Die wichtigsten SQL-Server-2008-R2-Neuerungen (Teil 2)
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Der Berichtsmanager bekommt ebenfalls ein Facelifting, das vom Aussehen und der Funktionsweise an SharePoint angelehnt ist (Abb. 3). Damit ist diese Komponente angemessen modernisiert und in puncto Bedienungskomfort

Der Berichtsmanager bekommt ebenfalls ein Facelifting, das vom Aussehen und der Funktionsweise an SharePoint angelehnt ist (Abb. 3). Damit ist diese Komponente angemessen modernisiert und in puncto Bedienungskomfort auf einem aktuelleren Stand.

Abb. 3: Der Berichtsmanager hat ein überfälliges Facelifting erhalten
Abb. 3: Der Berichtsmanager hat ein überfälliges Facelifting erhalten

Des Weiteren ist das Report-Viewer-Steuerelement für ASP.NET-Anwendungen neu implementiert mit AJAX-Funktionalität ausgestattet worden. Somit müssen Drill-Down-Berichte, in denen sich der Anwender durchklicken kann, nicht mehr komplett geladen werden. Vielmehr werden AJAX-typisch nur die Teile des Berichts neu zum Client geschickt, die sich ändern. Bereits zusammen mit Visual Studio 2010 Beta wird ein neues Standalone-Steuerelement für Berichte ausgeliefert. Es wird die gleiche Anzeigetechnologie für lokale und SSRS-basierte Berichte verwendet, sodass die Entwicklung von Anwendungen, die wahlweise mit oder ohne Server laufen sollen, vereinfacht wird.

Eine richtige Innovation für SSRS sind Report Parts. Diese ermöglichen es (endlich), Berichtsteile auf dem Server freizugeben und in anderen Berichten zu nutzen. Bisher war dies nur mit Daten möglich. Durch Reports Parts sollte sich der Mehraufwand bei der Erstellung von ähnlichen Berichten, also solchen, die über gleiche Teile verfügen, verringern. Weitere Neuerungen sind außerdem die folgenden, zusätzlichen Berichtselemente:

  • Datenbalken
  • Sparkline
  • Indicator (Ampel)

An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass alle neuen Features sowohl bei der Erstellung von Berichten mit dem Report Builder 3.0 als auch mit dem Visual Studio verwendet werden können. Nach wie vor gilt aber, dass das Visual Studio als primäres Werkzeug für Entwickler an einigen Stellen mehr und direktere Möglichkeiten bietet.

Der Artikel „So haben Sie Ihre Daten noch nie gesehen“ von Andreas Wolter in der Ausgabe 7.2010 des dot.NET Magazins, das am 1. Juni 2010 erscheint, geht detailliert auf die SSRS-Neuerungen ein.

Stream Insight

Bei Stream Insight handelt es sich um eine Complex-Event-Processing-Technologie (CEP) die es erlaubt, kontinuierlich Datenströme durch so genannte „Standing Queries“ innerhalb einer fest garantierten Zeit zu verarbeiten. Stream Insight ist dabei mehr ein Framework als eine echte SQL-Server-Komponente im eigentlichen Sinne. Aktuell bedeutet die Arbeit mit diesem Framework das freie Erstellen von (nicht unerheblichen Mengen) an Quellcode – grafische Designer oder gar Assistenten sind zurzeit noch nicht verfügbar.

Master Data Management

Master Data Management (MDM) soll eine zentrale Stelle darstellen, die die Daten für unterschiedliche Anwendungen pflegt und zur Verfügung stellt. Ein so genannter Master Data Hub (MDH) soll zu diesem Zweck als Repository für die notwendigen Master-Daten fungieren, die dann quasi in einem nachgelagerten Schritt den Anwendungen zur Verfügung gestellt werden. Ob sich diese Neuerung durchsetzen wird und wie performant und skalierbar sie ist, wird die Zukunft zeigen, da praktische Einsätze wegen der Natur des gewachsenen Umfelds einen längerfristigen Prozess darstellen. Der Ansatz ist in jedem Fall gut.

Data Tier Application

Der Gedanke hinter Data Tier Application ist eigentlich ein recht einfacher. Alle für die Ausführung einer Anwendung benötigten Objekte einer Datenbank (Schemata, Tabellen, Sichten, Funktionen, Prozeduren, Benutzer, Rollen etc.), sowie Einstellungen und eigene Skripte werden in einem Visual-Studio-2010-Projekt erfasst und einheitlich in einem Paket abgespeichert (Abb. 4). Dieses Paket kann anschließend mit dem SQL Server Management Studio auf einer (oder mehreren) SQL-Server-Instanzen „installiert“ werden.

Abb. 4: Ein Data-Tier-Application-Projekt im Visual Studio 2010
Abb. 4: Ein Data-Tier-Application-Projekt im Visual Studio 2010

Nach der Installation ist immer vor dem ersten Update. Für den Einsatz von Data Tier Application bedeutet dies, dass Änderungen, die an den im Paket befindlichen Objekten und Einstellungen vorgenommen wurden, bei erneutem Einspielen entsprechend angewendet werden. So werden z. B. Spalten hinzugefügt, entfernt oder deren Datentyp verändert. Allerdings sollten Sie hier keine Wunder erwarten: Eine Änderung inkompatibler Typen (VARCHAR nach DATETIME) führt zu Problemen. Leider werden zurzeit einige Objekte wie Anwendungsrollen, CLR-Integration oder erweiterte Eigenschaften unterstützt. In der Ausgabe 8.2010 des dot.NET Magazins, das am 30. Juni 2010 erscheint, wird Data Tier Application ausführlicher in einem Artikel vorgestellt.

Fazit

Auch wenn SQL Server 2008 R2 weder SQL Server 2010 heißt noch vollgepackt ist mit neuen Features für Entwickler, sind doch einige interessante Dinge für die Programmentwicklung enthalten. Dieser Artikel hat diese Neuerungen und auch diejenigen, die eher für Administratoren oder Anwender direkt gedacht sind, zusammengefasst – denn schließlich kann ein umfassender Überblick verfügbarer Funktionalitäten bei der Entwicklung guter Anwendungen nie schaden. Ob sich eine sofortige Umstellung auf SQL Server 2008 R2 lohnt, ist aus Entwicklersicht wahrscheinlich nicht besonders verlockend, aber bitte immer bedenken: Es gibt auch andere Sichtweisen.

Thorsten Kansy ist als unabhängiger Softwarearchitekt, Entwickler und Trainer für seine internationalen Kunden tätig. Wenn es seine Zeit zulässt, schreibt er zudem Bücher und Artikel rund um „seine“ Themen, der Entwicklung komplexer Anwendungen mit .NET im Microsoft-Serverumfeld, insbesondere SQL Server. Er ist als MCSD.NET, MCSD, MCPD, MCTS, MCT, MCDBA zertifiziert und sowohl in den Sprachen C# als auch VB.NET zu Hause. Sie erreichen ihn unter per E-Mail.

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