Interview mit Bastian Allgeier – dem Macher von Zootool

"Die Frage, was wir machen würden, wenn Google kommt, ist zum Glück relativ hypothetisch."
Kommentare

Bastian, du hast eine der momentan coolsten Webapplikationen entwickelt: Zootool. Darüber reden wir gleich. Aber zuerst zu dir. Wann hast du angefangen zu programmieren und womit beschäftigst du dich

Bastian, du hast eine der momentan coolsten Webapplikationen entwickelt: Zootool. Darüber reden wir gleich. Aber zuerst zu dir. Wann hast du angefangen zu programmieren und womit beschäftigst du dich momentan Tag ein Tag aus?

Ich habe vor acht Jahren angefangen HTML-Seiten zu basteln, damals noch mit Dreamweaver – Schande über mich – und bin dann immer weiter eingestiegen. Seit ca. sechs Jahren programmiere ich mit PHP und in den letzten Jahren ist außerdem eine Menge JavaScript und zuletzt auch Objective-C dazu gekommen.

Bastian Allgeier

Bastian Allgeier

Bastian Allgeier ist Kommunikations-designer (Master of Arts) und Experte im Design von User Interfaces. Er spricht fließend PHP und JavaScript und beschäftigt sich seit einiger Zeit auch mit Objective-C, um tiefer in die Mac-Welt eintauchen zu können. Wenn er die Zeit findet, hält er die eine oder andere Vorlesung an der Fachhochschule Mannheim und zeigt seinen Schützlingen, wie man designt.

Du kamst also irgendwann auf die Idee, Zootool zu bauen? Was war der Hintergrund?

Ich wollte ursprünglich für meine Bachelorarbeit in Kommunikationsdesign an der Hochschule Mannheim eine Online-Office-App für Designer entwickeln. Ein Teil davon sollte ein visuelles Bookmark-Tool sein. Der Office-Teil wurde mit der Zeit immer langweiliger und das Bookmark-Tool immer ausgefeilter, bis ich die eigentliche Idee irgendwann ganz über den Haufen geworfen habe und bei Zootool gelandet bin. Manche Ideen brauchen einfach eine Weile.

Das ist spannend, denn anscheinend finden sehr viele andere Leute Zootool sehr cool und nützlich. Auf der anderen Seite gibt es ja schon delicio.us oder Mister Wong. Wo sind die Unterschiede?

Bookmark-Dienste sind ein alter Hut, da braucht man sich nichts vormachen. Als Designer war mir das nur alles immer zu wenig visuell. Ich kann mir Dinge einfach besser merken, wenn ich sie sehe, und das ist genau das Prinzip hinter Zootool.

Andreas Wenk

Andreas Wenk

Andy Wenk ist Softwareentwickler bei SinnerSchrader in Hamburg und beschäftigt sich nicht ausschließlich mit PHP, sondern auch ganz viel mit JavaScript, Rails, PostgreSQL, CouchDB und anderen tollen Dingen die mit Bits und Bytes zu tun haben. Das große Interesse an Organisation und Kommunikation und sein Mädlz Club @home nehmen neben diesen Dingen einen ebenso wichtigen Platz ein.

Für jeden Eintrag in Zootool gibt es nach Möglichkeit eine passende Vorschau. Die Bookmark-Sammlung sollte dabei eher zu so etwas wie einer Bildersammlung in iPhoto oder sonstigen Fotoprogrammen werden. Einer unserer User hat es mal mit seiner iTunes-Bibliothek verglichen. Außerdem checkt Zootool die einzelnen URLs und versucht mithilfe verschiedener APIs so viele Informationen zu den jeweiligen Einträgen wie möglich abzufragen. So werden zum Beispiel Videos von über 30 Videoseiten, Slideshare-Präsentationen, Wikipedia-Artikel, RSS-Feeds, Bilder und vieles mehr automatisch erkannt und in die vier Kategorien – Bilder, Videos, Dokumente und Links vorsortiert. Das hilft enorm, um schon von Anfang an Struktur in die Sammlungen zu bringen.

Das heißt, du wolltest über die bessere Visualisierung der Bookmarks einen Mehrwert für den User schaffen?

Ja, genau. Ich glaube, dass man heute nur noch punkten kann, wenn man entweder etwas völlig neues auf den Markt wirft oder eben ein bestehendes Prinzip so weit ausbaut, dass es für den Benutzer wirklich einen erheblichen Mehrwert gegenüber der Konkurrenz bietet.

Um das Ziel zu erreichen, hast du auf verschiedene Technologien gebaut. Welche sind das?

Das Backend von Zootool basiert ganz klassisch auf PHP und MySQL. Um von Anfang an die Performance hoch zu halten, setze ich massiv auf Memcache, wo immer es geht.

Für das Frontend verwende ich MooTools. Auch wenn der Großteil der Frontend-Entwickler mittlerweile jQuery benutzt, bin ich von Anfang an ein absoluter MooTool-Fan gewesen und bei Zootool ist eine gewisse Ähnlichkeit im Namen auch nicht abzustreiten .

Wenn du auf gute Performance achtest, können wir davon ausgehen, dass Zootool stark frequentiert wird? Kannst du ein paar Zahlen nennen?

Zootool ist immer noch ein kleiner Fisch, auch wenn wir im Moment stark anwachsen. In den letzten drei Monaten seit dem Relaunch sind rund 8000 neue Benutzer hinzugekommen und dank Artikeln wie dem von Jon Hicks und dem super Feedback auf Twitter mussten unsere Server auch trafficmäßig schon einiges mitmachen.

Zootool ist serverseitig also mit PHP gebaut. Benutzt du ein Framework? Wenn ja welches, wenn nein, wie hast du’s gemacht?

Zootool baut auf eine Eigenentwicklung auf, die sich Kirby nennt. Kirby ist vielmehr ein Toolkit als ein Framework, das über die Jahre immer weiter gewachsen ist. Es deckt nicht die typischen Frameworkbereiche wie MVC ab, sondern ist eher ein sehr simpel gestrickter Bausatz. Insgesamt ist es stark inspiriert von den JavaScript Libraries wie jQuery oder Mootools.

Kirby ist Open Source und auf GitHub verfügbar. Für wen ist das gedacht und was kann ich damit machen?

Kirby ist vor allem für kleine Projekte super praktisch, wenn man kein großes Framework verwenden möchte. Es macht tagtägliche Aufgaben wie Validierung, Datenbankabfragen, File-Handling oder einfach nur String-Gewurschtel mit UTF-8-Support aus meiner Sicht wesentlich einfacher.

Unter getkirby.com gibt es eine ziemlich ausführliche Dokumentation mit Beispielen, wie sich das Ganze einsetzen lässt. Im Moment entsteht eine kleine Plug-in-Sammlung dafür, die ständig anwächst. Jeder, der Lust hat hier mit zu entwickeln oder den Core zu verbessern, darf das Projekt sehr gerne bei Github forken.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -