Warum auch Non-IT-Unternehmen auf APIs setzen sollten

Die neuen API-Evangelisten: Non-Developer
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Wer noch dem Glauben anhängt, dass APIs nur etwas für detailverliebte Entwickler sind und man sich aus diesem Grund als IT-fremdes Unternehmen nicht dafür zu interessieren braucht, liegt falsch. Denn APIs sind mittlerweile nicht nur einfacher zu erstellen, sondern bieten Firmen vor allem neue Positionsmöglichkeiten auf dem Markt.

Application Programming Interfaces (API) sind im Prinzip Programmteile, die eine Reihe von Tools und Protokollen bieten, mit denen sich beschreiben lässt, wie ein Programm mit einem anderen kommuniziert: „It translates your actions into the technical details for the computer system on the other end.

Noch vor ein paar Jahren wurden APIs nur von und für Developer entwickelt. Doch der Markt verändert sich ständig und APIs sind in ihrer Funktion nicht länger nur auf Entwickler ausgerichtet, sondern erobern sich neue Einsatzgebiete. Sie kommen beispielsweise im Marketing, Sales oder Support zum Einsatz. Mit APIs werden neue Zugriffsmöglichkeiten auf Inhalte ermöglicht und dadurch diesen mehr Wert verliehen. Die Entwicklung entsprechender Schnittstellen versetzt wiederum andere Entwickler in die Lage, Applikationen zu entwickeln, mit denen Content auf die verschiedensten Geräte und Plattformen ausgespielt werden kann – ein Vorteil für alle Beteiligten.

Mehr Berührungspunkte mit mehr Nutzern

Ein großer Fortschritt ist die Art und Weise, wie Nutzer mit APIs interagieren können. Früher geschah das über ein Terminal oder eine integrierte Entwicklungsumgebung (IDE). Heute kann das aber auch über Plattform-Plugins, Widgets, Messaging-Bots und Drag-and-Drop-Interfaces passieren, was wiederum die Art, wie wir APIs verwenden, beeinflusst.

We’ve moved from a world where APIs were [a Silicon Valley thing] to where almost everyone in the general economy is doing something with them.

Eines der ersten Unternehmen, das externe APIs strategisch einsetzte, ist übrigens Amazon: Um das eigene Geschäft anzuheizen, bot der Konzern seine E-Commerce-Engine Buchhändlern und anderen Verkäufern an, die ihre Produkte auf der Amazon-Website anbieten wollten. Auf diese Weise hat Amazon sein Geschäftsmodell weg vom reinen Verkauf und hin zum Anbieter eines ganzen Ökosystems ausgebaut.

Auf große API-Programme wie die von Amazon, Twitter und Google folgen immer mehr kleine Unternehmen, die ihre eigene API-Strategie entwickeln: APIs werden genutzt, um Apps mit Partnern zu verlinken oder um interne Abteilungen miteinander zu verbinden (Microservices). Auch das Teilen von bestimmten Datensätzen oder Programmen fällt mit APIs leichter. In manchen Fällen entsteht daraus sogar eine Möglichkeit, Geld zu verdienen.

HTML5 Days

CSS Grid – das neue Layoutmodul im Einsatz

mit Dr. Florence Maurice (maurice-web.de)

Ein weiteres Beispiel für eine gelungene API-Strategie ist zum Beispiel Clearbit: Es bietet zum einen klassische APIs für Entwickler, aber auch verschiedene Plattform-Plugins und Widgets für Gmail, SalesForce, Slack usw., die direkt eingesetzt werden können. Und zwar, ohne eine einzige Zeile Code anzufassen. Auch Algolia nutzt das Potenzial von APIs: Das Tool DocSearch ermöglicht das Hinzufügen einer Suche zur eigenen Dokumentation, ohne dass Nutzer dabei auf das zugehörige API zugreifen müssen.

Aber auch Medienunternehmen wie etwa die New York Times oder Marvel setzen bereits seit einigen Jahren auf APIs: Die NYT stellt derzeit zwölf APIs zur Verfügung, mit deren Hilfe sich beispielsweise die Bestsellerliste durchsuchen oder Leserkommentare und Filmbesprechungen abrufen lassen. Das Marvel Comics API ermöglicht den Zugriff auf offizielle Daten aus über 70 Jahren Marvel-Comics.

Non-Developer sind die neuen API-Evangelisten

Nicht nur Produkte werden von APIs beeinflusst, sondern auch die Art und Weise, wie das API selbst vermarktet wird und wie Unternehmen Kunden akquirieren. So übernehmen zum Beispiel einige Firmen Tools wie etwa Clearbit, nachdem nicht etwa das Dev-Team, sondern Sales oder Marketing es angeschafft haben. Denn API-Marketing/-Akquisition meint vor allem, einen Mehrwert für Non-Developer zu schaffen und sie als „interne Evangelisten“ einzusetzen. APIs erreichen Non-Developer-Nutzer dort, wo sie sich bereits auskennen und sich sowieso schon bewegen – auf Interface-Ebene.

Denn zur Bedienung eines Interfaces braucht es kein tief gehendes technologisches Know-how, sondern vielmehr ein Verständnis davon, was man damit erreichen möchte. Drückt man beispielsweise auf einen Fahrstuhlknopf (das Interface), will man, dass der Fahrstuhl zu einem kommt. Welche Technologie dahinter steckt, ist dabei erst einmal egal. Das lässt sich im Prinzip eins zu eins aufs Web übertragen. Non-Developer wissen aus ihrer täglichen Erfahrung auch oft besser als Entwickler selbst, welches Feature eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Lösungen wäre. Allerdings müssen die APIs natürlich auch die Entwickler überzeugen, denn diese bleiben die Schlüsselfigur dieser Produkte.

APIs für alle, Vorteile für alle

Durch die Integration von geeigneten APIs in den eigenen Geschäftsprozess lassen sich eigene Produkte und Dienstleistungen besser vermarkten, da sie dadurch einen zusätzlichen Wert verliehen bekommen. Gerade für die Medienbranche ist der Einsatz von APIs sinnvoll, da mit diesen der eigene Content besser gefunden werden kann. Der beste Content nutzt nichts, wenn er nicht sichtbar ist. Und auch der Nutzer profitiert: Zusätzliche Funktionen und leichter auffindbare Informationen tragen zu einer positiven User Experience bei.

Außerdem kann ein API-Programm dabei helfen, die Distribution von Inhalten auf andere Plattformen zu beschleunigen. Auch die Bedeutung von Hackathons im Umfeld von API-Angeboten ist nicht zu unterschätzen: Zum einen pflegt man so das Verhältnis zur Entwickler-Community, aber vor allem entsteht im Rahmen solcher Events ein großer Wissensschatz, der dem eigenen Unternehmen/Produkt wieder zugute kommt.

Think about what the web was like when only developers were using it way back in the day, and what it is like now with EVERYONE using it. Now think about what has happened during the last 10 years with only developers using APIs, now think about the opportunity when EVERYONE is using APIs.

 

Aufmacherbild: API concept with smartphone on white table von Shutterstock / Urheberrecht: Melpomene

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