Frauen in der Tech-Branche im Portrait: Monica Beckwith

Women in Tech: Mehr Heldinnen des Alltags
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In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir ebenso spannende wie inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Monica Beckwith, Java/JVM Performance Consultant und JavaOne Rock Star.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Monica Beckwith

Monica Beckwith ist eine unabhängige Performance Consultant und Trainerin für die Optimierung von Kundenapplikationen und Systemen, die auf der JVM laufen. Sie hat mit der Java HotSpot VM gearbeitet, um den JIT Compiler, Codegenerierung, die JVM-Heuristiken sowie Garbage Collections und Collectors zu verbessern. Monica spricht regelmäßig auf verschiedenen Konferenzen und hat mehrere Artikel zu Themen wie Garbage Collection oder Java Memory Model veröffentlicht. Monica hat Oracles Performance-Team für den Garbage First Collector geleitet und ist zum JavaOne Rock Star ernannt worden. Außerdem hat sie auch Teile des Buchs „Java Performance Companion“ verfasst.

Was hat dich für die Technik begeistert?

Ich denke, es muss das erste Mal gewesen sein, als ich einen Zug oder vielleicht auch ein Auto gesehen habe oder damit gefahren bin. Ich war fasziniert von Rädern, Geschwindigkeit, Bewegung… Ich war auch davon fasziniert, dass man die Zeit bis zum Ziel anhand der Geschwindigkeit berechnen kann. Ich denke, ich habe Mathe schon immer geliebt. Als ich älter wurde, habe ich mich in numerische Methoden, Computerprogrammierung und Logikschaltungen verliebt, also gab es kein Zurück mehr.

Ich habe einen Master in Elektrotechnik und Informatik. Mein Vater war Ingenieur und mein Bruder ist auch Ingenieur. Wie ich schon sagte, ich bin ein großer Fan von Mathe. Mein zweites Lieblingsfach ist Physik. Für meinen Vater schien Ingenieurwesen also eine gute Wahl für mich zu sein. Aber leider ist er, als ich in der 10. Klasse war, gestorben. Ich denke, dass mein Bruder es danach übernommen hat, mich in meine berufliche Laufbahn zu lenken. In diesem jungen Alter ist vor allem der Gruppenzwang das größte Hindernis gewesen. Erschwerend ist hinzugekommen, dass sich meine und die Wege der meisten meiner Freundinnen trennten.

Mein Vater war wahrscheinlich mein Vorbild. Eine Sache, an die ich mich erinnere, ist, dass er ein Genie vor allem beim Lösen von Matheprobleme gewesen ist. Er hat mich immer dazu ermutigt, mein Bestes zu geben. Dasselbe gilt auch für meinen Bruder… und bei ihm ging es auch um Konkurrenz.

Manchmal schreiben einige meiner Kollegen meinen Erfolg während der Ausbildung bloßem Glück zu. Allerdings bleibt dabei meine ganze Ausdauer und harte Arbeit unberücksichtigt. Es hat auch einige Lehrer gegeben, die dachten, ich sei im falschen Fach gelandet.

Ein Tag in Monicas Leben

Ich bin eine unabhängige Beraterin, die sich mit der Lösung von Performance-Problemen für Managed Runtime Systems beschäftigt. Diese Probleme können auf die Reaktionsfähigkeit von Anwendungen aufgrund des Anwendungsökosystems oder auf Probleme mit der Heap-Verwaltung oder nicht optimierte Codepfade usw. zurückzuführen sein. Daher verbringe ich im Grunde viel Zeit damit, Logs zu durchsuchen, nach Mustern zu suchen, schnelle Skripte zu schreiben oder Werkzeuge zu verwenden, die mir dabei helfen, Performance-Problemen auf den Grund zu gehen.

Ich bin schon immer ein Workaholic gewesen. Mein typischer Arbeitstag beginnt also mit dem Lesen und Beantworten von E-Mails auf meinem Handy. Danach setze ich mich mit meiner zweiten Tasse Kaffee an meinen Schreibtisch und fange an, Daten zu überprüfen und Experimentierpläne auszuarbeiten. Wenn ich Zugriff auf den Code habe, nehme ich mir Brennpunkte vor. Ich bin eine sehr praktisch veranlagte Person und ich vertiefe mich gerne in das Problem und bleibe dabei, bis ich die Antwort oder einen Lösungsansatz habe.

Ich bin stolz darauf, eine leistungsorientierte Person zu sein, die ihr Hardware-Know-how einbringen kann, um Verbesserungen während der Laufzeit zu erreichen. Ich bin stolz auf meine verschiedenen Beiträge zur HotSpot Virtual Machine – ein paar JITTed Codeoptimierungen, Performance-Analyse-Arbeiten, die zu einem Allokator, der Speicherarchitekturen berücksichtigt, und zur Reduzierung der Objekt-Header-Größe geführt haben. In letzter Zeit allerdings bin ich stolz auf all die Performance-Arbeit, die ich im Zusammenhang mit G1 GC geleistet habe.

PS: Ich kichere jedes Mal, wenn ich jemanden höre, der Initiating Heap Occupancy Percent als IHOP bezeichnet, weil es eine von mir erfundene Abkürzung ist und die Leute es inzwischen als offiziellen Begriff benutzen. Und ich bin stolz auf die verschiedenen Vorträge, die ich gehalten habe und die es den Menschen ermöglicht haben, selbstständig zu experimentieren. Beispielsweise sehe ich viele Leute, die jetzt G1 GC erforschen und Zeit darin investieren, (mixed) Collections zu beherrschen. Sie nutzen eine oder mehrere Optionen, die ich ihnen durch meine Forschung, Artikel und Vorträge erklärt habe.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Technikbranche?

Ich denke, Vorbilder und Kollegen sind wichtig. Für mich hat es funktioniert, da ich starke Unterstützung von meiner Familie und jetzt von meinem Mann und meinen Kindern habe. Es ist nicht nur anfangs schwierig, sondern es ist für eine Frau viel öfter ein Kampf als für ihre männlichen Kollegen, in der Technologiebranche zu bestehen. Ich erinnere mich an viele Momente, in denen ich ans Aufgeben dachte und an einem Punkt habe ich tatsächlich aufgegeben. Aber ich habe immer die Unterstützung meines Ehemanns und einiger starker Männer gehabt, die meine Arbeit schätzen und wollen, dass ich meine Beiträge auf dem Gebiet der Java-Perfomance weiterhin leiste.

Ich habe schnell gemerkt: Frauen müssen einfach mehr von uns Techie-Ladies sehen.

Nicht jeder hat die Mittel oder Unterstützung von seiner Familie. Wenn ich auf Konferenzen unterwegs bin und moderiere, treffe ich verschiedene Frauen, die mir sagen, dass sie meinen Vortrag genossen haben und die Tatsache gut finden, dass ich auf der Bühne mit verschiedenen männlichen Moderatoren oder als einzige Moderatorin aufgetreten bin. Das berührt mich und ich merke schnell, dass Frauen einfach mehr von uns Techie-Ladies sehen müssen.

Hürden

An verschiedenen Punkten in unserer Karriere stehen wir unterschiedlichen Problemen gegenüber. Ich erinnere mich, dass ich die Jüngste in einem mit Architekten gefüllten Meeting-Raum war. Ich war auch die einzige Frau und eine Person zwei Sitze weiter platze heraus: „Das muss für dich langweilig sein, ich sehe, dass du schon mit deinem Handy spielst.“ Das ist mir im Gedächtnis geblieben.

Ich war schon immer eine Person, die sich Notizen macht und ich hatte damals keine Lust, meinen Laptop aus dem Rucksack zu ziehen, also machte ich mir Notizen auf meinem Handy. Es war nicht gerechtfertigt, mich so zu beleidigen. Bei Meetings ist es oft vorgekommen, dass ich daran gehindert wurde, etwas zu sagen, oder dass meine Arbeitsergebnisse nicht mir zugeschrieben wurden. Als ich älter wurde, schien es mir, als würden meine Vorschläge immer gelobt, aber nicht bereitwillig angenommen. Oder die Leute nutzen meine Forschung und Arbeit, ohne richtig auf mich zu verweisen. Das tut mir wirklich weh.

Ich habe sogar gehört, „zu jung“ für eine bestimmte Stelle zu sein.

Es gibt noch einen weiteren Aspekt, der während der Jobsuche auftaucht. Ich habe mich immer gut in telefonischen oder Onlineprüfungen geschlagen. Aber immer wenn es zu Treffen von Angesicht zu Angesicht kam, habe entweder ich oder sie einen Rückzieher gemacht. Ich habe mich immer zurückgezogen, wenn ich die männlichen Interviewer gesehen habe, wie sie mit ihrem schlechten Verständnis des Themas vor mir herumstolziert sind und keine Korrektur oder Diskussion zugelassen haben. In der Vergangenheit habe ich sogar gehört, „zu jung“ – „nicht unerfahren, aber zu jung“ – für eine bestimmte Stelle zu sein.

Die Diskussion um Vielfalt gewinnt an Dynamik. Wie lange dauert es, bis die Ergebnisse der aktuellen Debatte vorliegen?

Ich kann nur immer wieder sagen, dass alle da rausgehen und mit Mädchen und Frauen sprechen müssen. Wir müssen uns ihre Befürchtungen anhören und unsere Geschichten erzählen. Manchmal, wenn Frauen zu mir kommen und mir dafür danken, „da zu sein“ und „mit so viel Leidenschaft Technik zu übernehmen“ und „inmitten von Männern zu stehen“, habe ich das Gefühl, einen Stein angestoßen zu haben… wie weit der Stein rollt, wird sich mit der Zeit zeigen. Ich war schon immer ehrlich, was technische Berufe angeht, und ich möchte Frauen und Mädchen sagen, dass die Industrie sie braucht. Ja, der Weg ist nicht einfach, aber nur, weil es nicht viele von uns gibt und wir deshalb alle unseren Teil dazu beitragen müssen. Zusammen können wir es schaffen.

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