BASTA! Spring 2014 Countdown

Die Grundpfeiler agiler Projekte
Kommentare

In der agilen Softwareentwicklung kann man so vieles falsch machen und zwar gleich zum Projektstart. Wie man vermeidet, dass sein Projekt gleich in den Startlöchern scheitert, erklärt Frank Düsterbeck (HEC GmbH) auf der BASTA! Spring 2014. Wir haben ihm bereits im Vorfeld einige Fragen zum Thema gestellt.

Windows Developer: In deiner Basta-Session „Jetzt geht’s los – agile Projekte starten“ sprichst du von dem Projektstart als der Basis eines guten Projektes. Warum ist das so?

Frank Düsterbeck: Beim Projektstart werden die Grundlagen für den Erfolg eines Projektes gebildet. Oftmals werden hier auch die Weichen für die Beauftragung weiterer Projekte gestellt. Ziel sollte es somit sein, die Weichen korrekt zu stellen, denn Fehler, die beim Projektstart gemacht werden, sind in der Regel nur äußerst schwer wieder im weiteren Projektverlauf zu beheben. Es macht also Sinn, sich den Beginn mal genauer unter die Lupe zu nehmen, sich damit ausgiebig zu beschäftigen. Die Ziele, die ich mit der Session verfolge, sind dabei die Bewusstmachung, Verdeutlichung und Nennung der Schlüsselthemen des Projektstarts sowie die Sensibilisierung für Chancen und Risiken.

Windows Developer: Welche Missgeschicke können gleich zu Beginn des Projektes passieren?

Frank Düsterbeck: Alle! Jedes Projekt hat unterschiedliche Anforderungen. Jedes Projekt hat verschiedene Interessensvertreter, politische, fachliche, technische, zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen. All diese Variablen können dazu führen, dass ein Projekt scheitert. Ein Fehler, der z.B. sehr gerne gemacht wird, ist eine „sportliche“ Releaseplanung mit falschen Versprechungen. Dies führt zu starkem Projektdruck, der wiederum eine hohe technische Schuld und eine schlechte Qualität (intern und extern) verursacht. Gerade die technische Schuld, also die Vernachlässigung der internen Qualität, führt später zu äußerst kostspieligen Refaktorierungen und Gewährleistungsaufwänden bzw. zu einer schlechten Erweiter- und Wartbarkeit.

Ein beliebter Fehler ist auch die völlige Vernachlässigung der Erwartungen und der Rückmeldungen der Endanwender. Das kann dann soweit führen, dass die Einführung eines teuren Softwareproduktes keine Akzeptanz hat und scheitert.

Windows Developer: Und wie wäre stattdessen die richtige Vorgehensweise zum Projektstart?

Frank Düsterbeck: Es gibt hier leider keinen goldenen Weg aber zumindest Good Practices. Die Sensibilität für Probleme, die Herstellung von Struktur und Transparenz und die intensive Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Herausforderungen helfen, Einflussfaktoren zu beherrschen, die ein Projekt scheitern lassen könnten. Offenheit gegenüber dem Auftraggeber, schnelles Feedback, partnerschaftliches Handeln und die Bildung eines gemeinsamen Ziels sind hierbei Grundlage eines guten Projektes. Für besonders wichtig halte ich auch immer die Fokussierung auf die wirklich wertbringenden Funktionen eines Produktes sowie das frühzeitige und begleitende Testen – möglichst automatisiert.

Windows Developer: Gelten hier für agile Projekte besondere Bedingungen?

Frank Düsterbeck: Ja absolut. Agile Projekte – wenn sie denn wirklich agil sind – haben den Vorteil, dass sehr frühzeitig offensichtlich wird, wo welche Probleme existieren. Diese Transparenz führt leider häufig dazu, wieder in klassische Vorgehensweisen abzudriften – Transparenz kann sehr unbequem und unangenehm sein. Setzt man sich aber mit den Problemen auseinander, nimmt man das Feedback auf, kann dies im Extremfall sogar dazu führen, dass man ein Projekt frühzeitig beenden kann, ohne zu viel Geld zu verbrennen. Nicht umsonst werden agile Methoden als Fail-Fast-Methoden bezeichnet.

Agile Projekte bringen allerdings auch Herausforderungen mit, die in vielen, vorher klassisch aufgestellten Unternehmen z.B. zu einem erhöhtem Lern- und Coachingaufwand führen.

Windows Developer: Ist es denn überhaupt möglich, einen missglückten Start noch auszumerzen oder verfolgen einen die begangenen Fehler zwangsweise bis ans Projektende?

Frank Düsterbeck: Man kann nicht alles vorhersehen. Nicht umsonst verfolgen agile Projekte das Prinzip des „Inspect and Adapt“. Fehler sind demnach erlaubt, solange man daraus lernt, sich anpasst. Sind also die unvermeidbaren Fehler gemacht, hilft konsequentes und schnelles Handeln – im schlimmsten Fall auch der frühzeitige Projektabbruch. Ignoranz bzw. sture Planverfolgung stehen dem entgegen.

Windows Developer: Vielen Dank für das Gespräch, Frank. Wir sehen uns auf der BASTA!

© Frank Düsterbeck

Frank Düsterbeck ist als Senior-Projektmanager und Managing Consultant bei der HEC GmbH in Bremen tätig. Kern seiner Arbeit ist das Projektmanagement auf Basis verschiedener Plattformen und unterschiedlicher Vorgehensmodelle. Weitere Schwerpunkte sind die Qualifizierung und Beratung von Entscheidern und Entwicklern in den Bereichen Projekt-, Test- und Anforderungsmanagement mit dem Fokus auf den Einsatz aktueller und bewährter IT-Verfahren und -Methoden.

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -