Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Dr. Ximena Hartsock

Women in Tech: Eine Veränderung ist im Gange
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Dr. Ximena Hartsock, Mitbegründerin und Präsidentin von Phone2Action.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Dr. Ximena Hartsock

Dr. Ximena Hartsock ist Mitgründerin und Präsidentin von Phone2Action. Die Technologie des Unternehmens ermöglicht es Unternehmen und Bürgern, per E-Mail, Twitter und Facebook über ihre Mobiltelefone mit politischen Entscheidungsträgern in Kontakt zu treten.

Als Grundschulleiterin interessierte sie sich zum ersten Mal für Technik – sie erkannte, wie viel einfacher es ist, differenzierten Unterricht mithilfe von Technik zu fördern. Und dann, Ende 2012, als sie National Director of Advocacy für eine Bildungsorganisation war, erlebte sie selbst das Bedürfnis der Menschen, ihren Gesetzgeber zu kontaktieren. Das Problem war, dass sie nicht wussten, wie und wo sie anfangen sollten. Damals war Mobile Tech noch nicht in der Boomphase, die heute herrscht. Eines Tages fuhr Ximena nach San Francisco und ihr Navigationssystem schrie eine Richtungsanweisung. Da traf es sie: Warum nicht die GPS-Technologie nutzen, um die Menschen mit den Gesetzgebern über das Telefon zusammenzubringen? Das war der Moment, in dem Phone2Action geboren wurde.

„Manchmal muss man sich einfach durchboxen“

Als Kind hatte ich das Glück, Erfahrungen zu machen, die meine Neugier weckten. Mein Vater war ein begeisterter Leser. Seine Liebe zu Büchern brachte mich dazu, im Alter von drei Jahren mit dem Lesen zu beginnen und natürlich habe ich mich in diesem Zuge ebenfalls in Bücher verliebt. Während meiner gesamten Karriere habe ich immer ein Netzwerk aus Unterstützern gehabt. Manchmal heißt es, je höher die Position, desto einsamer wird es. Während meiner Arbeit in DC stieß ich auf einige politische Probleme, die ziemlich unangenehm waren, aber die Unterstützung und Liebe, die ich von meinen Freunden und Kollegen bekam, war viel größer als diese Probleme. Durch diese schwierige Zeit hindurchzugehen, hat mich gelehrt, dass es immer einen Silberstreif am Horizont gibt. Ich habe gelernt, dass man manchmal durch etwas durch muss, um zu bekommen, was man will. Und wenn man eine schwierige Herausforderung gemeistert hat, wird man stärker und demütiger.

Ein Tag in Ximenas Leben

Ich bin COO und Präsidentin meines Unternehmens Phone2Action. Phone2Action ist ein Software-as-a-Service-Unternehmen. Wir bauen Tools für die Befürwortung der digitalen Basis. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass jeder im Unternehmen das hat, was er braucht, um erfolgreich zu sein. Mehrere Teams berichten mir, sodass mein Tag eine Kombination aus Management und operativer Arbeit ist.

Gewöhnlich stehe ich gegen 5:30 Uhr auf und lese die Nachrichten des Tages auf meinem Telefon, checke E-Mails und Slack-Nachrichten. Montags, wenn ich nicht unterwegs bin, komme ich um 7 Uhr morgens im Büro an. Mein Tag ist eine Kombination aus Planung und Ausführung. Ich liebe auch die inneren Mechanismen von Operations, also bin ich sehr aktiv und ich arbeite eng mit unserem exzellenten Director of Operations zusammen. Im Moment konzentriere ich mich darauf, ein neues Performance-Management-System einzuführen und neue Talente zu rekrutieren. Aber auch die Zusammenarbeit mit dem Produktteam und den Ingenieuren macht mir Spaß. Wir haben ein erstaunliches Customer-Success-Team, und ich versuche jeden Tag mit ihnen am Support zu arbeiten. Ich will nie weit zu weg von unseren Kunden sein.

Alles, was ich in meiner Karriere erreicht habe, schaffte ich nur mit der Hilfe ehemaliger Chefs und Kollegen, die mich dabei unterstützt haben. Ich habe getan, was alle Immigranten tun, wenn sie in die USA kommen: Ich war Kellnerin, Barkeeperin und habe sogar Häuser gesäubert. Und durch all diese Jobs lernte ich Menschen kennen, von denen ich gelernt habe und mit denen ich jetzt eng befreundet bin. Ich liebe es, zu arbeiten. Manche Leute nennen mich Workaholic. Ich finde Arbeit eben therapeutisch und fühle mich viel glücklicher, wenn ich arbeite und etwas schaffe, als wenn ich versuche, eine Art Work-Life-Balance zu finden. Meiner Meinung nach gibt es übrigens keine „niedere“ Arbeit, nur Chancen.

Ohne Diversität schränken wir die Fähigkeit der Technik ein, die Bedürfnisse aller Menschen zu erfüllen

Während Männer Frauen in der Industrie zahlenmäßig sicherlich überholen, lassen Sie uns nicht die Tausenden Frauen vergessen, die sich in den MINT-Hochschulprogrammen einschreiben. Ich finde, dass die Tech-Industrie dazu neigt, Frauen auf der Strecke zu lassen. Für einige Ingenieurinnen kann es schwierig sein, die einzige Frau in einem Stipendien- oder Praktikantenprogramm zu sein. Diese Erfahrungen können so niederschmetternd sein, dass manche Frauen lieber in anderen Bereichen arbeiten würden.

Die Arbeitgeber können dieses Problem lösen, aber wir müssen pragmatischer darüber sprechen. Wir müssen MINT-Rollenvorbilder für junge Mädchen deutlich hervorheben, damit sie ihnen folgen können. Wir müssen Benchmarks schaffen, um Kinder, insbesondere kleine Mädchen, in der Grundschule mit MINT vertraut zu machen, damit sie ihr Wissen vertiefen und sich besser damit vertraut machen können.

Untersuchungen zeigen, dass Frauen am Arbeitsplatz in der Regel stärker zusammenarbeiten.

Generell brauchen wir mehr Vielfalt. Ohne Vielfalt schränken wir die Fähigkeit der Technik ein, die Bedürfnisse aller Menschen zu erfüllen. Es ist wichtig, dass die Industrie eine Vielzahl von Beauftragten einstellt und im Input-Prozess einsetzt, damit der Output für alle Beteiligten besser ist. Im Moment haben wir sehr wichtige soziale Probleme, die Frauen betreffen und deshalb brauchen wir mehr Frauen, die Lösungen für diese Probleme finden, mit denen Frauen konfrontiert sind.

Die Forschung zeigt, dass Frauen am Arbeitsplatz in der Regel stärker kooperativ arbeiten und stärker auf Teamfähigkeit ausgerichtet sind. Es gibt auch Untersuchungen, die darauf hindeuten, dass Unternehmen, in denen Frauen 50 Prozent oder mehr der Arbeitskräfte ausmachen, produktiver und profitabler sind.

Gegenwärtig werden Unternehmen stärker für die verschiedenen Einstellungspraktiken und die Behandlung von Frauen zur Rechenschaft gezogen. Der Brief einer ehemaligen Mitarbeiterin, die ihre Erfahrungen bei Uber schildert, löste allgemeine Besorgnis aus und drängte das Management von Uber dazu, deren Geschäftspraktiken zu hinterfragen. Vor fünf Jahren hätte die Reaktion meines Erachtens anders ausgesehen. In Bezug auf mehr Leute verschiedener Hautfarben innerhalb der Branche, sehe ich bereits einige Resultate. Es werden stärkere konzertierte Engagements erforderlich sein, um die Vielfalt in die Branche zu bringen, aber ich sehe konkrete und pragmatische Anstrengungen zur Reform der Art und Weise, wie unsere Schulen Tech für Kinder einführen. Die High-School-Initiative von Laurene Powell Jobs ist ein Beispiel für eine öffentlich-private Partnerschaft, die unsere Schulen verbessern kann.

Tipps & Tricks

  1. Es ist nie zu spät, damit anzufangen, egal aus welcher Richtung Sie kommen.
  2. Denken Sie daran: Technik bedeutet mehr als nur Programmieren. Cybersicherheit und Vernetzung sind immer gefragt.
  3. Wir brauchen mehr Frauen im Risikokapitalbereich. Eine unserer Investoren ist zum Beispiel eine Frau, die früher für das FBI gearbeitet hat. Sie ist fantastisch! Ihre Ratschläge sind kreativ und anders als alles, was von anderen kommt. Ich denke, ihr ungewöhnlicher Hintergrund gibt ihr eine interessantere Perspektive.
  4. Sie können ein Tech-Unternehmer sein! Ein Tech-Gründer zu sein, ist nicht so anders als irgendein anderes Geschäft zu leiten. Vertrauen Sie auf Ihren Mut! Sie wissen mehr, als Sie glauben.
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