Mobile Werbung und Ad Blocker

Ad-Blocker-Dilemma: O2 und Yahoo reagieren auf Werbeblocker
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Internetnutzer blockieren Werbung, Seitenbetreiber blockieren Nutzer mit Ad Blocker. Bild.de macht ernst und verklagt einen YouTuber, während Yahoo E-Mail-Konten sperrt. Der Provider O2 will stattdessen in Großbritannien Werbeblocker für alle seine Kunden als Netzwerklösung einführen.

Die Auseinandersetzung um Werbeblocker geht in die nächste Runde. Nachdem bild.de Internetnutzern mit Adblock und anderen Blocking Extensions seit einigen Wochen den Zugang verwehrt, ist jetzt der YouTuber Florian Richter in das Gerangel zwischen Springer Verlag und denAdblock- Verantwortlichen geraten. Weil er in einem Video gezeigt hat, wie Adblock-Nutzer die bild.de-Sperre umgehen können, flatterte ihm eine Unterlassungsklage des Springer Verlags ins Haus. Angesichts der Klage und drohenden Anwaltskosten von rund 7000 Euro versucht Tobias Richter nun mit einer Crowdfunding-Kampagne Geld zu sammeln, um eine Feststellungsklage gegen den Verlag zu bemühen. Er sieht sich auf der rechtlich sicheren Seite.

Doch damit nicht genug: Auch Yahoo reagiert nun auf die zunehmende Zahl von Nutzern mit Werbeblockern, indem es momentan testweise den Zugang zum E-Mail-Posteingang sperrt, wenn Blocker zum Einsatz kommen.

Doch es geht auch anders: So plant der Provider O2 laut Business Insider eine Netzwerklösung, um mobile Werbung teilweise von vornherein zu unterbinden. Davon dürften sich zunächst 25 Millionen Kunden in Großbritannien freuen. Das Telekommunikationsanbieter schlägt damit einen ähnlichen Weg ein wie zuvor schon Apple.

Apple machte den ersten Schritt

Mit der Einführung von iOS 9 ermöglichte Apple erstmals den Einsatz von Werbeblockern im Safari-Browser. Während sich darüber vor allem Verlage und Unternehmen wie Google ärgern, deren Geschäftsmodell auf dem Anzeigengeschäft basiert, versucht Apple seinen Nutzern entgegen zu kommen. Denn viele Mobile-User haben aufgrund von Werbung das Problem, dass nicht nur das Datenvolumen und die Surfgeschwindigkeiten arg eingeschränkt sind, sondern auch Malware über die Anzeigen eingeschleust wird. Dass O2 nun nach einer Lösung sucht, um Werbung teilweise gar nicht erst zuzulassen, gießt zusätzliches Öl ins Feuer der hitzig geführten Debatte.

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Adblocker-Gemeinde wächst

Die gesamte Publisher-Branche hat mit der immensen Zunahme von Adblock und Co. zu kämpfen. Im Vergleich zum Vorjahr stieg einer Studie von Adobe und PageFaire zufolge die Nutzung von AdBlock oder AdBlock Plus um etwa 41 Prozent. Tendenz: zunehmend. Damit sind insgesamt etwa 198 Millionen aktive Nutzer monatlich mit einem Werbeblocker im Netz unterwegs.

Weil man seine Felle davon schimmen sieht, will laut der BBC jetzt auch Yahoo Maßnahmen gegen Werbeblocker einleiten. So werden bei einigen Nutzern von Yahoo-E-Mail-Konten in den USA bereits Pop-Up-Meldung eingeblendet, die dazu auffordern, AdBlock auszuschalten, wenn man seinen Posteingang weiter nutzen möchten. Ob die Testphase auch offiziell ausgeweitet wird, ist noch nicht bekannt.

Fest steht: Es geht um bare Münze – und nicht gerade wenig. Der Studie von Adobe und PageFair zufolge entgehen der Werbebranche in diesem Jahr voraussichtlich 22 Milliarden US-Dollar an Einnahmen – allein durch Blocking-Extensions. Zwar ist auch das nur eine Schätzung, doch sind dielangfristigen Auswirkung für die Branche verheerend. Viele Werbetreibende setzen deshalb vermehrt auf blockfreie Plattformen wie Facebook. bild.de wird also vermutlich hierzulande nicht die einzige Publisher-Seite bleiben, die ihr Angebot exklusiv für Werbeblocker-freie User anbieten wird.

O2 möchte Werbeethik verbessern

Sollte ein Provider wie O2 eine technologische Lösung einführen, um unerwünschte Werbung von vornherein für alle seine mobilen User zu blockieren, könnte sich das Problem weiter verschärfen. Laut Business Insider Informationen solle es jedoch nicht darum gehen, Werbung rigoros zu blockieren. Vielmehr soll dem mobilen Kunden die Möglichkeit eingeräumt werden, Einblick in die Anzeige zu erhalten. Einblick insoweit, dass er nachvollziehen kann, wie der Seitenbetreiber und der Werbende seine persönlichen Informationen verarbeitet. Präventiv sollen vor allem Kinder und Jugendliche über Targeting und Tracking aufgeklärt werden, damit ein Bewusstsein entsteht, wie Unternehmen mit Nutzerinformationen umgehen.

Nutzer sollen letztlich wieder mehr Kontrolle über ihre eigenen Daten erhalten. Das schließt keineswegs Werbung aus, sondern fordert lediglich eine andere Werbe- und Unternehmensethik im Umgang mit Nutzerdaten. Aufdringliche und womöglich schadhafte Anzeigen sollen durch die Maßnahme von O2 von vornherein ausgeschlossen werden. Ein Ausschluss wäre jedoch ohnehin nur über das eigene Netzwerk möglich, sobald das Smartphone sich über das WLAN eingeloggt, wäre der Nutzer wieder auf sich allein gestellt.

Aufmacherbild: close-up view of young woman checking her mobile phone with ads blocked on the screen. All screen graphics are made up. via Shutterstock, Urheberrecht: Georgejmclittle

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