Interview mit Olivia Duane Adams, Mitgründerin und Chief Customer Officer von Alteryx

Women in Tech: „Frauen müssen lernen, ihr eigenes Potenzial besser einzuschätzen“
Keine Kommentare

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Olivia Duane Adams, Mitgründerin und Chief Customer Officer von Alteryx.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Olivia Duane Adams

Olivia Duane Adams ist Mitgründerin und Chief Customer Officer von Alteryx. Vor der Gründung von Alteryx im Jahr 1997 arbeitete Duane Adams in führender Position im Vertrieb bei Strategic Mapping, einem Anbieter von räumlichen Analysen und Desktop-basierten Business-Intelligence-Lösungen. Weitere Zwischenstationen beinhalten Donnelley Marketing Information Services sowie das damalige Medienunternehmen VNU. Duane Adams hat am Castleton State College in Vermont studiert und ist weiterhin aktives Mitglied des College-Alumni-Vereins.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich erinnere mich daran, früh erkannt zu haben, dass die Eckpfeiler der Innovation – Automatisierung und Zugänglichkeit – von Technologie angetrieben werden. Als ich meine erste Stelle antrat, kamen gerade Desktopcomputer mit eigener Software auf. Später wurden Laptops zum Arbeitsmittel Nummer eins und boten die Möglichkeit, mobil und überall mit Software zu arbeiten. Ich war einfach schon immer begeistert von Technologien, die unser Leben, einschließlich des Arbeitslebens, einfacher und effizienter machen.

Ich habe BWL mit dem Schwerpunkt Marketing studiert. Dean (Mitgründer und CEO von Alteryx) und ich lernten uns 1990 kennen, als wir beide zum selben Unternehmen kamen. Dean leitete damals die westliche Region und ich war im Hauptstandort an der Ostküste. Als ich seine Vertriebsmitarbeiter in Kalifornien unterstützte, wechselte ich 1993 in sein Vertriebsteam. Drei Jahre später, 1996, wurde das Unternehmen, für das wir damals arbeiteten, an unseren größten Konkurrenten verkauft. In dieser Übergangszeit haben wir im Januar 1997 Alteryx gegründet.

Als ich noch für unseren ehemaligen Arbeitgeber tätig war, war ich regelmäßig von dem langsamen Tempo des Unternehmens frustriert. Wir konnten einfach nicht schnell genug handeln, um die Marktnachfrage zu bedienen. Deshalb war es damals auch die große Herausforderung, geduldig zu bleiben, da die Technologie immer gerade noch rechtzeitig entwickelt und fertiggestellt wurde. Im Gegensatz dazu zeichnet uns heute bei Alteryx aus, dass wir mit unserer Technologie der Nachfrage immer einen Schritt voraus sein wollen. Wir fragen uns deshalb, was unsere Nutzer wollen und brauchen, um die Nase stets vorn zu haben. Als Unternehmen wollen wir so auch in Zukunft den Geschäftszweig von Self-Service Analytics anführen.

Familie und Freunde – die wichtigsten Unterstützer

Meine Motivation ist der Wille zum Erfolg sowie die Möglichkeit, etwas zu bewegen.

Ich hatte während meiner Karriere sehr viel Unterstützung von meiner Familie und meinen Freunden. Ich wuchs in einer Familie auf, in der mein Vater mit fünf Kindern selbständig war; mittlerweile sind zwei meiner Brüder Unternehmer. Meine Vorbilder sind meine Eltern. Als Selbstständige mit fünf Kindern hatten sie nie die Möglichkeit aufzugeben oder aufzuhören. Meine Mutter ging zwar nicht arbeiten, trug aber – wie unser Vater – einen entscheidenden Teil dazu bei, dass es immer weiterging. Als die Finanzkrise 1974 zuschlug, arbeitete mein Vater als Golfplatzarchitekt – weshalb er von der Krise betroffen war, da dies als Luxus und nicht als Notwendigkeit galt. Obwohl das Geschäft langsamer wurde, hielt er sein Unternehmen aber weiter am Laufen – also habe ich früh gelernt, dass man in Bewegung bleiben muss. Meine Motivation ist also der Wille zum Erfolg sowie die Möglichkeit, etwas zu bewegen.

Ein Tag in Olivias Leben

Es gibt wirklich keinen typischen Tag in meinem Beruf. Als Chief Customer Officer (CCO) hier bei Alteryx ist es meine Aufgabe herauszufinden, wo es Probleme oder Verbesserungsmöglichkeiten in unserer Technologie und im Service gibt. Ich muss sicherstellen, dass wir unseren Kunden die bestmögliche Leistung bieten. Wir bei Alteryx haben es nie für selbstverständlich gehalten, dass wir das tun können, was wir tun – und wir sind heute dort, wo wir sind, wegen unserer Kunden und ihrer Zufriedenheit.

Wir fragen unsere Kunden, wie sie mit unserer Software arbeiten, was wir verbessern und in unsere Produktpalette mit aufnehmen sollten. Ein Beispiel hierfür ist, die “Caching”-Funktion, die wir aufgrund der Nachfrage aufgenommen haben. Die durchweg positive Rückmeldung, als wir die neue Funktion auf unserer Kundenkonferenz Anfang Juni vorgestellt haben, hat uns deshalb auch so gefreut.

Lesen Sie auch: Women in Tech Spezial: Drei starke Frauen in der IT und ihr Werdegang

Es gibt zwei Dinge, auf die ich besonders stolz bin:

Erstens in der Lage zu sein, die Rolle des CCO in einem Unternehmen zu übernehmen, das so kundenorientiert arbeitet und sich darüber im Klaren ist, dass wir ohne unsere Kunden keinen Job haben. Zweitens, dass unsere Kunden im gesamten Unternehmen wirklich im Mittelpunkt stehen. Wir fragen uns deshalb auch ständig „Was wird die Auswirkung auf die Kunden sein, wenn wir diese Änderung vornehmen oder auch nicht vornehmen?“. Viele unserer Mitarbeiter stellen sich diese Frage und daher weiß ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Herausforderungen und Hindernisse

Mir persönlich hat nie jemand versucht, Steine in den Weg zu legen. Ich wollte immer mehr dazulernen und weiter Fortschritte machen.

Wenn Frauen zehn Voraussetzungen für eine bestimmte Rolle identifizieren und das Gefühl haben, dass sie nur drei abhaken können, dann bewerben sie sich erst gar nicht.

Frauen nehmen häufig vieles wortwörtlich. Wenn sie eine Stellen- oder Projektbeschreibung lesen, erstellen sie eine Checkliste im Kopf. Wenn sie zehn Voraussetzungen für die Rolle oder das Projekt identifizieren und das Gefühl haben, dass sie nur drei abhaken können, dann bewerben sie sich erst gar nicht – ganz gleich, ob das intern oder bei einem anderen Unternehmen ist.

Frauen müssen lernen, ihr eigenes Potenzial besser einzuschätzen und zu beurteilen, ob sie mit ihren Fähigkeiten eine Herausforderung annehmen wollen. Sie müssen dabei die Angst vor dem Scheitern überwinden und nicht versuchen, alles immer perfekt machen zu wollen. Gerade im Techniksektor ist es ganz oft ein „Trial & Error“-Spiel.

Mein Tipp an alle Frauen da draußen ist: Haben Sie keine Angst zu scheitern oder Fehler zu machen! Und wenn es doch einmal passiert, lernen Sie daraus, atmen Sie tief durch und machen Sie ohne schlechtes Gewissen weiter.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich denke, es hat mehr mit „Frauen in der Wirtschaft“ zu tun als mit „Frauen in der Technik“, und es gibt verschiedene Definitionen von Frauen in Tech-Berufen. Zum Beispiel denke ich da an die Besucher der Inspire-Konferenz, die unser Produkt tagtäglich einsetzen – und dabei nicht unbedingt in typischen „Tech“-Positionen arbeiten. Die diesjährige Gewinnerin unseres „Grand Prix“-Wettbewerbs auf dem Event – eine Simulation, in der es darum geht, möglichst effizient analytische Problemstellungen zu lösen – arbeitet eigentlich in der Finanzbranche. Es gibt viele ähnliche Beispiele und viel mehr Frauen, die mit Technik in ihren Beruf hantieren, aber nicht in den Bereich „Frauen in Technik“ eingestuft werden, weil sie nicht direkt an der Entwicklung von Hardware, Software oder Cloud-Technologie arbeiten. Dieses Jahr verzeichneten wir einen Zuwachs von 54 Prozent bei den weiblichen Teilnehmern im Publikum – ein klarer Indikator, dass mehr Frauen im Bereich Data Analytics arbeiten.

Mit mehr Frauen in der IT-Branche wäre Coding nicht mehr so steif, sondern flexibler und lockerer.

Unsere Welt wäre definitiv anders, wenn es mehr Frauen in MINT-Berufen gäbe. Zum einen denke ich, dass Coding dann nicht mehr so steif wäre, sondern flexibler und lockerer. Ich denke auch oft darüber nach, wie unsere Welt aussehen könnte, wenn wir uns darauf konzentrieren würden, unsere Fähigkeiten zu nutzen. Gerade bin ich aus Uganda zurückgekommen und die Frauen in diesem Land haben so viel Begabung, Wille und Talent – wenn Sie nur die Chance erhalten, eine Karriere aufzubauen.

Überall möchte ich Frauen ermutigen, sich auf keinen Fall mit einem „Nein“ oder „Du kannst das nicht tun“ zufrieden zu geben. Dann haben sie alle Möglichkeiten, etwas zu bewirken und Veränderungen herbeizuführen.

Ich glaube nicht, dass wir noch lange auf Ergebnisse der aktuellen Debatte um mehr Diversität warten müssen. Wie bereits erwähnt, müssen wir die Definition von „Frauen in Technik“ erweitern, weil wir gerade einen großen Teil derer ausschließen, die in ihren Berufen mit Technologie arbeitet. Diese Frauen geben Feedback und helfen den Technologieanbietern bei der Entwicklung ihrer jeweiligen Tools und Produkte. Die Diversität nimmt zu – und Frauen in der Wirtschaft und in Führungspositionen sind ein Schlüsselfaktor für die Beschleunigung der Entwicklung. Wir sehen bereits Ergebnisse der Debatte und haben in unserem Technologieunternehmen sowohl zwei Frauen in der C-Ebene (CCO und Chief Strategy Officer (CSO)) als auch zwei von sieben Vorstandspositionen mit Frauen besetzt. Hierbei zählen vor allem Talent und Fähigkeiten – so stellen wir sicher, dass wir die richtigen Talente in diese Rollen bringen. Insgesamt schätzen wir Diversität sehr, weil Frauen eine andere Perspektive bei der Lösung von Problemen und der Umsetzung der Unternehmensvision einbringen.

Tipps & Tricks

Mein Rat ist: Seien Sie kreativ, wenn es darum geht, Probleme zu lösen. Denken Sie nicht, dass Sie sich immer an die festgelegten Regeln halten müssen – Sie können eigene, neue Regeln aufstellen. Im Tech-Bereich gibt es enorme Möglichkeiten, über neue Nutzer oder Kunden nachzudenken. Versetzen Sie sich in deren Lage und machen Sie ein fantastisches Projekt daraus. Wenn Sie zuhören und ein gutes Produkt entwickeln, werden Ihre Kunden Ihnen Feedback geben und das Produkt gemeinsam mit Ihnen weiterentwickeln.

Lesen Sie auch: Women in Tech Spezial: Drei starke Frauen und ihre Analyse der IT-Branche

Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob es interne oder externe Kunden sind. Sie dürfen nie aus den Augen verlieren, was Ihre Kunden brauchen. Ich kann zwar nicht für andere Branchen sprechen, aber im Tech-Bereich sind die Möglichkeiten endlos – vor allem dahingehend, was man als Startup machen kann. Haben Sie keine Angst, Fragen zu stellen und neugierig zu bleiben, denn so werden Sie stets etwas dazulernen. Ach ja, und: Gut erzogene Frauen schreiben selten Geschichte.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu:
X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -