Grenzenloser Spaß?

Die GP2X – Eine Spielkonsole mit Linux
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Die Eckdaten klingen verlockend: Die GP2X, genauer GP2X-F100, ist eine portable Spielkonsole mit Linux als Betriebssystem, frei verfügbarem Software Development Kit (SDK) und offener Architektur für unter 200 Euro. Lesen Sie in diesem Artikel mehr dazu.

Wer Anfang der 90er Jahre stolzer Besitzer eines Nintendo GameBoy, Sega GameGear oder Atari Lynx war, bei dem werden beim ersten Auspacken der GP2X Jugenderinnerungen wach und der erste Eindruck ist sehr gut. Die GP2X liegt mit ihren 161 Gramm (ohne Batterien) und den Ausmaßen von 82,9 x 143,6 x 34 mm recht gut in der Hand. Für europäische Hände könnte die Konsole allerdings ein wenig größer sein. Die Ausmaße ähneln in etwa einem Nintendo Game Boy Advance. Hergestellt wird die GP2X von dem südkoreanischen Unternehmen GamePark Holdings und kann als Nachfolger des GP32 von Gamepark angesehen werden.

GP2X

Die Verarbeitungsqualität scheint gut zu sein. Das Gerät ist sehr robust gebaut und wirkt solide. Einzig die Gummiabdeckungen für die Anschlüsse wecken wenig Vertrauen. Die Abdeckung auf der rechten Seite für USB und Netzteil hielt genau zwei Tage. Einige Stürze aus ca. einem Meter musste die Konsole bereits über sich ergehen lassen und überlebte diese ohne sichtbare Blessuren.

Den notwendigen Strom bekommt die kleine Konsole über zwei handelsübliche 2AA-Batterien bzw. Akkus oder ein separat erhältliches Netzteil. Bei den Akkus sollte man nicht geizen, denn auch gute Akkus halten kaum länger als zwei Stunden durch. Bei der Positionierung der Anschlussbuchsen am Gerät müssen die Designer einen schlechten Tag gehabt haben. Die Buchse für das Netzteil ist auf der rechten Seite in Höhe der Tasten angebracht. Ist das Gerät mit diesem verbunden, ist ein angenehmes Greifen der Konsole beim Spielen nicht mehr möglich. Darum kann der Bedarf an vollen Akkus über den Tag sehr groß werden. Der Kopfhöreranschluss befindet sich auf der Oberseite der GP2X und so hängt beim Spielen das Kopfhörerkabel gerne im Bildschirmbereich herum. Hier wäre es besser gewesen, den Kopfhöreranschluss unten am Gerät und die Buchse für das Netzteil oben anzubringen.

Die Qualität der eingebauten Lautsprecher und des Kopfhöreranschlusses erfüllen ihren Zweck und sind für das Spielen ausreichend. Nervig ist, dass die beiden Tasten zum Ändern der Lautstärke diese nur per Software einstellen und nicht in allen Programmen funktionieren. Ein Rad zum Einstellen der Lautstärke mit direkter Auswirkung auf die Lautsprecher bzw. den Kopfhöreranschluss wäre hier besser. Beim Start des Geräts wird die Lautstärke immer auf einen Default-Wert gesetzt und so nervt bei jedem Start der GP2X ein Begrüßungs-Jingle von ca. zwei Sekunden. Wer dieses Abstellen möchte, braucht die Wave-Datei silence.wav. Diese einfach auf eine Speicherkarte kopieren und die Konsole mit gedrückter Start- und Select-Taste starten. Damit sind Sie ab dem nächsten Neustart den Begrüßungs-Jingle los.

Die Konsole verfügt interessanterweise über zwei Prozessoren, die fast identisch sind. Ein ARM920T mit 2×16 KB Cache ist der Hauptprozessor und ein ARM940T mit 2×4 KB Cache steht als Koprozessor speziell für die Grafik zur Verfügung. Beide Prozessoren sind genau wie der Speicher mit 200 MHz getaktet und können per Software zur Leistungssteigerung bzw. Energieersparnis über- und untertaktet werden. Das geht bei ARM-Prozessoren im Übrigen sehr gut. Erfahrungsberichten zufolge laufen nahezu alle GP2X mit 266 MHz stabil. Manche berichten sogar von 300 MHz, wobei das Ausnahmen sein dürften. Das für diesen Artikel bereitgestellte Gerät könnte mit 266 MHz stabil und dauerhaft betrieben werden.

Die GP2X kommt mit der aktuellsten Firmware 2.0.0 ins Haus. Eine Warnung noch zur Firmware: Wer bei seiner GP2X die Firmware aktualisieren möchte, sollte die Stromreserven nicht vergessen. Volle Akkus sind Pflicht! Geht während der Aktualisierung der Firmware die Energie zu Ende, ist es dauerhaft vorbei mit dem Gerät.

Das Gerät besitzt einen internen 64 MB großen NAND-Flash-Speicher sowie einen Einschub für SD-Speicherkarten bis zu einer Größe von 4 GB. Das ausreichend helle, hintergrundbeleuchtete 3,5″ Display kann 320×240 Pixel (QVGA) mit 170.000 Farben darstellen, ist allerdings sehr blickwinkelabhängig. Die GP2X verfügt über keine 3D-Beschleunigung und kann daher natürlich nicht mit den grafisch aufwendigen Action-Spielen der Sony PSP konkurrieren. Die Konsole hat folgende Anschlussmöglichkeiten:

  • Standard-Mini-USB-Anschluss mit Slave-Modus (rechte Seite)
  • Anschluss für das Netzteil (rechte Seite)
  • Kopfhöreranschluss (obere Seite)
  • Erweiterungsanschluss (untere Seite)

WLAN, Ethernet oder Infrarot-Unterstützung fehlen gänzlich. Es gibt drei Möglichkeiten des Datenaustauschs zwischen Computer und GP2X. Die erste Möglichkeit ist die Verwendung eines Kartenlesers, was den Vorteil einer höheren Geschwindigkeit hat. Leider ist das aber auch sehr umständlich. Praktischer ist es, die Konsole über USB an den PC anzuschließen, da das Gerät selbst wie ein Speicherkartenleser fungieren kann. Dieses klappt aber nur bis Karten mit höchstens 1 GB Kapazität.

Auf ins Netz

Eine weitere Möglichkeit ist der Aufbau eines virtuellen Netzwerkes zwischen einem PC mit Linux als Betriebssystem und der Konsole über USB. Das Netzwerk zum Laufen zu bekommen ist zwar nicht ganz trivial, bringt aber eine Fülle neuer Möglichkeiten. Zuallererst muss das Netzwerkmodul auf der Konsole ausgewechselt werden, weil das bei der Firmware 2.0.0 mitgelieferte Modul fehlerhaft ist (ein bekanntes Problem).

Das Modul hat den Namen g_ether.o. Um das Modul in das richtige Verzeichnis zu kopieren, geht man den Weg über eine Speicherkarte und ein kurzes Shell-Skript ethernet.gpu mit dem folgenden Inhalt:

mv /lib/modules/2.4.25/kernel/drivers/usb/gadget/g_ether.o /lib/modules/2.4.25/kernel/drivers/usb/gadget/g_ether.o_save
cp /mnt/sd/g_ether.o /lib/modules/2.4.25/kernel/drivers/usb/gadget/g_ether.o
sync
cd /usr/gp2x
exec ./gp2xmenu

Modul und Shell-Skript werden in das Wurzel-Verzeichnis der Speicherkarte kopiert und dann auf der GP2X gestartet. Das Shell-Skript sichert zuerst das alte Modul und kopiert dann das neue Modul an den notwendigen Platz. Für das virtuelle Netzwerk über USB ist auf dem PC das Modul cdc_ether notwendig. Wenn es fehlt, muss der 2.6er-Kernel des PCs mit folgender Einstellung neu übersetzt werden:

Device Drivers  --->
USB support  --->
USB Network Adapters  --->
 Multi-purpose USB Networking Framework 
   Simple USB Network Links (CDC Ethernet subset) 
[*]     Embedded ARM Linux links (iPaq, ...) 

Kommt auf dem PC noch ein 2.4er-Kernel zum Einsatz, muss dieser mit folgenden Einstellungen neu übersetzt werden:

Code maturity level options  --->
[*] Prompt for development and/or incomplete code/drivers

USB support  --->
--- USB Network adaptors
   USB-to-USB Networking cables, Linux PDAs, ... (EXPERIMENTAL) 

Sobald das Modul vorhanden ist, gibt der Kernel eine entsprechende Meldung aus, wenn die Konsole über USB mit dem PC verbunden ist, und legt das Device usb0 an.

olymp:~# tail -f /var/log/messages
Oct  3 21:46:14 localhost kernel: usb0: register 'cdc_ether' at usb-0000:00:1d.7-3, CDC Ethernet Device, 12:a9:bd:67:de:44

Mit dem Programm lsusb sollte eine Meldung kommen, die der folgenden ähnlich ist:

olymp:~# lsusb
Bus 001 Device 022: ID 0525:a4a2 Netchip Technology, Inc. Linux-USB Ethernet/RNDIS Gadget

Wichtig ist, dass in den Einstellungen der GP2X das Netzwerk aktiviert ist (Abb. 1).

Abb.1: Die Netzwerkeinstellungen
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