Interview mit Shayn Baron, Co-Founder und Community Director bei Crocagile

Women in Tech: „Die Tech-Branche ist eine Männerdomäne und das wirkt auf jede Frau einschüchternd“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Shayn Baron, Co-Founder und Community Director bei Crocagile.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Women in Tech: Shayn Baron, Co-founder und Community Director bei Crocagile

Shayn Baron ist Co-Founder und Community Director von Crocagile, einem SaaS-Startup, das agile Teams mit hochkollaborativen Arbeitsbereichen verbindet. Ihre Karriere widmete sie der Gründung von Crocagile und arbeitet täglich daran, immer die Erwartungen der Benutzer zu erfüllen. Außerdem ist sie Partnerin bei Goodfellaz.com und eine „Arbeite-von-zu-Hause-aus-im-Schlafanzug-Expertin“.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als ich 20 war, begann ich mich mit Photoshop zu beschäftigen. Ich war Model und hasste es, jedes Mal meinen Techie-Freund stören zu müssen, wenn eines meiner Fotos eine Größenänderung benötigte. Bevor ich mich versah, bearbeitete ich meine eigenen Fotos. Ich änderte ihre Größe, veränderte den Hintergrund, verbesserte meine Lippenfarbe und erstelle komplette Designer Comp Cards. Es war großartig und befreiend. Ich liebte das Gefühl, Software so nutzen zu können, dass meine Vorstellungen zum Leben erweckt werden. Als ich schließlich zur Schauspielerei überging, lernte ich, wie man mit iMovie Filme schneidet. Die meisten Schauspieler brauchen einen Techniker, um einen Film zu produzieren, aber ich nicht… Ich schneide meine Filme selbst.

Als Model/Schauspielerin war ich von Produkten, Unternehmern und interessanten Menschen umgeben und bekam einen Blick hinter die Kulissen. Ich lernte, Produkte zu vermarkten und zu promoten und wie wichtig Design ist. Das war eine gute Einführung und ein natürlicher Übergang für mich.

Meine Familie hat mich unglaublich unterstützt.

Meine Familie hat mich unglaublich unterstützt. Mein Mann ist mein Partner und Mentor. Zu Beginn seiner Karriere inspirierte ich ihn, ein Online-Portfolio für Models zu entwickeln. Es endete damit, dass er es an große Agenturen wie Ford verkaufte. Als er schließlich eine Softwarefirma gründete, half ich ihm beim Kundenmanagement, dem Testing, bei der Recherche, bei der Kundenakquise und bei allem, was er sonst noch so machte. Als das Unternehmen auf 25 Mitarbeiter heranwuchs, fiel es uns sehr schwer, eine gute Software zu finden, die die Anforderungen eines vollständig verteilten, agilen Teams erfüllen konnte. Das war die Geburtsstunde von Crocagile.

Ich war dabei, als unser Gründungsteam Croc von Grund auf aus einem ziemlich kleinen Proof of Concept erstellte. Wir ließen es dann unsere Kunden ausprobieren und warfen das ganze Konzept mehrmals – basierend auf deren Feedback – über den Haufen, bis wir schließlich den Punkt erreichten, an dem die Forschungs- und Entwicklungsarbeit endlich für den Markt bereit war. Am Ende haben wir ein allumfassendes Lean-Agile-System entwickelt, das sehr einfach zu bedienen ist und Spaß und Spannung für das gesamte Team bietet.

Welche Hindernisse gibt es?

Ein ehemaliger Kollege versuchte einmal das Team davon zu überzeugen, die Umsetzung meiner damals radikal neuen Marketingstrategie zu verhindern. Er argumentierte, dass ich keine Führungsqualitäten hätte, da ich keinen Universitätsabschluss habe. Er setzte sich dann dafür ein, mich unter unfairen Bedingungen an Bord zu holen. Es war ein anstrengender Kampf, aber ich trat für mich ein und erhielt am Ende gerechterweise die Position, die ich verdient habe. Heute nennen wir diese radikalen Ideen übrigens „Growth Hacking“. 🙂

Ein Tag in Shayns Leben

Ich finde es verrückt, dass wir unsere Kinder im Jahr 2018 nicht offensiv auf die technologieorientierte Zukunft vorbereiten.

