Die New York Times, HTML5 und ein großer Spielplatz
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Jede Technologie braucht Befürworter und leidensfähige Helden, die sich für ihre Verbreitung und Verbesserung einsetzen. Tüftler, die bereit sind, die Technik an ihre Limits zu treiben – und

Jede Technologie braucht Befürworter und leidensfähige Helden, die sich für ihre Verbreitung und Verbesserung einsetzen. Tüftler, die bereit sind, die Technik an ihre Limits zu treiben – und manchmal auch darüber hinaus. Im Falle von HTML5 hat sich genau in dieses Feld von unerwarteter Seite ein weiteres Schwergewicht eingereiht, dass man so wahrscheinlich gar nicht auf der Rechnung hatte: die New York Times.

Gerade in den „alten Medien“ hat man es oft nicht leicht, seiner angestammten Zielgruppe Innovationen des digitalen Zeitalter näher zu bringen. Doch die Vergangenheit zeigt, dass man sich keinen Stillstand leisten kann, egal, wie groß, wie einflussreich man ist. Das renommierte Tagesblättchen New York Times steht dabei natürlich vor genau diesem Problem – und hat mit beta620 – Experimental Projects From The New York Times ein Projekt geschaffen, dass der Situation den Kampf ansagt.

At The New York Times, our software engineers, journalists, product managers and designers are constantly striving to create new and innovative ways to present news and information and interact with our readers. Yet it’s often difficult to try out new inventions on the world’s largest newspaper Web site. That’s why we created beta620, a new home for experimental projects from Times developers – and a place for anyone to suggest and collaborate on new ideas and products.Joe Fiore, 2011

Viele Projekte auf beta620, so Fiore weiter, werden wohl nie das Licht der großen, weiten Welt erblicken – doch genau dafür ist dieser Sandkasten auch gedacht: Entwickler treten in direkten Kontakt mit Lesern, experimentieren mit Techniken, loten Grenzen aus. Serienreife Projekte erhalten das Prädikat Graduates – sie werden auf die Welt losgelassen, um Leser an diesem gewissen Etwas des Webs teilhaben zu lassen, ihnen einen Mehrwert zu bieten. Eine schöne neue Welt.

Times Skimmer

Eines dieser in den Tiefen der Entwicklergehirne erdachten Projekte ist der Times Skimmer. Eine feine Viewer-App, dass kurz davor steht zu graduieren. Nicht nur über die mobile Website soll so in Zukunft das typische Lesefeeling aufkommen – man blättert durch die Seiten, bekommt das originale, unverwechselbare Schriftbild präsentiert. Und eine Menge Muskeln unter der Haube; die Webenthusiasten unter uns wird es freuen: es ist reines HTML5, eine kleine Machtdemonstration dessen, was möglich ist. The Future of Times is now.

Bei all der Detailverliebtheit der Entwickler – swiped man vertikal durch die App, so zieht die Übersicht der einzelnen Sektionen wie selbstverständlich nach – fällt doch schnell auf, dass Webtechnologien vor allem eines noch nicht können: auf mobilen Devices zu 100 % überzeugen.

Times Skimmes - Top News Der Times Skimmer der New York Times (Vergrößern)

Die Kollegen von mobile360 haben sich verschiedenste Smartphones und Tablets unter den Nagel gerissen, um die vor allem von uns propagierte Stärke des Mobile Web hautnah zu erleben. Ja, flüssig geht im Moment noch anders. Zugegeben. Eine leidvolle Erfahrung, die auch die Jungs von aside schon machen mussten, die mit dem ersten Magazin in purem HTML5 vor einiger Zeit für Aufsehen gesorgt hatten. Aber weder optisch noch funktionell müssen sich weder der Times Skimmer noch das aside magazine hinter nativen Apps verstecken.

Webtechnologien werden in Zukunft auch auf mobilen Devices eine immer wichtigere Rolle spielen. Die New York Times beweist darüber hinaus, dass das Web das Zeug dazu hat, Inhalte unabhängig vom OS optisch ansprechend und funktionell dem hektischen Alltag anzupassen. Einem Alltag, in dem die Zeit zum Lesen oft nur auf eine kurze Fahr in öffentlichen Verkehrsmitteln beschränkt ist. Ganz nebenbei stellt sich die Tageszeitung selbstbewusst einer riesigen Gemeinde von Webentwicklern, die sehnlichst darauf warten, dass HTML5 und Co. endlich zur Selbstverständlichkeit wird.

Solche Befürworter braucht das Web, solche Experimente treiben es voran. Zweifelsohne ein Player, den man im Auge behalten sollte.

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