waren meine ersten Monate. Danach war ich aber fasziniert von der Welt, die ich während des Schreibens eines Softwareprogramms entdeckte. Ich stellte fest, dass es mir leicht fiel, verschiedene Programmiersprachen zu lernen und machte mich daran, eigenständig Games und andere witzige Dinge zu erstellen.

Ich begann meine berufliche Laufbahn als Entwicklerin in einem großen Telekommunikationsunternehmen. Es war eine wirklich spannende Arbeitserfahrung, vor allem wegen den Menschen, mit denen ich arbeiten durfte. Im Laufe mehrerer Jahre nahm ich verschiedene Rollen in mehreren Teams ein, was mir die Möglichkeit gab, mich mit jeder einzelnen Phase eines Softwareprojekts vertraut zu machen. Das war auch der Punkt, an dem ich erstmals feststellte, dass ich mehr daran interessiert war, Abhängigkeiten zu verwalten, Menschen bei ihrer Entwicklung zu fördern und Risiken zu bewerten als an der Programmierung selbst. Der Übergang zum Projektmanagement war daher logisch.

Mich hat die Welt fasziniert, die ich während des Schreibens eines Programms entdeckte.

Ich bin seitdem in einer Rolle als technische Managerin tätig. Das ist jetzt 10 Jahre her und ich liebe meinen Job immer noch!

Ich bin mir keiner sonderlichen Schwierigkeiten bewusst. Es wäre jedoch naiv zu glauben, dass es mir in der Vergangenheit nie Schwierigkeiten bereitet hätte, eine der einzigen Frauen auf der Etage oder im Meeting zu sein, ohne einen klaren Mentor zu haben und bei Unternehmen zu arbeiten, die verschiedene Denkweisen bezüglich der Geschlechterdiversität haben.

Ein unterstützendes Umfeld

Meine Familie war immer eine große Unterstützung. Beginnend mit meinen Eltern, die die Gleichheit der Geschlechter in der Erziehung von meinen Brüdern und mir gefördert haben.

Ich habe nur wenige Vorbilder. Diese sind zwar nicht aus dem MINT-Bereich, aber nichtsdestotrotz stehen sie mir nahe. Ich habe das Glück, dass sie meine Freunde sind. Es sind Frauen, die keine Angst davor haben, Risiken einzugehen und neue Projekte zu starten. Sie sind stark, unabhängig und proaktiv. Sie haben ihre eigenen Meinungen und einen ausgezeichneten Sinn für Humor. Ich finde es immer inspirierend, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Geht es um die technische Welt, habe ich großartige männliche Beispiele. Leider fehlt es mir hier an Frauen. Wir müssen zahlreicher werden und uns öfter zu Wort melden.

Hat jemals jemand versucht, dich vom Lernen und von beruflichen Fortschritten abzuhalten?

Nicht auf direktem Wege. Wenn man jedoch für ein Unternehmen arbeiten, in dem Lernen und Diversität nicht als Werte vorhanden sind oder in dem man keine gute Balance zwischen Privatleben und Arbeit findet, dann hält das Unternehmen einen effektiv davon ab, in seinem Berufsleben voranzukommen. Es gibt viele Dinge, die einen daran hindern können, Fortschritte zu machen.

Ich habe normalerweise versucht, vorsichtig zu sein, wenn es darum ging, auszuwählen, für welches Unternehmen ich arbeite und mit wem ich zusammenarbeite. Leider landete ich manchmal in Unternehmen, die sich überhaupt nicht für meine Karriere interessierten. Das ist bei Babbel, wo ich gerade arbeite, nicht der Fall. Lernen und Diversität sind hier zwei entscheidende Werte, die wir sehr ernst nehmen.

Ein Tag in Marías Leben

Als eine von drei Directors of Engineering bei Babbel leite ich den Bereich Learning Experience, der für die Verbesserung und Innovation unserer zentralen Lernanwendungen verantwortlich ist. Wir arbeiten ständig daran, die Grenzen zu erweitern und damit die Zukunft des technologiegestützten Sprachlernens zu gestalten. Durch die Leitung eines Teams aus sechs Engineering-ManagerInnen wollen wir auch ein großartiges Engineering-Leadership-Team und eine großartige Engineering-Kultur entwickeln.

Ich denke, dass es keinen typischen Tag bei Babbel für mich gibt. Zu meinen regulären Aktivitäten gehören Treffen mit meinem Team und Kollegen, um uns über Themen abzustimmen oder auf den neusten Stand zu bringen, das Betrachten von betriebswirtschaftlichen KPIs, die Durchführung von Interviews sowie Coachings, die Beteiligung an größeren strategischen Entscheidungen, das Fördern des Verständnisses von dem, was wir technisch machen und wie es sich auf unsere Gesamtvision von „Everyone learning languages“ auswirkt und das Teilnehmen an relevanten Konferenzen.

Ich bin stolz darauf, dass ich die Möglichkeit hatte, Teams zu bilden, und noch stolzer auf die Menschen, die Teil dieser Teams waren. Für mich ist ein Team eine Gruppe von Menschen, die eine gemeinsame Vision, Ziele und Maßstäbe teilen. Sie arbeiten zusammen und lernen gemeinsam, fordern sich gegenseitig heraus, um hervorragende Ergebnisse zu erzielen. Sie alle teilten ihre Leidenschaft, Zeit, Mühe und Wissen mit mir, um das möglich zu machen – unter großen Anstrengungen, mit langen Pizza-Tagen und Spaß.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Das ist eine komplexe Frage. Meiner Meinung nach liegt das an einer Kombination von Faktoren:

  • Bildung: Wir leben immer noch in einer Gesellschaft, in der einige Berufe als weiblich oder männlich gelten, ausschließlich wegen sozialer Vorurteile.
  • Fehlen eines gesunden sozialen Gleichgewichts zwischen den Geschlechtern: Frauen haben in der Gesellschaft schon immer eine fürsorgende Rolle übernommen. Diese Denkweise macht es Frauen schwer, in ihrer beruflichen Laufbahn voranzukommen. Sie sind gezwungen, weniger verantwortungsvolle Jobs zu übernehmen, befristete Jobs ohne Aussicht auf Entwicklung oder Autonomie im weiteren Sinne.
  • Fehlen eines vielfältigen Umfelds in Unternehmen, mit noch weniger Frauen in Führungspositionen, in denen Entscheidungen getroffen werden.
  • Mangel an weiblichen Vorbildern: Sie haben einen entscheidenden Einfluss auf das Interesse der Mädchen an MINT. Wir müssen sichtbarer sein, uns öfter zu Wort melden und Veränderungen vorantreiben.

Ich glaube fest daran, dass jede/r von uns (jede Frau und jeder Mann) dafür verantwortlich ist, Vorurteile abzuschaffen und eine auf Gleichberechtigung basierende Bildung aufzubauen.

Ich bin stolz darauf, dass ich die Möglichkeit hatte, Teams zu bilden, und noch stolzer auf die Menschen, die Teil dieser Teams waren.

Öffentliche und private Unternehmen müssen ein vielfältiges, flexibles Umfeld fördern, in dem Vorurteile abgebaut und Talente gefördert werden.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Das ist ein kultureller Wandel, der darum langsam vonstattengeht. Abgesehen davon bin ich optimistisch. Ich habe eine Vorstellung von der nahen Zukunft, die sehr vielversprechend ist. Zum Glück verändert sich die Ausgangslage in vielen Ländern schnell. In Unternehmen wie Babbel gehört Diversity zu den geschäftlichen Werten und Zielen, Schulen vermitteln unseren Kindern eine völlig neue Botschaft, Familien stärken verschiedene Rollenmodelle, die Gesellschaft wird weniger tolerant gegenüber inakzeptablen Verhaltensweisen gegenüber Frauen. Die Botschaft kommt endlich an!

Frauen in MINT

Auf jeden Fall! Es sollte das Hauptziel jedes Unternehmens sein, ein Arbeitsumfeld zu fördern, in dem die Diversität von Geschlecht, Kultur, Demographie, Studium usw. respektiert und als Mehrwert wahrgenommen wird.

MINT sollte da keine Ausnahme sein, auch wenn die Technologie selbst nicht die Fähigkeit hat, zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden.

Herausforderungen für Frauen in Tech

Unbewusster Bias ist ein Hindernis; es sind keine bewussten Anstrengungen, mit denen man Frauen damit abhält, in der Tech-Branche zu arbeiten. Es ist allerdings eine Realität, der wir uns stellen müssen, um darüber nachzudenken, wie wir sie lösen können. Die mangelnde Diversität in den Positionen, in denen die Entscheidungen getroffen werden, hat direkte Auswirkungen auf die Beförderungssysteme, Einstellungsprozesse, Arbeitgebermarkenbildung und die Branche als Ganzes.

Tipps & Tricks

Mein erster Ratschlag lautet: Mach es einfach! Es ist nicht leicht und man muss sich viel Mühe geben. Es lohnt sich allerdings. Hört nicht auf, bis ihr einen Ort findet, der am besten zu euren wirklichen Bedürfnissen sowie Bestrebungen passt, dann könnt ihr euch der Sache mit ganzen Herzen und Leidenschaft widmen und lernen. Das ist der einzige Weg zum Erfolg!

Mein erster Ratschlag lautet: Mach es einfach!

Mein zweiter Ratschlag ist, sich mit guten, intelligenten Menschen zu umgeben, die einen Mehrwert für das, was man tut, schaffen. Entscheidet euch für Menschen, denen ihr vertrauen könnt und nehmt ihre unterschiedlichen Ansichten mit offenen Armen an. Lernt von ihnen und lasst sie von euch lernen.

Meine dritte Empfehlung ist es, keine Angst vor dem Scheitern zu haben. Akzeptiert es und lernt daraus.

Mein letzter Ratschlag lautet, Spaß zu haben!

Habe ich schon „lernen“ erwähnt?

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