Heute im Interview: Tammy Fox, Director of Technical Documentation bei CloudBees

Women in Tech: „Selbstbewusstsein genießt in der Tech-Branche einen hohen Stellenwert“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Tammy Fox, Director of Technical Documentation bei CloudBees.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Tammy Fox


Tammy Fox ist Director of Technical Documentation bei CloudBees.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich habe mich schon früh für Technologie interessiert. In der Grundschule habe ich mir eine Videospielkonsole gewünscht. Meine Eltern haben mir dann einen TI99/4A geschenkt. Damit konnte ich nicht nur Spiele spielen, das mitgelieferte Keyboard brachte in den Augen meiner Eltern auch einen gewissen Lerneffekt mit sich. Unser damaliger Nachbar war ein pensionierter Telefontechniker. Er schenkte mir einen Stapel Zeitschriften über BASIC-Programme. Zusammen mit meinem TI99/4A habe ich anhand dieser Zeitschriften BASIC gelernt – und mich in die Welt der Technologie verliebt.

Schließlich habe ich dann Informatik studiert und zunächst als Software-Entwicklerin für eine Beratungsfirma gearbeitet. Dann habe ich eine Weiterbildung als „Training Curriculum Developer“ absolviert. Ich wollte jedoch zurück in die Programmierung und habe mich deshalb bei Red Hat beworben. Dort waren sie von meiner Website begeistert, auf der ich eigene Linux-Tutorials veröffentlichte. Auch mein Hintergrund im Bereich Training Curriculum Development war für sie interessant. Deshalb boten sie mir eine Stelle als Technische Schreiberin an – anstatt der Position als Software Engineer, für die ich mich eigentlich beworben hatte. Meinem Mann jedoch, der exakt denselben beruflichen Werdegang vorweisen konnte, wurde Letzterer sehr wohl angeboten. Ich hatte deshalb überlegt, auf der Software-Engineer-Stelle zu beharren. Letztendlich habe ich mich aber dann dazu entschieden, die Position als Technische Schreiberin anzutreten und mich sowohl in diesem Bereich als auch in der Software-Entwicklung zu beweisen.

Der Plan ist aufgegangen. Nach einer Weile war ich Technische Leiterin der Produktdokumentationsgruppe, die Build-Skripte schrieb, Dokument-Quellen in XML konvertierte, lernte, wie man RPM-Pakete für die Dokumente erstellt und Patches an die DocBook XML-Pakete übermittelte. Ich habe auch eines der Konfigurations-Tools geschrieben und betreut, die mit dem Produkt ausgeliefert wurden (System-Logviewer).

„Wir müssen weiterhin bewusst in die Zukunft von Frauen in der Technologie investieren.“

Seither habe ich für viele verschiedene Unternehmen unterschiedlicher Größe und in diversen Rollen gearbeitet: als Programmiererin, Buchautorin, Dozentin, Customer Success Content Manager oder auch Dokumenten-Manager. Nun habe ich eine neue Herausforderung angenommen und bin Director of Technical Publications bei CloudBees und berichte dabei an den Chief Product Officer.

Eigentlich hatte ich nie vor, etwas anderes als Software-Entwicklung zu machen. Dennoch sind es meine Erfahrungen in so vielen verschiedenen Berufen, die mich für diese Position ganz besonders qualifizieren.

Ein Tag in Stefanies Leben

Ich bin Director of Technical Publications bei CloudBees und berichte an den Chief Product Officer. Mein typischer Arbeitstag besteht darin, mehrere Hüte aufzuhaben: Erstens darf ich eine talentierte Gruppe von Dokumentationsentwicklern in einem agilen Entwicklungsprozess führen. Zweitens bestimme ich Dokumentationsprioritäten basierend auf Produktänderungen und Kundenbedürfnissen – sowohl für kurz- als auch für langfristige Projekte. Und drittens beobachte ich als eine der Produktverantwortlichen den Entwicklungsprozess über die gesamte Produktorganisation hinweg mit Blick auf das Gesamtbild. Dabei arbeite ich mit den anderen Produktverantwortlichen zusammenzuarbeiten, um unseren Prozess kontinuierlich zu verbessern.

Vorbilder und Förderer

„Ich bin besonders stolz darauf, dass ich mich von niemandem habe einschüchtern lassen, obwohl ich mich als Frau in einer männerdominierten Arbeitswelt bewege.“

Als mir meine Eltern als Kind einen TI99/4A und meinen ersten echten Computer in der 6. Klasse gekauft haben, wollten sie, dass ich Ärztin werde. Es dauerte eine Weile, bis ich sie überzeugen konnte, dass die Informatik der richtige Weg für mich war. Aber jetzt sind sie stolz auf meine Berufswahl und das, was ich erreicht habe.

Ich bin besonders stolz darauf, dass ich mich von niemandem habe einschüchtern lassen, obwohl ich mich als Frau in einer männerdominierten Arbeitswelt bewege. Ich setze mich für meinen Standpunkt ein – im Privaten wie im Beruflichen. Oftmals gelingt es mir, Dinge signifikant zu verbessern, indem ich andere davon überzeugen kann, dass Wandel notwendig ist. Das ist sowohl auf einer tiefen technischen Ebene als auch auf einer höheren organisatorischen Ebene von Vorteil.

Hindernisse auf dem Weg

Ich hatte durchaus Vorgesetzte, die mich zwar gerne als Mitarbeiterin in einer Nebenrolle unterstützten, mir jedoch nicht die Sichtbarkeit einräumen wollten, damit ich mein volles Potenzial zeigen oder sogar eine Führungsrolle übernehmen konnte. Manchmal muss man innerhalb seiner Rolle so viel lernen wie möglich, ohne dass einen andere Personen davon abhalten, sich weiterzuentwickeln. Wenn ein anderes Unternehmen dir eine bessere Möglichkeit dazu bietet, dann sollte man diese ergreifen, um den nächsten Schritt zu erreichen.

Wenn man als Frau fast nur männliche Kollegen hat, kann es manchmal schwierig sein, Bande zu knüpfen. Mit männlichen wie weiblichen Mitarbeitern gleichermaßen befreundet zu sein, mag nicht einfach erscheinen, ist aber notwendig. Nur so erhält man das notwendige Vertrauen und den Respekt, um erfolgreich zu sein.

Warum gibt es so wenige Frauen in der Tech-Branche?

„Eine Branche, die nicht von besonders vielen Frauen geprägt ist, kann für einige einschüchternd sein.“

Eine Branche, die nicht von besonders vielen Frauen geprägt ist, mag für einige einschüchternd sein. Bereits an der Uni haben viel mehr Männer als Frauen Informatik studiert. In einem Artikel habe ich einmal gelesen, dass Frauen sich meist nur dann für einen Job bewerben, wenn sie davon überzeugt sind, dass sie für die Position ausreichend qualifiziert sind. Bei vielen Männern ist diese Hürde angeblich geringer; sie gehen eher davon aus, dass sie das nötige Know-how haben, um in dem Job erfolgreich zu sein.

Mein Wunsch ist es, dass Frauen sich auf jeden Job bewerben, den sie gern hätten. Selbst wenn es nicht gleich klappt, kann man aus den Erfahrungen lernen und sich selbst Ziele setzen, um beim nächsten Mal erfolgreich zu sein. Man darf keine Angst haben, auch einmal Rückschläge in Kauf zu nehmen. Wer es nicht versucht, kommt nie ans Ziel.

Die Zukunft im Blick

Im Großen und Ganzen hat sich schon vieles zum Positiven gewandelt seitdem ich in der Technologiebranche angefangen habe. Dennoch müssen wir weiterhin bewusst in die Zukunft von Frauen in der Technologie investieren.

Eine stärkere weibliche Vorbildfunktion in unserer Branche, sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene, wird junge Mädchen ermutigen, selbstbewusst zu sein und ihre Interessen an STEM zu verfolgen. Ich denke, es wird noch ein oder zwei Generationen von Frauen in der Technologie dauern, um das Ausmaß ihres Einflusses zu sehen.

Personen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen und Erfahrungen reagieren mit unterschiedlichen Lösungswegen auf ein Problem. „STEM“-Berufe brauchen diese Diversität um Wissenschaft und Technologie voranzubringen. Mädchen und junge Frauen wiederum brauchen starke weibliche Vorbilder auf verschiedenen Führungsebenen. Nur so können sie mit dem Bewusstsein aufwachsen, dass ihnen alle Türen offenstehen – unabhängig vom Geschlecht.

Lesen Sie auch: Women in Tech: „Insbesondere junge Frauen müssen sich oft zuerst beweisen, bevor sie ernst genommen werden.“

Tipps & Tricks

Selbstbewusstsein genießt in der Tech-Branche einen hohen Stellenwert. Man sollte so viel möglich über ein Thema recherchiert haben, um selbstbewusst aufzutreten und die eigene Lösung verteidigen zu können. Frauen müssen sich oftmals erst beweisen, damit Kollegen oder Vorgesetzte ihr volles Potenzial erkennen können. Wir dürfen auch keine Angst haben, Fragen zu stellen. Wer viele detaillierte Fragen stellt, um eine tieferes Verständnis zu erlangen, gewinnt den Respekt seiner Kollegen und Vorgesetzten. Außerdem hilft es, um mit Menschen in Kontakt zu treten, mit denen man sonst nicht ins Gespräch kommen würde.

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