Heute im Interview: Sarah-Kristin Bohlmeier, Gründerin und Geschäftsführerin von teambay

Women in Tech: „Der stetige Kampf darum, ernst genommen zu werden, ist anstrengend“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Sarah-Kristin Bohlmeier, Gründerin und Geschäftsführerin von teambay.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Sarah-Kristin Bohlmeier

Sarah-Kristin Bohlmeier ist Gründerin und Geschäftsführerin des HR-Tech-Unternehmens teambay. teambay bietet Unternehmen und Personalverantwortlichen mit einer Kombination aus Software und fundierter Beratung einen ganzheitlichen Ansatz zur Einbindung von Mitarbeitern, Optimierung der internen Kommunikation und Verbesserung der Unternehmenskultur. Neben den Tätigkeiten als Geschäftsführerin ist Sarah-Kristin Bohlmeier maßgeblich in die Beratungsleistungen von teambay involviert. Den Grundstein für ihre Karriere legte sie mit einem Master in Organizational Behavior an der London School of Economics. Danach war sie in verschiedenen Bereichen in der Personalentwicklung tätig, zuletzt als HR-Managerin bei Kühne + Nagel.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Um ehrlich zu sein, bin ich beim Thema Tech eine Spätzünderin. Ich habe mich zwar beruflich immer für Software interessiert und gern Neues dazugelernt, aber mich selbst weniger als Techie gesehen. Als ich meinen damaligen Mitgründer kennenlernte, war die Idee einer eigenen Software allerdings einfach nur aufregend. Mit der Zeit habe ich mich mehr und mehr in die Softwareprogrammierung eingearbeitet und kann mittlerweile mit meinen IT-lern auf Augenhöhe über Entwicklungsschritte diskutieren.

Nach dem Abitur und einem Gap Year in Argentinien entschied ich mich für ein Studium in International Business Studies. Ich studierte dann dual in Wiesbaden und Marseille. Bereits während des Bachelors legte ich meinen Fokus auf die Themen Führung und HR. Mit einem Master of Science in Organizational Behaviour an der London School of Economics vertiefte ich dieses Interesse. Der Berufsstart im Personalbereich war für mich mit diesem Hintergrund relativ eindeutig. Bei Kühne und Nagel betreute ich als HR-Managerin in der Personalentwicklung Themen wie Führungskräfteentwicklung oder aber Talent- und Nachfolgemanagement. Als sich die Möglichkeit der Gründung im HR-Tech-Bereich ergab, zögerte ich nicht lange. Auch mein Chef war damals eine tolle Unterstützung, was mir die ganze Sache zusätzlich erleichterte.

Ich musste deshalb mit einigen Vorurteilen aufräumen und meinen eigenen Weg finden.

Ein Tag in Sarah-Kristins Leben

Ich bin heute Geschäftsführerin meines eigenen Unternehmens – teambay. Einen Alltag habe ich hier eigentlich nie. Ich arbeite mit allen Mitarbeitern an allen Themen: Vom Vertrieb über Produktentwicklung bis hin zu HR-Themen. In diesem Zusammenhang bin ich häufig für Termine in ganz Deutschland unterwegs. Diese Abwechslung genieße ich sehr, genauso wie die Unabhängigkeit. Das gebe ich auch, so gut es geht, an meine Mitarbeiter weiter.

Vorbilder und Förderer

Es gibt etliche Personen und vor allem Frauen, die mich gestärkt und gefördert haben. An erster Stelle natürlich meine Familie, mein Freund und meine besten Freundinnen. Aber ich habe auch im beruflichen Umfeld viele starke Frauen, die mich unterstützen und mir mit Rat und Tat zur Seite stehen. Besonders meine Beirätinnen machen hier einen großartigen Job.

Hat jemand versucht, dich daran zu hindern, in deiner Karriere voranzukommen?

Sowohl in meiner Zeit in der Logistik als auch in der Startup-Welt habe ich gerade als Frau einige Herausforderungen meistern müssen. Beide Welten sind bis heute sehr männerdominiert. Ich musste deshalb mit einigen Vorurteilen aufräumen und meinen eigenen Weg finden. Glücklicherweise war ich dabei jedoch nie allein.

Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Die teambay-Software habe ich 2014 gemeinsam mit einem Gründerteam ins Lebengerufen. Zu dieser Zeit arbeitete ich im HR-Bereich und empfand die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Unternehmen als zu langsam und nicht mehr passend für unsere heutige, schnelllebige Welt. Vor diesem Hintergrund entwickelten wir teambay, eine Online-Software für kontinuierliche Mitarbeiterbefragungen. Mit der teambay-Plattform können Unternehmen schnell, automatisiert und flexibel die Rückmeldungen von Mitarbeitern zu Alltags- und Strategiethemen einholen, mit den Ergebnissen weiterarbeiten und einen kontinuierlichen Dialog ins Leben rufen.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

Ich glaube, dass es hier verschiedene Gründe gibt. Ein großer ist sicherlich, die gesellschaftliche Einstellung zu Bereichen, wie IT und Programmieren. Das ist ein klassisches Männerthema und folglich sehen sich viele Frauen nicht in diesem Feld. Natürlich kommt hinzu, dass viele Menschen gegenüber Frauen im Tech-Bereich etwas voreingenommen sind und Klischeedenken eine große Rolle spielt. Als Frau wird man einfach immer wieder in eher weibliche Bereiche geschoben, als würden Tech und Frau gedanklich nicht so ganz passen. Oder man wird direkt als “Tomboy” gesehen.

Herausforderungen & Hindernisse

Ein großes Klischee ist, dass Frauen in der Tech-Branche häufig als Tomboys gesehen werden. Das heißt, ihnen wird praktisch ihre Weiblichkeit abgesprochen, damit sie wieder ins Bild der männerdominierten Domäne passen. Oder man nimmt sie einfach nicht ernst. Viele Entwicklerinnen, mit denen ich mich unterhalte, erzählen beispielsweise, dass sie immer wieder auf Designprojekte besetzt werden, weil diese als “weiblicher” gelten. Dieser stetige Kampf darum, ernst genommen zu werden, ist anstrengend und manchmal möchte man aufgeben. Und manche Frauen tun das auch. Oder sie nehmen den Kampf gar nicht erst auf. Das ist schade, denn dadurch geht viel Potenzial verloren. Auch als relativ junge Geschäftsführerin werde ich häufig belächelt. Das durfte mich aber nie davon abhalten, trotzdem meinen Weg zu gehen. Dabei hilft durchhalten, sich mit anderen verbünden und mit Kompetenz überzeugen.

Wenn man merkt, dass man nicht die Einzige ist, die mit Hindernissen kämpft, geht vieles einfacher.

Sähe die Welt mit mehr Frauen in MINT-Berufen anders aus?

Ich finde nicht, dass man diese Frage nur auf das Thema Frauen verengen sollte. Ich glaube generell, dass Diversität in allen Bereichen wichtig ist, um die besten Ergebnisse zu erzielen.Verschiedene Hintergründe bereichern Prozesse und Produkte. Das gilt für Männer und Frauen, aber auch für sexuelle Orientierung, Nationalität und Kulturen – oder einfach für unterschiedliche Charaktere. Heterogene Teams sind erwiesenermaßen erfolgreicher, innovativer und kreativer, und zwar auf sozialer, fachlicher, kultureller und wirtschaftlicher Ebene.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Das Thema Diversity ist noch lange nicht am Ende. In verschiedenen Ländern, Regionen und Städten ist es unterschiedlich relevant und die Entwicklungen sind mehr oder weniger fortgeschritten. Ich träume von einer Welt, in der wir nicht mehr auf Geschlecht, sexuelle Orientierung oder Hautfarbe schauen, sondern einfach Menschen sehen. Allerdings zeigt uns die Geschichte, dass eine Welt in der Diversität zum Alltag gehört, nicht immer von Dauer ist. Es ist also wichtig, das Thema immer im Fokus zu behalten und weiter aktiv daran zu arbeiten.

Tipps & Tricks

Es ist wichtig, sich zu vernetzen und sich Unterstützung zu holen. Dafür kommen Mentoren oder Peers infrage, aber auch Freunde und Familie sind von großer Bedeutung. Mir war und ist außerdem wichtig, mich auszutauschen, über Probleme und Herausforderungen zusprechen und Erfolge zu teilen. Wenn man merkt, dass man nicht die Einzige ist, die mit Hindernissen kämpft, geht vieles einfacher. Ein ganz wichtiges Learning für mich war aber auch zu verstehen, dass es nicht den einen perfekten Weg gibt. Jeder und jede hat seine eigene Art an Themen heranzugehen und was bei einer Freundin funktioniert hat, passt vielleicht nicht zu einem selbst. Ich kann Frauen nur weiterhin raten: Seid mutig und wagt den Schritt in die Tech-Branche! Ihr könnt mehr als ihr denkt und es gibt immer jemanden, der eure Situation teilt.

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