Heute bin ich Co-Founder von Crocagile, einem SaaS-Unternehmen. Wir sind ein kleines Team, das von zu Hause aus arbeitet, daher trage ich viele Hüte. Wir verwenden Crocagile, um Crocagile zu bauen. Ich persönlich kümmere mich um unser Marketing und die Kundenerfolgsziele. Das gesamte Team arbeitet mit Kunden über Live Support Chat zusammen, damit wir sicher sein können, ihre Bedürfnisse richtig zu adressieren. Im Moment sind wir außerdem dabei, ein paar weitere Dinge unter Dach und Fach zu bringen, damit wir auf Product Hunt durchstarten können.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der IT?

Ich denke, ein Grund ist, dass Technologiekurse wie Informatik und Softwaredesign nicht zum Kernlehrplan gehören – damit fängt es schon einmal an. Ich finde es verrückt, dass wir unsere Kinder im Jahr 2018 nicht offensiv auf die technologieorientierte Zukunft vorbereiten. Es ist auch frustrierend, dass Möglichkeiten, in der Tech-Branche Fuß zu fassen, immer noch überwiegend an Männer adressiert sind. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber es ist ermutigend, Gruppen wie „Girls Who Code“ zu sehen. Sie sind eine Inspiration und wir bräuchten mehr solcher Initiativen. Die Technologiebranche ist eine Würstchenparty und das wirkt auf jede Frau einschüchternd. Besonders, wenn man von dem Missbrauch liest oder hört, der sich dort abspielt.

Seit der #meToo-Bewegung ist die Diversität eine offene Diskussion, in der die Menschen mittlerweile sensibler reagieren und sich ihrer selbst immer sicherer geworden sind. Die Diskussion hat sich über die Grenzen der Branche hinaus ausgebreitet und Frauen ermutigt, ihre Stimme zu erheben. Ich denke, dass dies eine sehr starke Entwicklung ist, die mittlerweile sogar zu Veränderungen darin führt, wie Unternehmen agieren und neue Mitarbeiter umwerben. Die Diskussion wird mehr Menschen dazu inspirieren, in Sachen Diversität Brücken zu schlagen. Dr. Dei-Fei Li (AI4All) und Van Jones (#yeswecode) sind solche Personen, die dies aktiv versuchen. Wenn wir gezielt Frauen und Minderheiten ansprechen und Technologie bereits in der Schule auf einem grundlegenden Level unterrichten, werden wir die Tech-Landschaft definitiv verändern. Wie lange das dauert, darüber kann man nur Vermutungen anstellen.

Frauen in MINT-Berufen

Wenn du vorankommen willst, mach Dich bemerkbar und sei hartnäckig.

Mehr Frauen in MINT-Berufen würden ein besseres Gleichgewicht schaffen und es könnten so mehr Arbeitsplätze besetzt werden. Frauen haben auch eine emotionale und fördernde Art, die Dinge zu betrachten. Unsere Leidenschaft für unsere Karriere, unsere Kreativität und unser natürliches Einfühlungsvermögen werden dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Mehr Frauen bedeuten eine fürsorglichere, engagiertere und empathischere Gesellschaft.

Tipps und Tricks

Einige Leute lehnen Dich ab oder behandeln dich unfair. Lass das nicht zu. Stehe für Dich ein. Erhebe Deine Stimme. Gute Talente sind heutzutage sehr gefragt, also hab keine Angst, da rauszugehen und etwas Neues auszuprobieren.

Wenn du vorankommen willst, mach Dich bemerkbar und sei hartnäckig. Du brauchst ein dickes Fell. Mach Dir bewusst, dass Du auf chauvinistisches Verhalten stoßen könntest. Wenn das passiert, dann stehe für Dich selbst ein. Wenn sich nichts ändert, dann mache es öffentlich. Wenn das nicht funktioniert, dann suche Dir einen Ort, an dem man Dich zu schätzen weiß und der dich gerecht behandelt.

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