Heute im Interview: Nadine Riederer, CEO bei Avision

Women in Tech: „Mehr Frauen in der IT heißt auch bessere Perspektiven“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Nadine Riederer, CEO bei Avision.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Nadine Riederer

Seit 2011 bin ich CEO, also Geschäftsführerin, für den Bereich Operations bei Avision. Wir sind ein IT-Dienstleister, der auf Software Revival spezialisiert ist. Als Alternative zu kompletten Neuimplementierungen modernisieren wir die Legacy-Software von Unternehmen.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Mein Interesse an der IT wurde in der 11. Klasse geweckt, als ich zum ersten Mal programmiert habe. Damals programmierte man noch in Turbo Pascal und das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Nachdem ich die Schule beendet hatte, entschied ich mich deshalb, dieses Interesse weiter zu verfolgen und Wirtschaftsinformatik zu studieren.

Meine Karriere verlief relativ gradlinig und ohne große Abweichungen. Nach Abschluss meines Wirtschaftsinformatikstudiums fing ich zunächst als Consultant bei einem deutschen Logistikkonzern an. Danach wurde ich zunächst stellvertretende Projektleiterin und dann Projektleiterin. Als sich vor acht Jahren schließlich die Chance ergab, ein eigenes Unternehmen zu gründen und in die Geschäftsführung aufzusteigen, konnte ich nicht widerstehen.

Es ist sehr wichtig, Führungskräfte zu haben, die an ihre Mitarbeiter glauben und ihnen dabei helfen, voranzukommen.

Ein Tag in Nadines Leben

In meiner Position bin ich für die komplette Leistungserbringung des Unternehmens zuständig. Als Geschäftsführerin kümmere ich mich darum, dass die Firma jeden Tag wie eine gut geölte Maschine läuft. Da ich am Ende des Tages für die Ergebnisse jedes Projekts verantwortlich bin, bin ich auch diejenige, an die sich unsere Kunden und Mitarbeiter bei Problemen sowie Erfolgen wenden. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich damit, eng mit unseren Teams zu arbeiten, um strategische Entscheidungen intern und mit unseren Kunden zu treffen, und bei Bedarf so manchen Brand zu löschen. Das Schöne daran ist, dass jeder Tag anders ist und neue Entwicklungen oft dafür sorgen, dass ich mich auf neue Gegebenheiten einstellen muss.

Vorbilder und Förderer

Ada Lovelace kommt mir gerade in den Sinn. Ich sehe sie nicht als persönliches Vorbild, sondern eher als Vorbild für alle in der Tech-Branche. Sie war eine Pionierin: Eine der ersten Programmiererinnen—wenn nicht sogar die allererste. Eine Frau in der Tech-Branche zu sein, ist eine Herausforderung. Eine berufstätige Frau im 19. Jahrhundert zu sein, war noch eine größere Herausforderung. Ada Lovelace schaffte es, alles drei auf einmal zu sein. Und also ob das nicht genug wäre, waren ihre Leistungen überragend.

Als Vorbild sehe ich tatsächlich auch meinen ehemaligen Vorgesetzten Jürgen Bernert, der inzwischen auch Geschäftsführer bei uns ist; er hat mich auf meinem Werdegang von Anfang an stets unterstützt und gefördert. Es ist sehr wichtig, Führungskräfte zu haben, die an ihre Mitarbeiter glauben und ihnen dabei helfen, voranzukommen. Deshalb hoffe ich sehr, dass auch meine Kolleginnen und Kollegen jetzt das Gefühl haben, von mir genauso unterstützt zu werden.

Hat jemand versucht, dich daran zu hindern, in deiner Karriere voranzukommen?

Formal nicht wissentlich oder bewusst. Mein Weg als Frau in der IT war gewiss anders als der meiner männlichen Kollegen, aber richtige Stolpersteine waren das nicht.

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Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Ich habe kleinere Dinge selbst entwickelt; etwa Skripte in Shell/awk und SQL. Mir macht es viel mehr Spaß, zusammen mit den Mitarbeiter zu arbeiten und die Projekte mitzusteuern. Aber wie bereits gesagt, jeder Tag ist bei uns individuell. Wenn morgen der Bedarf entsteht, dass ich etwas entwickeln muss, stehe ich bereit dafür.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Es stimmt natürlich, es gibt wirklich wenige Frauen in der Tech-Branche. Ich sehe aber ehrlich gesagt keine großen Hürden für sie. Meiner Erfahrung nach haben Frauen oft einfach weniger Interesse an Technik als Männer und entscheiden sich deshalb für andere Berufe. Steigt eine Frau doch in die Tech-Branche ein, muss sie sich natürlich darüber im Klaren sein, dass der Männeranteil dort noch stark überwiegt. Davon darf sie sich aber nicht abschrecken lassen.
Für unser Unternehmen trifft das übrigens nicht zu. Wir haben einen Frauenanteil von 30 Prozent und liegen damit deutlich über dem Durchschnitt der IT-Unternehmen. In einigen Teams freuen wir uns sogar ausdrücklich über männliche Bewerber, weil der Frauenanteil dort bei über 50 Prozent liegt

Herausforderungen & Hindernisse

Vielleicht das Klischee, das viele berufstätigen Frauen verfolgt: dass sie sich am Ende zwischen Karriere und Familie entscheiden müssen. Dem ist in Deutschland natürlich nicht so. Frauen müssen hier nicht das Gefühl haben, dass sie sich zwischen diesen beiden Wegen entscheiden müssen. Obwohl es kein perfektes System ist — gerade in Städten gibt es zum Beispiel immer noch einen erheblichen Mangel an Kinderbetreuungsplätzen — ist es möglich, sowohl eine Familie zu betreuen als auch eine eigene Karriere zu verfolgen.

In der Tech-Branche überwiegt der Männeranteil noch stark. Davon darf sie sich aber nicht abschrecken lassen.

Sähe die Welt mit mehr Frauen in MINT-Berufen anders aus?

Die Arbeit in der Tech-Branche wird immer mehr zur Teamarbeit. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass gemischte Teams besser arbeiten als homogene Teams. Möglichst vielfältige Teammitglieder können dabei unterschiedliche Denkanstöße geben und mehr Facetten aufzeigen. Wenn Tech-Unternehmen ihrem Wettbewerb einen Schritt voraus sein wollen, müssen sie kreativer und innovativer arbeiten, aber die Branche vernachlässigt 50 Prozent der Bevölkerung. Aus meiner Sicht heißt mehr Frauen in der IT einfach mehr Perspektiven. Das bereichert die Arbeit und sorgt unter dem Strich für ein besseres Ergebnis.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Ich denke schon, dass in absehbarer Zeit deutlich mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten werden. Die Branche hat sich in den letzten Jahren verändert und bietet inzwischen vielfältige Arbeitsmöglichkeiten. Das hat sich nur noch nicht so stark herumgesprochen. Wurde früher in der IT hauptsächlich programmiert, gibt es inzwischen neue Bereiche wie beispielsweise Anforderungsmanagement oder Softwarearchitektur. Dort sind konzeptionelle und kommunikative Eigenschaften besonders wichtig, die bei Frauen oft stärker ausgeprägt sind – um jetzt auch mal selbst ein Klischee zu bedienen.

Tipps & Tricks

Voraussetzungen für die Tech-Branche sind logisches Verständnis und Abstraktionsvermögen sowie die Bereitschaft, sich mit Technik auseinandersetzen zu wollen. Wenn Frauen diese Aspekte erfüllen, gibt es absolut keinen Grund dafür, nicht in die Tech-Branche einzusteigen. Dann kann ich jeder Frau nur den Rat geben: Trau dir selbst etwas zu und probier’ es einfach aus!

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