Interview mit Sabrina Spielberger, Gründerin und CEO von digidip

Women in Tech: „Frauen haben es definitiv schwerer, Geld von Investoren zu erhalten“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Spielberger, Gründerin und CEO von digidip.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Sabrina Spielberger, Gründerin und CEO von digidip

Sabrina Spielberger ist die Gründerin von digidip aus Berlin. In den letzten vier Jahren hat sich das Affiliate-Netzwerk zum Marktführer für Premium-Content-Monetarisierung entwickelt. digidip ist in über 40 Ländern vertreten und das weltweit führende private Metanetzwerk für Monetarisierung und Performance-Analyse.

Sabrina kam die Idee zur Gründung des Startups, nachdem eine Fashion-Bloggerin keine zufriedenstellende Möglichkeit finden konnte, um ihren Content effektiv und leicht zu monetarisieren. Heute umfasst ihr Metanetzwerk 95 Netzwerke und 40.000 Webhändler. digidip verbindet täglich 3 Millionen Nutzer mit namhaften Online-Shops.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Mein Interesse an der Technologie wurde in der Minute geweckt, als wir Zugang zu Computern bekamen. Das war zuerst im Zimmer meines Bruders, wo ich den PC nicht anrühren sollte. Doch Jahre später, als meine Schule uns endlich PCs mit Internetanschluss präsentierte, die wir auch nach der Schule benutzen durften, wurde ich süchtig danach und verbrachte viel Zeit online. Ich interessierte mich nicht so sehr dafür, wie Webseiten aufgebaut werden, sondern eher für die Menschen dahinter: was für eine Bildung sie haben, ob sie in meinem Alter sind und ob sie damit ihren Lebensunterhalt bestreiten können und so weiter.

Nach meinem Abschluss begann ich bei einem Technologieunternehmen zu arbeiten, das von sehr jungen Leuten geleitet wurde. Das Unternehmen konzentrierte sich auf visuelle Werbung und ich sollte die Banner und Pop-ups international verkaufen, da die Kunden auch über den deutschsprachigen Markt hinaus bekannt werden wollten. Während ich dort arbeitete, bemerkte ich, dass immer mehr und mehr Werbebetreibende sich eher nach Content Marketing sehnten als nach visuellen Anzeigen. Die Annahme war, dass es weniger schädlich für ihre Marke ist, wenn sie von Bloggern empfohlen werden, anstatt dass sie den Benutzern ihre Banner im ganzen Netz um die Ohren hauen. Als ich digidip gründete, das sich nur auf die Monetarisierung von Content konzentriert, fiel es mir schwer, mich von dem vorherigen Geschäft zu trennen. Ich war immer noch als das Mädchen bekannt, das aufdringliche Anzeigen verkaufte. Es dauerte eine Weile, bis Geschäftspartner erkannten, dass ich auf etwas Innovativeres und Diskreteres gestoßen war.

Es befriedigt mich nicht, imme auf Nummer Sicher zu gehen.

Ich war alt genug, dass ich nicht mehr um Erlaubnis fragen musste, wie mein Karriereweg aussehen sollte und hörte auf meinen Instinkt sowie auf Leute, denen ich damals vertraute. Ich wusste, dass sie mich warnen würden, wenn sie der Meinung waren, es sei völlig nutzlos. Allgemein haben mich alle unterstützt – oder sagen wir es mal so: sie haben  mich das machen lassen, was ich zu diesem Zeitpunkt, meiner Meinung nach, tun musste. Heute ist aber mein Ehemann definitiv mein Vorbild. Er ist die Art von Unternehmer und Führungskraft, zu der ich aufblicke – intelligent mit einer großen Portion Integrität.

Ich bin ziemlich unkompliziert, wenn es darum geht, mich auf etwas zu konzentrieren und es einfach zu tun. Natürlich wollten meine Eltern immer, dass ich etwas „sicheres“ mache. Allerdings befriedigt es mich nicht, immer auf Nummer Sicher zu gehen.

