Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Angela Landrigan

Women in Tech: „Falsch vermittelte Berufsbilder könnten am Mangel von Frauen in der Tech-Branche schuld sein“
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Dr. Angela Landrigan, Director of Products bei Cytobank.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Angela Landrigan

Angela ist begeistert von der Entwicklung von Analysewerkzeugen für die Onkologie, speziell für die Immunologie. Sie hat ein Ziel: die Forschung auf diesem Gebiet schneller voranzubringen. Besonders gerne unterstützt sie Teams bei der Entwicklung von einfach zu verwendenden Tools, die skalierbare und high-level Ansichten miteinander verknüpfen. Bevor sie begann, für Cytobank zu arbeiten, war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der National Science Foundation.

An der Stanfort-Universität studierte sie schließlich und machte mithilfe eines NIH-U19-Stipendiums ihren Doktor; ihre Mentoren waren Dr. Paul J. Utz und Dr. Ronald Levy. Höhepunkt ihres Studiums war ihre Entdeckung eines neuen Weges, um T-Zellen zu aktivieren. Außerdem beschrieb sie die Reaktion von krebsartigen T-Zellen auf eine Immuntherapie. Im Grundstudium in Harvard lag ihr Schwerpunkt auf funktioneller RNA, damals noch im Labor von David Liu.

Was hat deine Neugier für die Technologie geweckt?

Mein Fokus im Promotionsstudium mit dem Schwerpunkt auf Immunologie in Stanford lag bei T-Zellen-Signalen und Lymphomen. Stanford bietet sehr kollaborative und interdisziplinäre Arbeitsbedingungen, Labore werden oft mit Leuten aus verschiedenen Fachbereichen besetzt.

In Stanford habe ich vor etwas mehr als sieben Jahren die Gründer von Cytobank kennengelernt, die eine Brücke zwischen Immunologie und Informatik geschlagen haben. Sie waren damals gerade dabei, die Cytobank-Plattform auszubauen, um die hochdimensionale Zelldatenanalyse zu unterstützen. Ich fing an, sie in Teilzeit zu beraten, während ich meine Studien in Stanford abschloss. Eigentlich wollte ich meine akademische Laufbahn weiter verfolgen. Aber die Arbeit bei Cytobank gefiel mir so gut, dass ich stattdessen dort in Vollzeit anfing.

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Als ich dort anfing (nachdem ich vorher als Laborwissenschaftlerin tätig war), waren meine ersten Aufgaben, Kunden zu betreuen und die Qualität von in der Entwicklung befindlichen Features sicherzustellen. Es war interessant, mit Immunologen und anderen Wissenschaftlern aus aller Welt zusammenzuarbeiten, die an einem breiten Spektrum von Forschungsthemen arbeiteten. Ich mochte es, Wege zu finden, wie ich die Forschung weltweit unterstützen und verbessern konnte. Mit der Zeit habe ich viel von den Entwicklern, dem Operations-Team und anderen Kollegen gelernt. Das Mentoring war gut und jetzt leite ich das Produktteam von Cytobank.

Schon als ich klein war, habe ich mich für Wissenschaft und Medizin interessiert, ganz einfach dafür, wie die Welt funktioniert. Mein Vater half mir immer mit Experimenten für Wissenschaftsausstellungen und einfach für den Spaß daheim. Zum Beispiel half er mir dabei, die Grenze zwischen Stäbchen und Zapfen im menschlichen Auge darzustellen, das Hermann-Illusionsraster abzubilden oder prächtige Farben durch das Mischen von haushaltsüblichen Säuren und Basen zu erschaffen.

Erste Erfahrungen in der Tech-Welt

In den 1990er Jahren wurde ich plötzlich krank, konnte nicht mehr zur Schule gehen und musste ein ganzes Jahr das Bett hüten. Meine Familie lernte einen Angestellten von BBN Technologies kennen, der gerade ein experimentelles Programm durchführte, um Schulkinder via Multi-User Simulated Environments (MUSEs) zu unterstützen, in die sich Kinder aus aller Welt via telnet einloggen und miteinander kommunizieren können. MUSEs sind so strukturiert, dass Anwender mithilfe einer Programmiersprache (in diesem Fall eine Variante von C), selbst virtuelle Umgebungen erstellen und Roboter programmieren können. Da ich das Haus nicht verlassen konnte, wurde dies ein wichtiger Bestandteil meines Lebens und half mir, mich trotz meiner Lage weiterzuentwickeln und zu lernen.

Als ich das erste Mal von CD4- und CD8-T-Zellen hörte, war ich sofort fasziniert davon, dass es ein ganzes System aus Zellen gab, die so viel Macht über die menschliche Gesundheit haben.

Ich traf Menschen von überall auf der Welt, lernte neue Sprachen und programmierte mithilfe des C-Derivates multilinguale sowie automatisierte virtuelle Roboter. Ich war so fasziniert von den Möglichkeiten, dass ich irgendwann das Programmieren in C und das Aufsetzen von Servern lernte. Ich klonte und modifizierte sogar den tatsächlichen C-Code für eine MUSE-Umgebung, die auf dem Server lief. Das war mein Einstieg ins Programmieren und die Welt des Programmierens und der Server.

Nach etwa einem Jahr fanden wir eine Ärztin, die mir einen interessanten Einblick in mein Immunsystem gab. Als ich das erste Mal von CD4- und CD8-T-Zellen hörte, war ich sofort fasziniert von der Idee, dass es da ein ganzes System aus Zellen gab, die so viel Macht über die menschliche Gesundheit haben. Plötzlich wuchs in mir die Begeisterung für Immunologie und Programmieren. Es dauerte mehrere Jahre, bis ich wieder vollkommen gesund wurde. Aber durch den Kampf in dieser anstrengenden Zeit habe ich heute so viel Ausdauer.

Während meiner Zeit an der High School fing ich an, Programmierworkshops an der University of Massachusetts zu geben und bei einem Pharmazieunternehmen zu forschen. Auf dem College habe ich Biochemie studiert und in einem Labor für organische Chemie in Harvard gearbeitet (organische Chemie hat mir geholfen, Biologie wirklich zu verstehen). Letztlich bin ich in der Graduate School in Stanford in meinem Lieblingsfach gelandet, der Immunologie.

Ein starkes Netzwerk

Es macht mich glücklich, dass ich in meinem Leben so viele Menschen getroffen habe, die mir geholfen haben, zu wachsen. Mein Vater hat den Grundstein dafür gelegt. Er hat mir immer gezeigt, dass ich etwas schaffen kann, wenn ich es schaffen will. Er hat mir sehr dabei geholfen, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen, um meine Ziele zu erreichen. Mein Vater hat mir beigebracht, wie ich Ziele setze, Pläne mache und mich mit anderen verbinde. So konnte ich ein starkes Netzwerk aufbauen und glücklicherweise habe ich über die Jahre viele Kollegen gefunden, die offen für Zusammenarbeit und Kommunikation waren, die beiden wichtigsten Zutaten für eine Karriere, persönliche Entwicklung und einen Beitrag zur Forschung.

Über die vielen Jahre meine Ausbildung hatte ich viele Mentoren in Sachen Forschung und im geschäftlichen Bereich, die mir dabei geholfen haben, meine Fähigkeiten in diesen Feldern zu erweitern. Sie haben mir viele fantastische Möglichkeiten eröffnet, mich weiterzuentwickeln und zu Dingen beizutragen. Besonders dankbar bin ich für das Mentoring durch den Cytobank-Berater Bill Ihrie, der mir beigebracht hat, wie ich mit anderen gemeinsam Visionen entwickeln und ein Team motivieren sowie mobilisieren kann, durch Grace Thorne, die mir die erste Möglichkeit zu Forschen gab, und natürlich durch David Liu, PJ Utz und Ron Levy, die mir die Chance eröffnet haben, mein wissenschaftliches Denken zu schulen und Beiträge in meinem Feld der Wissenschaft zu veröffentlichen. Während meiner Zeit als Doktorandin habe ich dies weitergegeben und war während ihrer ersten Forschungsarbeit Mentorin für eine junge Frau. Jetzt blüht sie in ihrem Medizinstudium richtig auf.

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Davon, dass Frauen sogar heute noch manchmal benachteiligt sind, habe ich bis zum Ende meiner Zeit an der High-School beinahe nichts mitbekommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Credo „Du kannst alles schaffen, was du möchtest“ bereits viel zu sehr verinnerlicht, um mich davon hemmen zu lassen. Ich bin natürlich dankbar, dass ich in meinem Leben so viele Menschen kennengelernt habe, die die Wissenschaft und die Medizin vorantreiben und die nächste Generation fähiger Geister unterstützen wollen – unabhängig davon, wer dies auch sein mag.

Ein Tag in Angelas Leben

Ich bin Direktorin der Produktabteilung bei Cytobank, Inc. Dort kommuniziere ich mit einer Reihe von Stakeholdern und schaffe mit ihnen zusammen eine gemeinsame Vision rund um unsere Produkte. Im Anschluss gebe ich diese Vision an unsere Entwicklungsabteilung, Qualitätskontrolle und die System-Operation-Teams weiter, damit sie die Idee umzusetzen. Ich agiere im hochrangigen Bereich strategischer Diskussionen, der Langzeitplanung und zudem auf granularer Ebene des Wireframings und des Erstellens funktionaler Anforderungen.

Ich arbeite regelmäßig mit der Produktentwicklung, dem Marketing, Kunden, strategischen Partnern und aus den Bereichen der Kommerzialisierung sowie der Feldforschung zusammen. Meine Position erfordert viel Kommunikation und Organisation. Immer wieder muss ich kreative und effiziente Lösungen finden sowie eine Menge technisches Know-How anhäufen, das dann anzuwenden ist. Eine Sache, die mir an meinem Job besonders viel Freude bereitet, ist die Tatsache, dass ich ständig Neues lerne. Vom effektiven Mobilisieren eines Teams bis zu der technischen Funktionsweise von AWS-Umgebungen –ständig kann ich meinen Erfahrungsschatz erweitern.

Ich liebe es, Wissenschaftlern und Klinikmitarbeitern auf der ganzen Welt bei der Lösung großer Probleme in Forschung und Medizin zu helfen.

Ich liebe es, Wissenschaftlern und Klinikmitarbeitern auf der ganzen Welt bei der Lösung großer Probleme in Forschung und Medizin zu helfen. Unsere Produkt-Roadmap richtet sich essentiell nach den Bedürfnissen unserer Kunden, und es ist inspirierend zu sehen, wie wir die Grenzen der Forschung in Instituten weltweit immer weiter verschieben können. Mir gefällt die Herausforderung, an einer Plattform zu arbeiten, um ihnen bei der schnellstmöglichen Nutzung der wertvollen Datensätze behilflich zu sein. Wir befinden uns an der Schwelle zu einer Ära des Maschinellen Lernens, in der wir großartige Einblicke in die Mechanismen von Krankheiten ebenso erhalten, wie in Behandlungssicherheit und Wirksamkeitsprofile. Immunonkologie ist dabei für mich besonders interessant und ich freue mich auf besseres Verständnis und die Verfeinerungen von Therapien genauso, wie auf die Fähigkeit, verschiedenste Krankheitsbilder vorhersagen und ungünstige Behandlungsverläufe verhindern zu können. Ich hoffe, dass solche Ansätze zum Maschinellen Lernen, wie wir sie bei Cytobank verfolgen, dazu einen Beitrag leisten können.

Ich bin überdies sehr stolz darauf, dass ich meine Töchter so eng in meinen Berufsalltag involvieren kann, dass es schon zu einer richtigen Familienaktivität geworden ist. Die beiden haben bereits in jungen Jahren ein Interesse an der Immunologie entwickelt, was mich dazu inspiriert hat, ein illustriertes Kinderbuch zu diesem Thema zu schreiben. Meine Töchter können nun all ihre liebsten Immunzellen aufzählen und was genau sie machen. Meine 6-Jährige hat vor einiger Zeit ein Video aufgenommen, in dem sie zeigt, wie einfach es ist, Machine Learning Tools in Cytobank auf einen Knochenmarkdatensatz anzuwenden. Es ist einfach toll zu sehen, dass meine Mädchen sich bereits in so jungen Jahren selbstbewusst wissenschaftlich betätigen.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Manchmal höre ich, dass Mädchen zu oft ein falsches Bild von ihren Fähigkeiten und ihrem Potential vermittelt bekommen und ich hoffe, dass dem bald ein Ende gesetzt wird. Zumindest an der Schule meiner Tochter wird viel dafür getan. Kinder sollen verstehen, dass sie – wenn sie hart arbeiten – alle Ziele erreichen können, die sie sich setzen. So gibt es zum Beispiel für alle Schülerinnen und Schüler eine „Hour of Code“.

Ich könnte mir vorstellen, dass es wegen des falsch vermittelten Berufsbildes einen Mangel an Frauen in der Tech-Branche gibt.

Ich könnte mir vorstellen, dass es wegen des falsch vermittelten Berufsbildes einen Mangel an Frauen in der Tech-Branche gibt. Viele denken wohl eher an „hinter dem Bildschirm sitzen“, statt an „mit vielen interessanten Menschen zusammenkommen und zusammenarbeiten, um Krebs zu heilen und Patienten zu helfen“. Vielleicht könnte da schon eine bessere Darstellung des Berufes helfen.

Wann immer ein Bereich für eine bestimmte Gruppe Menschen zugängig wird, kann diese Gruppe auch ihr eigenes, frisches Denken einbringen. Es ergeben sich mehr Karrieremöglichkeiten und so kann auch das Empowerment innerhalb dieser Gruppe verbessert werden. Noch immer gibt es Kulturen, in denen Frauen unterdrückt werden, wo es ihnen an Freiheit und Gleichheit im alltäglichen Leben fehlt. Wenn wir das in Kontrast setzen zu Regionen, wo Frauen gleichberechtigt sind und aufblühen können, werden Unterschiede deutlich. So zum Beispiel in der Forschung, bei der persönlichen Zufriedenheit und im respektvollen Umgang miteinander.

Hindernisse

Mentalität, Kommunikation sowie das Zusammenspiel der beiden – Arbeiten Sie darauf hin, einen Zustand zu erreichen, in dem Sie sich ihrer Fähigkeiten was das Setzen von Zielen und einer Struktur angeht, sicher sind. Sie sollten unbedingt dazu imstande sein, proaktiv und im vollsten Besitz ihrer emotionsregulierenden Fähigkeiten kommunizieren zu können.

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Der Wunsch, ausreichend Zeit zu haben, um eine Familie zu gründen – Ich denke, dass in Zeiten, wo die Tech-Branche immer mehr Cloud-basierter wird, Flexibilität und Fernarbeitsmöglichkeiten wachsen werden. Das ist besonders für Frauen interessant, die sich gegen eine Karriere im Technologiebereich entschieden haben, um Zeit für ihre Kinder zu haben. Wir befinden uns in einer Zeit, in der Cloud-Tools die nahtlose Verschmelzung von Kommunikation, tatsächlichem Arbeiten und Transparenz beim Erreichen von Zielen erlauben.

Tipps & Tricks

Ich würde immer raten, sich ein Ziel zu setzen, einen Plan zu erarbeiten, zu überlegen, welche Ressourcen notwendig sind, um den Plan umzusetzen und zu kommunizieren! Suchen Sie sich kommunikative, freundliche und aufbauende Mentorinnen oder Mentoren, die Ihnen helfen können, Ihren Plan zu strukturieren und genau die Fähigkeiten zu entwickeln, die sie auf Ihrem Weg brauchen.

Es gibt viele verschiedene Rollen in der Tech-Branche, die zu einer ganzen Reihe von Persönlichkeiten passen.

Es gibt viele verschiedene Rollen in der Tech-Branche, die zu einer ganzen Reihe von Persönlichkeiten passen. Machen Sie sich also keine Sorgen, welchen Persönlichkeitstyp es braucht, um erfolgreich zu sein. Zusätzlich bieten mehr und mehr Unternehmen flexible Arbeitszeiten und Tools für die Heimarbeit an, um den Bedürfnissen ihrer Mitarbeiter entgegenzukommen.

Zu guter Letzt: Obwohl ich nie gedacht hätte, dass ich mal bei einem Start-Up arbeite, kann ich es jetzt von ganzem Herzen empfehlen. Denn so bietet sich die Möglichkeit, mit wenig Bürokratie und einfacher Kommunikation in vielen verschiedenen Bereichen Neues zu lernen. Das kann eine intensive Erfahrung sein, passt aber hervorragend zu Menschen, die es genießen, zu lernen und zu wachsen.

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