Typische Schwachstellen eines Testprojekts

Die Top Ten der methodischen Fehler im Softwaretest – Teil 6
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Die fünf vorangegangenen Artikel beschäftigten sich im Detail mit den zehn schwerwiegendsten Fehlern, die einem im Rahmen eines Testprojekts unterlaufen können. In diesem letzten Teil der Serie folgt nun abschließend eine beispielhafte Liste kostspieliger Softwarefehler.

Zehn Beispiele von Softwarefehlern mit verheerenden Folgen

Alle genannten Beispiele sind aktuell und in den letzten Jahren (2010 bis 2012) entstanden. Sie zeigen, dass die Maßnahmen zu den Themen Softwarequalität und Softwaretest im Softwareentwicklungsprozess weiter auszubauen sind. 1. Strafe und Rückzahlungen kosten Finanzkonzern 240 Millionen Dollar: 25 Millionen Dollar Strafe verhängte die US-Finanzaufsichtsbehörde, Securities and Exchange Commission (SEC), einem internationalen Finanzdienstleister. Dieser hatte zuvor einen Fehler in einer Softwareanwendung eines Investmentfonds vertuscht. Gleichzeitig musste das Unternehmen den geprellten Anlegern den entstandenen Schaden zurückerstatten: 217 Millionen Dollar (über 160 Millionen Euro). 2. Hunderttausende Gehaltszahlungen verzögert: Landesweit fielen in Japan durch einen Softwarefehler bei einer der größten Banken rund 5 600 Geldautomaten für 24 Stunden aus. Um die Systemwiederherstellung zu beschleunigen, mussten alle 38 000 Geldautomaten vom Netz genommen werden. Mehrere Tage lang war kein Onlinebanking möglich. Erst nach einer zehntägigen Verzögerung konnte die Bank alle Lohnüberweisungen mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Milliarden Dollar (über eine Milliarde Euro) bearbeiten. 3. Bankautomaten verschenken Geld an Kunden: Im australischen Sydney, Melbourne und Brisbane konnten Kunden über fünfeinhalb Stunden uneingeschränkt Geld an 40 defekten Geldautomaten abheben. Möglich machte den überraschenden Geldsegen eine Störung in der Datenbanksoftware, die die Automaten in den Standby- Modus versetzte: Die Geräte erkannten weder die Grenze des Tageslimits, noch wussten sie, ob das Konto genügend gedeckt war. 4. Datenrückstau bei Smartphonehersteller legt Endgeräte lahm: Kein Internetsurfen, kein Zugang zum E-Mail-Account und keine Instant-Messaging-Dienste – ein Netzwerkausfall bei einem weltweit führenden Smartphonehersteller verursachte auf den Endgeräten von Millionen Kunden einen Datenrückstau. Betroffen waren die Regionen Europa, Afrika als auch der Mittlere Osten und Lateinamerika. Nachträglich musste das Unternehmen mehrere Milliarden E-Mails abarbeiten. Der Netzwerkausfall war auf ein Rechenzentrum in Großbritannien zurückzuführen, wo zudem auch das Reservesystem versagte. 5. Massenrückruf von unkontrollierbaren Autos: Weltweit knapp eine Million Autos musste ein japanischer Autohersteller zurückrufen. Ursachen waren unter anderem elektrische Fensterheber, die zu einem Brand führen konnten. Darüber hinaus rollten 26 000 Fahrzeuge durch einen Programmierfehler im Motormanagement wie von Geisterhand selbsttätig vor und zurück, sobald der Fahrer den Motor abwürgte. In Deutschland waren von diesem Fehler knapp 2 400 Autos betroffen. An der Börse in Tokio brach die Aktie des Herstellers um fast 5 Prozent ein. 6. Offene Einsicht in hochvertrauliche Bank- und Kundendaten: Nach der persönlichen Anmeldung an einem neu eingeführten elektronischen Ticketsystem eines deutschen Logistik- und Reiseunternehmens konnten nachfolgende Nutzer sämtliche Daten ihres Vorgängers einsehen: von der Adresse über die Telefonnummer bis hin zur Bankverbindung. Ein Softwarefehler hatte die Informationen des über mehrere Jahre entwickelten Systems offengelegt. 7. Softwarefehler kostet Börsenhändler 440 Millionen Dollar in 45 Minuten: Die frisch installierte Software eines Börsenhandelsunternehmens verursachte einen Schaden von 440 Millionen US-Dollar, nachdem sie innerhalb von 45 Minuten eine große Menge von über 100 verschiedenen Aktiensorten an- und wieder verkaufte. Ein fehlerhafter Softwarealgorithmus erwarb die Aktien zum Marktpreis und stieß sie zu Angebotspreisen wieder ab, wodurch bei jeder einzelnen Transaktion mehrere Cents verloren gingen. Der rege Handel trieb die Preise der betroffenen Aktien schnell nach oben. Das führte zu spektakulären Verlusten des Börsenhändlers, als dieser die vorübergehend überbewerteten Aktien zu einem niedrigeren Preis wieder verkaufen musste. 8. Börse muss eigenen Börsengang zurückziehen: Ein Börsenunternehmen sah sich gezwungen, seinen Börsengang über das hauseigene Handelssystem abzubrechen. Ursache war ein blamabler Computerfehler, der einen schwerwiegenden technischen Fehler auf der eigenen Handelsplattform verursachte. Das Problem trat sofort auf, als die Börse den Ticker der Aktie darstellen sollte und dabei nicht in die übliche kontinuierliche Handelsroutine überging. Dadurch kam der Handel mit der Aktie zum Erliegen, bevor er überhaupt begonnen hatte. 9. Börsengang eines Social-Media-Giganten mit Hindernissen: Technologieprobleme beeinträchtigten den Handel mit Aktien eines großen Social-Media-Portals, nachdem wegen Softwarefehlern das System für den Aktienhandel Kaufgebote und -annullierungen  nicht korrekt verarbeitete. So wurden Bestellungen entweder falsch oder gar nicht durchgeführt. Diese Panne beeinträchtigte den Handel mit über 30 Millionen Aktien. 10. Heftige Probleme mit neuem Steuersystem: Nach einem Upgrade ihrer Softwaresysteme, das insgesamt über 1,3 Milliarden US-Dollar kostete, hatten US-Steuerbehörden mit gravierenden Problemen bei der Steuerrückerstattung zu kämpfen. Bei der Bearbeitung der elektronisch übermittelten Erstattungsanträge kam es zu erheblichen Verzögerungen. 85 Prozent der Rückzahlungen verspäteten sich um 23 Tage oder mehr.

Alle Teile: Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6

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