Kommentar: Ist die Schwarz-Weiss-Denke in den Köpfen der Entwickler verankert?

Die PHP-Community: low-end vs. professional
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Eine Äußerung von Fabien Potencier (Chefentwickler von Symfony) sorgte gestern auf Twitter für Irritation: Wie tief ist die Schwarz-Weiß-Denke wirklich in den Köpfen der Entwickler verankert?

Basis für die Aufregung war ein Zitat von Fabien Potencier auf der ZendCon Europe:

Die Reaktionen auf diesen Tweet lassen sich auf Twitter nachlesen.

Da drängen sich natürlich gleich ein paar Fragen auf. Zum einen mag es natürlich nicht grundverkehrt sein, dass ein Standard-WordPress-User kaum als „Professional“ durchgehen wird, selbst wenn er oder sie hin und wieder ein paar Änderungen am Code vornimmt oder selbst schon einmal ein Modul entwickelt hat. Auf der anderen Seite muss die Frage erlaubt sein, ob wirklich jeder Entwickler, der mit Frameworks arbeitet, Applikationen entwickelt, die mir Recht zur Liga der professionellen Webapplikationen gezählt werden können.

Ist es so einfach, die Community om Low-End-User und Pros aufzuteilen? Gibt es nur ja und nein, ganz oder gar nicht? Oder treibt Potencier – führender Kopf hinter Symfony 2, einem der am weitesten verbreiteten Frameworks im PHP-Umfeld – einen weiteren Keil in eine ohnehin schon sehr zersplitterte Community? Folgt er gar seiner ganz eigenen Vorstellung des Begriffs Professional?

Was ist eigentlich ein Professional?

Eine der dringlichsten Frage dürfte an dieser Stelle natürlich die nach einer Definition des Begriffs „Professional“ sein. Ist jemand ein Pro, wenn er sein Geld mit der Entwicklung von PHP-Applikationen verdient? Oder muss er die nächste Stufe erklimmen, testgetrieben entwickeln, als Contributor Open-Source-Projekte vorantreiben?

Ich fürchte, dass es sich Fabien Potencier damit etwas zu leicht gemacht hat. Denn gehen wir einmal einen Schritt zurück und werfen wir noch einmal einen Blick auf WordPress. Die Software selbst sorgt noch immer bei vielen Entwicklern dafür, dass ihnen ein kalter Schauer über den Rücken läuft. Doch ist dieses Bild eigentlich korrekt?

Auf der WebTech Conference in München hatte ich die Gelegenheit, mich mit Juliette Reinders Folmer zu unterhalten, die einen ganz anderen Blick auf WordPress hat.

Der Core von WordPress hat eine vorzügliche Testabdeckung und ist sicher. Ein Framework hingegen wird nicht verwendet. Dennoch wird niemand ernsthaft behaupten wollen, dass die Entwickler hinter dem Blog-System zum low-end-Teil der Community gehören.

Wenn wir weiter bei dem Beispiel WordPress bleiben, dann bin ich sogar der Meinung, dass der Rest der Community enorm viel von diesem Projekt lernen kann: Es hat überschaubare Systemanforderungen, ist leicht zu bedienen und ebenso leicht zu erweitern. Vorteile, die nicht all zu viele Webprojekte zu bieten haben und die von einer sehr hohen Professionalität zeugen.

Die PHP-Community ist sehr zerklüftet. Um jedes Projekt scharen sich eigene Communitys, die  trotz der gemeinsamen Basis – nämlich die Sprache PHP – alle ihre Daseinsberechtigung haben. Ich unterstelle Potencier nicht einmal Böswilligkeit in seiner Äußerung, nur hätte er vielleicht diese riesige Masse „dazwischen“ nicht einfach unter den Tisch kehren sollen. Denn in dieser Grauzone findet man ebenfalls viele hervorragende Köpfe und Projekte, wie die unzähligen CM-Systeme oder Tools und Helferlein, die uns die tägliche Arbeit erleichtern. Und wer weiß, ob wir nicht alle etwas von ihnen lernen könnten.

Aufmacherbild: Senior stressed businessman von Shutterstock / Urheberrecht: Minerva Studio

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