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Ein Tag in Sabrinas Leben

Derzeit bin ich CEO meines eigenen Unternehmens. Mein Tag beginnt mit dem Überprüfen von Skype, Slack und meinen E-Mails am Morgen – danach ist jeder Tag anders. Es ist eine Mischung aus Meetings mit wichtigen Partnern, Telefonaten, der Zusammenarbeit mit meinen Teams, um Situationen zu bewerten und über die nächsten Schritte zu sprechen, dem Vertiefen in Zahlen und Strategien sowie dem Brainstorming von neuen Modellen und Features mit den Stakeholdern in meinem Unternehmen – es wird also niemals langweilig. Ich bin zudem sehr stolz darauf, dass ich mit den intelligentesten Leuten der Branche zusammenarbeiten kann.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Es gibt aktuell mehr Veranstaltungen und Projekte, die sich auf die Stärkung der Frauen und Diversität konzentrieren, als je zuvor

Ich denke, es liegt daran, dass die Idee von Technologieunternehmen hauptsächlich als Männerwelt verkauft wurde, obwohl ich jeden Tag mehr und mehr Frauen sehe, die in die Technologie einsteigen – wir kommen an! Aber der Grund, warum es weniger Gründerinnen in der Tech-Branche gibt, ist definitiv die Ungleichheit, wenn es darum geht, Kapital von Investoren zu erhalten. Sie lieben es einfach, mehr in Startups zu investieren, die von Männern geführt werden als in von Frauen geführte Unternehmen. Es ist höchst unfair, aber leider ist es jetzt, einer aktuellen Studie nach, eine Tatsache.

Allein die Tatsache, dass in der Öffentlichkeit und in den Medien in Bezug auf Diversität mehr Aufmerksamkeit herrscht, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Heute haben wir mehr soziale Veranstaltungen und Projekte, die sich auf die Stärkung der Frauen und Diversität konzentrieren, als je zuvor. Als ich mein Unternehmen gründete, gab es fast nichts davon – oder ich wusste darüber einfach nichts, weil die Medien nicht darüber berichteten. Aber heute sehe ich junge Frauen in der Tech-Welt, die sich mehr und mehr befähigt fühlen, Fuß zu fassen und ihr Zeichen zu setzen. Wir werden davon in den nächsten Jahren definitiv mehr sehen.

Women in MINT

Wenn mehr Frauen in MINT-Berufen arbeiten würden, würden wir endlich das Bild umkehren, dass MINT eine von Männern dominierte Branche ist. Dies schüchtert junge Frauen ein, sich dorthin zu orientieren. Vorteilhaft wäre auch der so entstehende Pool an Talenten, von dem wir dann profitieren könnten. Je mehr talentierte Personen an einem Projekt arbeiten, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die gesamte Qualität der Beteiligten steigt. Und da es am Ende des Tages immer um Innovation und Entwicklung geht, ist dieser Ansatz wirklich ein No-Brainer.

Herausforderungen

„Boys Clubs“ sind für Frauen in der Tech-Branche eine echte Herausforderung.

Mir kommen beim Stichwort „Herausforderungen“ als erstes Männer in den Sinn, die sich im Tech-Bereich sehr wohl fühlen und bereits ihren „Boys Club“ haben, dem eine Frau nur schwer beitreten kann. Besondern am Anfang, wenn man noch ein Niemand ist, ist das eine große Herausforderung. Natürlich ist es in meiner Branche wichtig, engen Kontakt zu den Menschen zu halten oder sogar Saufkumpanen zu werden. Es ist auch ziemlich sicher in jeder anderen Branche so, wenn es sich um eine von Männern dominierte Branche handelt.

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Tipps und Tricks

Als erstes solltet ihr – egal welchen technischen Beruf ihr ergreifen wollt – sicherstellen, dass ihr eure Fähigkeiten konstant verbessert. Die Technologie entwickelt sich ständig weiter, deswegen müsst ihr herausfinden, welche Fähigkeiten gebraucht werden und diese dann lernen. Mit diesem Zuwachs an Wissen und Erfahrung werdet ihr auch mehr Selbstvertrauen erhalten. Das hilft euch dabei, eine Beförderung durchzusetzen, einen neuen Karriereabschnitt zu starten oder ein eigenes Unternehmen zu gründen.

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