Interview mit Timo Derstappen

"Die Container-Welt wurde aufgerüttelt": Kommentar zur Docker-Alternative Rocket
Kommentare

Docker erhält Konkurrenz aus den eigenen Reihen. Docker-Contributor CoreOS hat seine Docker-Alternative Rocket ins Rennen geschickt – und in der Begründung eine saftige Kritik an den Plänen vorgenommen, Docker zu einer Plattform auszubauen. Was ist dran an den Vorwürfen, und wie ist der Docker-Konkurrent Rocket einzuschätzen? Timo Derstappen, Mitgründer von Giant Swarm und Autor des Entwickler Specials Docker, kommentiert.  

Was ist dran an den Vorwürfen, und wie ist der Docker-Konkurrent Rocket einzuschätzen? Timo Derstappen, Mitgründer von Giant Swarm und Autor des Entwickler Specials Docker, kommentiert.

Timo, als Experte für CoreOS, was hältst du von CoreOS’s Schritt, mit Rocket eine eigene Container Runtime zu releasen?

Timo Derstappen: Ich finde den Schritt nicht wirklich überraschend. Docker hat sich nicht wirklich gut in CoreOS integriert. Die Probleme beim Zusammenspiel mit systemd wurden von den Docker-Entwicklern nicht angegangen oder aufgeschoben. Dafür wurde ständig an neuen Features für Docker gearbeitet mit vielen überlappenden Funktionalitäten. Das gilt nicht nur für CoreOS sondern für Linux im Allgemeinen. Der zentrale Daemon von Docker ist ein großes architektonisches Problem.

Konntest du dir Rocket auf GitHub schon genauer anschauen? Hält die Software die gemachten Versprechen?

Timo Derstappen: Ich habe den Code ausgecheckt und ein paar Container gestartet. Ich denke, zwei wichtige Probleme wurden angegangen. Es gibt eine Runtime, die ein Image herunterladen und einen Container starten kann, ohne einen zentralen Daemon zu benötigen. Zudem werden Images signiert, und damit kann in Produktion sicher gestellt werden, dass ein Container auch wirklich aus dem richtigen Image erzeugt wurde. Ich gehe davon aus, dass Rocket durch den klar abgesteckten Funktionsumfang recht schnell Stabilität erreichen wird.

CoreOS führt als Gründe für die Entwicklung von CoreOS mehrere Aspekte an. Einerseits die Tatsache, dass Docker sich von seiner ursprünglichen Mission, der Container-Technologie, hin zu einer Plattform entwickelt, die nicht mehr der simple Baustein ist, den man sich bei CoreOS vorgestellt hat. Andererseits führt CoreOS das „broken security model“ von Docker an. Wie ordnest du beide Aspekte ein?

Timo Derstappen: Ich sehe beide Punkte ähnlich. Docker Inc. versucht, alles in ein Produkt zu integrieren. Eine Architektur mit kleineren Produkten/Services, die eine klare Aufgabe erfüllen, hat aber entscheidende Vorteile gegenüber Monolithen.

Rocket soll als Standalone-Tool auch außerhalb von CoreOS „lebensfähig“ sein und auch auf anderen Plattformen eingesetzt werden können. Wie sehr ähnelt es damit dem etcd-Projekt?

Timo Derstappen: CoreOS folgt hier weiter der Unix Philosophie “Write programs that do one thing and do it well. Write programs to work together.” Die einzelnen Tools sind dadurch auch außerhalb von CoreOS brauchbar und können individuell weiter entwickelt werden. Außerdem sieht die App-Container Spec für Rocket explizit vor, dass es weitere Tools, z.B. zur einfachen Erstellung von Images, geben kann. Ich bin gespannt, wer aus der Community sich um weitere Tools kümmert.

Wir setzen mit Giant Swarm ja gerade darauf, die besten Bausteine auszuwählen und unseren Kunden, Entwicklern, einen kompletten Stack zu bieten, um einfach eine Microservice-Infrastruktur zu betreiben. Docker spielt dort eine zentrale Rolle, aber wir können genauso gut Rocket benutzen.

Was glaubst du: Wie wird sich das Verhältnis zwischen Docker und CoreOS in naher Zukunft entwickeln, zumal der CoreOS-CTO Brandon Philips ja auch einer der Top-Contributor von Docker war/ist und Mitglied des Docker Governance Board?

Timo Derstappen: Alles in allem scheinen Docker und Solomon Hykes “beleidigt” reagiert zu haben. Ich vermute, der Druck auf Docker ist zur Zeit enorm, und Konkurrenz aus der eigenen Community mit validen Argumenten passt da gerade nicht wirklich gut ins Bild. Ich hoffe, dass sich die Wogen wieder etwas glätten werden und bald wieder an einem Strang gezogen wird. Die Container-Welt wurde aufgerüttelt, jetzt sollte man sich wieder besinnen und an gemeinsamen Standards arbeiten.

Ein wenig Wettbewerb kann jedoch nicht schaden, und mit Rocket sowie LXD als Mitbewerber kann sich Docker auch nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen.

Vielen Dank für dieses Interview!

Timo Derstappen ist Mitgründer von Giant Swarm in Köln. Er hat langjährige Erfahrung mit dem Aufbau von skalierbaren und automatisierten Cloudarchitekturen und sein Interesse wird meist von leichtgewichtigen Konzepten bzgl. Produkt-, Prozess- und Softwareentwicklung geweckt. Freie Software ist für ihn ein Grundprinzip.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -