E-Commerce

6 Tipps: Bessere Performance für Online-Shops
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Viele Online-Shops weisen eine schlechte Performance auf, so dass Kunden oft mit langen Ladezeiten zu kämpfen haben. Mit ein paar einfachen Tricks kann man die Website-Performance erheblich verbessern.

Vor einigen Wochen haben wir zum Black Friday eine Studie zur Performance von Online-Shops veröffentlicht. Das Ergebnis war insgesamt eher schlecht. Auch die Websites großer Shops wie Sony oder Saturn brauchten viel zu lange, um sich im Browser zu öffnen. Woran das liegt und wie man die Performance seines Webshops verbessern kann, erklärt uns Performance Experte Günther Brutscher von Dynatrace im Interview.

WebMagazin: Viele Online-Shops waren nicht auf den Kundenansturm des Black Friday Geschäfts vorbereitet und mussten somit erhebliche Performance-Einbußen verbuchen. Was haben diese Shops falsch gemacht?

Günther Brutscher: Insgesamt war zu beobachten, dass es am Black Friday nur wenige extreme Schwankungen gab, die auf mangelnde Vorbereitung der Online-Shops zurückzuführen sind. Es ist eher so, dass einige Anbieter grundsätzlich schlechte Ergebnisse hinsichtlich Performance und Verfügbarkeit aufweisen, und dass unabhängig von besonderen Events, die einen großen Ansturm auf die Website auslösen. Hier müssen die Online-Shops ihre IT-Anwendungen und –Prozesse ganz genau unter die Lupe nehmen. Beispielsweise könnten Lasttests völlig falsch platziert worden sein und liefern damit auch eine falsche Sicht auf die Performance. Oft wird auch der Einfluss von Drittanbieter-Services außer Acht gelassen, wie ein extremer Peak bei Comtech zeigte. Hier verursachte ausgerechnet ein Marketing-Services-Anbieter, der für höhere Conversions auf der Website sorgen soll, diese Schwankung.

1_Einfluss von Drittanbiter-Services auf die Performance

Einfluss von Drittanbieter-Services auf die Performance    ©Dynatrace

WebMagazin: Was können Web-Shops tun, um ihre Performance stabil zu halten. Was sind Ihre Tipps?

Günther Brutscher: Unsere Erfahrung zeigt, dass sich Seiten- und Objektgröße sowie Anzahl der Hosts entsprechend auch auf die Performance des Web-Auftritts auswirken. Dennoch müssen diese Faktoren auch immer im Verhältnis betrachtet werden. So zeigte sich beispielsweise, dass bei einer Seitengröße von jeweils 1,3 MB einer der besten Online-Shops eine durchschnittliche Ladezeit von 5,3 Sekunden aufweist, ein anderer Anbieter allerdings fast 12 Sekunden. Die Annahme, dass heutige Internet-Anbindungen der Endnutzer mit mehr als 16 MBit/s die Probleme großer Website-Inhalte abfedern, ist sehr häufig irreführend, da diese Bandbreiten meist für andere Services genutzt werden, wie z. B. Video-on-Demand, Web-TV.

2_Auswirkungen der Objektanzahl und Hosts auf die Ladezeit

Auswirkungen der Objektanzahl und Hosts auf die Ladezeit    ©Dynatrace

Diese Punkte sollten in puncto Webperformance unbedingt beachtet werden: 

  • Um die Datenübertragung gering zu halten, sollte die Seitengröße möglichst klein gehalten werden.
  • Die Anzahl der verwendeten Host ist möglichst gering zu halten, um eine effektive Nutzung der Connections zu erhalten und Overhead (DNS, Connect) zu vermeiden.
  • Die Downloadzeit (Content Time) lässt sich erheblich reduzieren, wenn die Anzahl der Objekte minimiert wird. Das lässt sich durch das Zusammenfassen von JS-, CSS- oder Bilddateien erreichen.
  • Der Einsatz eines CDNs (Content Delivery Network) kann, auch zur Entlastung der eigenen Infrastruktur, sehr sinnvoll sein.
  • Die Performance sollte nicht nur durch kontinuierliches Monitoring überwacht, sondern auch analysiert werden. Es müssen klare Prozesse etabliert und Verantwortungen definiert sein.
  • Um Performanceschwankungen oder Systemausfällen bei Spitzenlast vorzubeugen, sind Internet-basierte Lasttests (Webloadtest) aus Endnutzer-Sicht unbedingt zu empfehlen.

 

3_Erhöhte Downloadzeit durch viele Objekte

Erhöhte Downloadzeit durch viele Objekte   @Dynatrace

Auch wenn während der Lasttests beste Performance und Verfügbarkeit geboten wird, kann sich das in der realen Nutzer-Situation ganz anders darstellen. Das liegt daran, dass viele Unternehmen überhaupt keine Informationen darüber haben, welche Performance die Endnutzer tatsächlich erleben und welchen Einfluss die Inhalte von Drittanbietern haben. Oft werden Tests aus Sicht des eigenen Rechenzentrums durchgeführt und wenn dann, ganz banal, der Cache nicht regelmäßig geleert wird, zeigt sich für den Tester ein völlig verfälschtes Bild. Denn die Situation eines Erstbesuchers auf der Website wird in dieser Art der Tests gar nicht berücksichtigt.

WebMagazin: Last Mile vs. Backbone – wie funktioniert die Technologie und wo liegen die Stärken und Schwächen?

Günther Brutscher: Last Mile-Messungen liefern ein realistisches Bild der Performance und Verfügbarkeit, also exakte Informationen aus der Perspektive der Endnutzer. Außerdem lassen sich über Last Mile-Messungen auch Drittanbieter flächendeckend überwachen und analysieren. Die Erkenntnisse aus den Last Mile-Messungen bieten auch Ansätze, um strategische Verbesserungen vorzunehmen.

Die meisten Unternehmen nutzen oft nur Backbone-Tools und haben somit nur einen Blick auf die Performance aus dem eigenen Rechenzentrum oder eines ausgewählten Internet-Standortes. Dennoch ist es wichtig, diese Sicht einer konstanten Messung zu haben, um schnell Indikatoren für Performanceprobleme aufzuspüren und reagieren zu können.

Wenn Web-Shops aber wirklich sichergehen möchten, dass allen Besuchern ihres Web-Shops, auch die „Erstnutzer“ ein schnelles und fehlerfreies Einkaufserlebnis geboten wird, sind Last Mile-Messungen unbedingt erforderlich.

 

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Günther Brutscher ©Dynatrace

 

Aufmacherbild: online shopping concept, vector flat design via Shutterstock / Urheberrecht: Bplanet

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