Typische Schwachstellen eines Testprojekts

Die Top Ten der methodischen Fehler im Softwaretest – Teil 5
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Im vorletzten Teil dieser Artikelserie werden die zwei schwerwiegendsten „Sünden“ vorgestellt, die man in Testprojekten begehen kann: Eine mangelhafte oder sogar nicht vorhandene Testvorbereitungsphase sowie der komplette Verzicht auf Testmanagement. Im noch folgenden sechsten und letzten Teil wartet abschließend eine Liste mit ausgewählten Beispielen kostspieliger Softwarefehler auf Sie.

Zu kleine oder gar keine Testvorbereitungsphase

Oft sieht man folgendes Bild: Die Vorbereitungsaktivitäten vor der eigentlichen Testdurchführung beschränken sich in der Regel auf eine Kurzeinführung in die wesentlichsten Testregeln wie auch Funktionalitäten des zu testenden Systems in Form einer Schulung: Nach dieser Einweisung beginnen die zum Teil von extern angeheuerten Aushilfskräfte mit den Tests, deren Testfälle einzig durch einen einzeiligen Text beschrieben werden, der sich als eine Kreuzung aus Überschrift und Kurzbeschreibung darstellt. Vielleicht mag meine Darstellung überspitzt wirken. Ich glaube jedoch, dass Sie, lieber Leser, durch diese kurze Darstellung schon die daraus resultierenden Risiken wie auch mögliche Auswirkungen innerhalb der eigentlichen Testdurchführung erahnen können:

• Tester werden auch bei kleinen Ausnahmen und Problemen sofort nachfragen (müssen). • Blockaden und unerwartete Ereignisse werden den kontinuierlichen Testfortschritt häufig behindern oder gar verhindern. • Testmanager arbeiten ständig reaktiv, müssen oft improvisieren und verlieren nicht selten den Überblick. • Testplanungen sind bereits nach kurzer Zeit Makulatur. Daraus folgt sofort, dass eine Kontrolle in den Dimensionen der Erfolgstriade Zeit, Kosten und (Prozess-) Qualität nicht mehr möglich ist. • Vergleichsweise hoher Management-Overhead aufgrund der hohen Korrekturmaßnahmen innerhalb der Durchführungsphase. • Termin- und Aufwandsfragen können nur vage beantwortet werden. Oft schießen Testprojekte über das geplante Ende hinaus, auch wenn im Grunde die verfügbare Zeit für die Testdurchführung ausreichend gewesen wäre.

Eine gute Testvorbereitung hingegen stellt sicher, dass die Tests gemäß den Planungen begonnen, durchgeführt und abgeschlossen werden. Überraschungen während der Testdurchführung bleiben in der Regel aus. Aufgrund der hohen Transparenz (Testkonzepte, engl. test plan, werden eingehalten, geplante Testaktivitäten sind präzise dokumentiert und werden auch entsprechend eingehalten, Testprotokolle sind vorhanden etc.) lassen sich sehr gut am Ende „Lessons-Learned“-Veranstaltungen abhalten, um so den kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) durchzuführen.

Kein Testmanagement vorhanden

Nun komme ich zu dem häufigsten und wohl auch schwerwiegendsten methodischen Fehler, der auch noch heute im Rahmen von Tests begangen wird: Der Verzicht auf ein funktionierendes Testmanagement. Nun, was meine ich damit? Der triviale Fall ist natürlich das Nichtvorhandensein eines Testmanagers in dem betreffenden Testprojekt. Doch auch im anderen Falle lässt sich nicht aus der Besetzung der Testmanagerrolle auf ein funktionierendes Testmanagement schließen. Oft wird die Rolle danach besetzt, wer gerade keine anderen Aufgaben hat. So fehlt es oft dem Testmanager an der notwendigen Erfahrung, um allen Anforderungen einer professionellen Testplanung und -durchführung zu entsprechen. Natürlich finden sich dann in der Folge oft weitere, in meiner Top Ten aufgelistete Fehler. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Testprojekt am Ende noch belastbare Qualitätsaussagen über das getestete Objekt liefern wird, ist sehr gering bis unmöglich.

Fazit

Professionelles Testen verlangt viel Know-how, Erfahrungs- und Planungskompetenzen. Diese Liste der am weitesten verbreiteten methodischen Fehler und Irrtümer soll helfen, sich in Bezug auf die Testrisiken zu sensibilisieren. Ein erster Schritt ist bereits getan, wenn man sich der von mir dargestellten Indikatoren annimmt: Das Erkennen und die richtige Deutung der auftretenden Ereignisse ist eine gute Basis für positive Veränderungen innerhalb der Testoperationen. In diesem Zusammenhang möchte ich aber auch erwähnen, dass sich natürlich ebenso eine Reihe äußerer Faktoren negativ auf den Testbetrieb auswirken, die hier keine Erwähnung fanden. Diese sind ebenso wichtig, hätten aber wohl den Rahmen dieses Fachartikels gesprengt. Ferner zeigt sich, dass Softwarequalität und Softwaretest ein komplexes Thema darstellen. Oft gestehen sich Softwareunternehmen nicht ein, im Bereich des Qualitätsmanagements und der Qualitätssicherung kompetente und externe Beratung im Rahmen der Entwicklungsprojekte einzukaufen. Die genannten Beispiele aktueller Softwarefehler der letzten Jahre und deren Auswirkungen beziehungsweise hieraus entstandener Kosten zeigen jedoch, dass sich diese Beratung sicherlich auszahlt. So ließen sich Kardinalfehler vermeiden.

Weiter mit: Teil 6

Alle Teile: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6

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