Bildrechte im Internet: Gut geklaut ist auch gestohlen
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Selbst bei vielen Nutzern, die aus beruflichen Gründen auf Bildmaterial angewiesen sind, wie etwa Blogger, herrscht oft große Unsicherheit: Dürfen Inhalte, die im Netz gefunden werden, verbreitet, bearbeitet oder sonst irgendwie verwendet werden? Folgender Artikel soll Licht in den Internetbilderdschungel bringen, Klarheit im Umgang mit Bildern im Web schaffen und Lösungsvorschläge bieten.

Laut einer Studie von Scoop.Intel.com [1] werden innerhalb einer Minute rund 3 000 neue Bilder ins Internet hochgeladen. Wer also ein passendes Bild für die eigene Website sucht, wird im Netz schnell fündig. Das breite Angebot an scheinbar kostenlos verfügbaren Bildern hat jedoch dazu geführt, dass sich bei manchen Usern eine Umsonst-Mentalität im Umgang mit Onlineinhalten eingebürgert hat. Entsprechend groß ist dann die Ernüchterung, wenn kostspielige Mahnungen ins Haus flattern, weil man etwa ein Bild unerlaubt genutzt oder den Urheber nicht zitiert hat.

Die Fälle von Abmahnungen wegen Urheberrechtsverstößen häufen sich, und so manch eine Anwaltskanzlei hat sich hierzulande darauf spezialisiert, Urheberrechtsverstöße ihrer Mandanten ausfindig zu machen und diese gewinnbringend abzumahnen. Dabei ist doch das Internet heute ein realer Topos unserer Gesellschaft, in dem Gedanken- und Ideenaustausch stattfindet. Die starke Ausdruckskraft von Bildern überwindet dabei Sprachbarrieren und macht Inhalte für jeden zugänglich. Gerade deshalb darf das Internet nicht zur rechtsfreien Zone werden. Künstler und ihre Werke müssen geschützt werden – aber wie? Vor diesem Hintergrund bemüht sich der Gesetzgeber schon seit Jahren, adäquate Regelungen zu finden, die einerseits die Urheberrechte schützen sollen, ohne andererseits gleichzeitig das Internet zu zensieren.

Rechtliche Situation

Bevor wir uns die einzelnen Möglichkeiten der rechtssicheren Beschaffung und Verwendung von Bildern ansehen, müssen wir uns einen kurzen Überblick über den gesetzlichen Schutz von Bildern verschaffen. Grundsätzlich regelt hierzulande das Urheberrechtsgesetz (UrhG) den Umgang mit Bildrechten. Hierin wird zwischen den Verwertungsrechten und den Persönlichkeitsrechten unterschieden:

Die Verwertungsrechte sind in § 15 UrhG im Einzelnen aufgelistet. Ferner werden in §§ 16 ff. UrhG die Umstände beschrieben, unter denen die einzelnen Bilder verwertet, vervielfältigt, verbreitet und veröffentlicht werden dürfen.

§ 13 UrhG regelt unter anderem, dass Werke ohne die Einwilligung des Schöpfers grundsätzlich nicht entstellt werden dürfen und die Persönlichkeitsrechte des Urhebers, zum Beispiel mit einer Namensnennung, gewahrt werden müssen.

Bei der Verwendung von fremden Bildern müssen die Spielregeln eingehalten werden

Die Spielregeln beachten!

Was also tun, wenn man fremde Bilder im Internet, zum Beispiel für die Gestaltung der eigenen Webseite, verwenden will, ohne sich gleich auf juristisches Glatteis begeben zu wollen? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, an kostenlose oder kostenpflichtige Bilder im Internet zu kommen. Dabei gelten aber individuelle Spielregeln: Wer sie kennt, kann sie befolgen, und wer sie befolgt, kann sich ruhigen Gewissens kreativ austoben.

Creative Commons

Eine Möglichkeit bieten so genannte Creative-Commons-Bilder. Dabei steht Creative Commons (CC) [2] nicht etwa für eine Lizenz, sondern vielmehr für eine Non-Profit-Organisation, die 2001 in den USA gegründet wurde und Urhebern von Fotos und Bildern bei der Veröffentlichung ihrer Werke in digitalen Medien eine Hilfestellung bieten soll. Bei der CC-Lizenz spricht man von einer so genannten „Jedermannslizenz“, die allen, die sich an die jeweiligen CC-Regeln halten, zusätzliche Verwendungsfreiheiten an dem Bild einräumt, als sie ohnehin durch das Urheberrechtsgesetz erlaubt sind. Der Urheber kann damit entscheiden, dass andere Menschen sein Werk nutzen dürfen, ohne dass sie vorher erst um Erlaubnis fragen müssen.

Die einzelnen Bilder werden dabei mit standardisierten CC-Lizenzen gekennzeichnet, mit denen man unter anderem festlegen kann, ob Bilder verändert oder für kommerzielle Zwecke genutzt werden dürfen. Grundsätzlich gilt: Der Name des Urhebers muss immer genannt werden. Darüber hinaus sind folgende Konstellationen möglich, die durch entsprechende Symbole oder Abkürzungen gekennzeichnet werden:

© Software & Support Media

© Software & Support Media

Sollte demnach ein Unternehmen für seinen Internetauftritt einen Ausschnitt eines CC-Bildes verwenden wollen, muss es also darauf achten, dass es den Namen des Urhebers angibt (Abkürzung: by), und dass das Bild auf keinen Fall den Hinweis „nicht Verändern“ (nd) oder „nicht kommerzielle Nutzung“ (nc) trägt.

Das Bastardproblem

Ein Problem des CC-Regel-Baukastens ergibt sich, wenn zum Beispiel zwei Werke, die man offiziell abwandeln darf, die aber unter denselben Bedingungen verbreitet werden müssen (sa), miteinander kombiniert werden ‑ das so genannte Bastardproblem. Mit welcher CC-Lizenz muss in diesem Fall gekennzeichnet werden, wessen Name genannt wird? Die kreative Freiheit des Nutzers wird hier stark beeinträchtigt und Unsicherheit stellt sich ein – etwas, das die Macher von CC eigentlich vermeiden wollten.

Grundsätzlich muss jedem Nutzer bewusst sein, dass Creative Commons keine Alternative zum Urheberrecht darstellt, denn wenn man sich als Verwender nicht an die jeweilige CC-Lizenz-Regel hält oder der Name des Urhebers wegen eines Tippfehlers falsch zitiert wird, kann sich dieser auf das Urheberrechtgesetz berufen und den Nutzer abmahnen.

Creative Commons Zero

Einen Sonderfall der Creative-Commons-Bilder bildet die so genannte CC-Lizenz „Zero“, die mit einer durchgestrichenen Null ausgewiesen ist. Diese deklariert so genannte gemeinfreie Bilder, die keinem Kopierrecht unterliegen und daher kostenlos verändert oder unverändert, kommerziell, ohne Quellenangabe genutzt werden können.

Gemeinfreiheit vs. Public Domains

Unter gemeinfreien Bildern versteht man Abbildungen von Gemälden, Fotografien oder anderen meist historischen Bildern, die sowohl für private als auch für kommerzielle Zwecke kostenlos genutzt werden können, ohne dass eine Quelle angegeben werden muss. Das deutsche Urheberrecht schützt gemäß § 64 UrhG die Rechte von Künstlern bis 70 Jahre nach ihrem Tod. Damit soll das finanzielle Auskommen der Hinterbliebenen des Künstlers gesichert werden. Nach Ablauf dieser Frist wird das Werk gemeinfrei und unterliegt keinem Urheberrecht mehr.

Fälschlicher Weise werden die Begriffe „Gemeinfreiheit“ und „Public Domain“ oft in einem Atemzug genannt und deshalb gleichgesetzt. Dabei muss aber zwischen dem deutschen und dem angelsächsischen Recht unterschieden werden.

Untrennbares Band

Nach deutschem Recht ist das „Band zwischen dem Urheber und seinem Werk untrennbar“ [3]. Das bedeutet, dass ein Urheber grundsätzlich nicht auf seine Urheberrechte verzichten kann. Er kann natürlich im Einzelfall darauf verzichten, seine Rechte geltend zu machen. In den USA sieht die Rechtslage jedoch anders aus. Dort können zum Beispiel Fotografen noch zu Lebzeiten entscheiden, ihre Rechte an einem Werk zum Wohle der Allgemeinheit abzutreten. Daraus kann sich aber für deutsche User folgende Konstellation ergeben: So kann zum Beispiel ein Bild, das in den USA als gemeinfrei ausgewiesen ist, in Deutschland noch durch das Urheberrechtsgesetz geschützt sein, weil der Urheber noch am Leben ist.

Jedoch gilt auch hier die Regel: „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass ein Urheber, der sein Werk in den USA als Public Domain deklariert hat, ausgerechnet in Deutschland auf Jagd nach Urheberrechtsverstößen geht – auch wenn er es theoretisch könnte. Deshalb ist auch hier Vorsicht angesagt, wenn Sie Bilder auf Ihrer Website veröffentlichen wollen.

Gemeinfreie Bilder in guter Qualität finden sich unter anderem bei pixabay.com.

Stockfotos

Im Internet findet sich eine Reihe von Bilderagenturen, die kostenpflichtige Bilder in großen Onlinearchiven anbieten. Dabei wird grundsätzlich zwischen so genannten lizenzpflichtigen Bildern, auf Englisch „rights managed“ (RM) und lizenzfreien Bildern, „royalty free“ (RF), unterschieden.

Bei lizenzierten Bildern, die zum Beispiel bei Gettyimages.com oder Corbis.com angeboten werden, handelt es sich häufig um aktuelle Aufnahmen in guter Qualität, die gegen eine Nutzungsgebühr einmalig verwendet werden dürfen. Dabei müssen die individuell geregelten Zitierweisen vom Nutzer der Bilder beachtet werden.

Der Erwerb von Bildlizenzen ist nicht mit einem gewöhnlichen Einkauf zu vergleichen

Geistiges Eigentum kauft man nicht im Supermarkt

Der Begriff „lizenzfreie Bilder“ suggeriert zunächst, dass es sich hier um eine weniger strenge Art der Stockfotos handelt. Der Unterschied zu lizenzierten Bildern, die sich unter anderem auf Portalen wie pixelio.de, istockphoto.com oder fotolia.com finden, ist, dass für lizenzfreie Bilder nur einmal bezahlt wird und die Bilder anschließend unbegrenzt oft verwendet werden dürfen – wohlgemerkt unter Verwendung der vertraglich vereinbarten Zitierweise. Denn gerade viele Kunden von lizenzfreien Stockfotos wähnen sich mit dem Kauf der Bilder in Sicherheit und vergessen bei der Nutzung der Werke die vereinbarte Zitierweise oder gehen damit

salopp um, nach dem Motto „Hab ich doch gekauft, also gehört es mir, und ich mache damit was ich will“. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn geistiges Eigentum lässt sich nicht mit einem Einkauf im Supermarkt vergleichen. Auch hier schützt das Urheberrechtgesetz bei falscher oder gar fehlender Namensnennung die Rechte des Schöpfers.

Manche Fotografen nutzen diese Arglosigkeit der Nutzer aus und stellen gezielt Bilder auf Stockfoto-Portale ein, um im Fall einer falschen Zitierweise durch Abmahnungen Geld zu verdienen. Während sich das Geschäft mit lizenzfreien Stockfotos für die meisten Hobbyfotografen wenig lohnt, kann man mit einer einzigen Abmahnung mehrere Hundert Euro herausschlagen. Also: Aufpassen und immer richtig zitieren!

Bei lizenzfreien Bildern muss grundsätzlich der Name des Autors, beziehungsweise des Fotografen vorzugsweise direkt unter dem Bild, genannt werden und der Name des jeweiligen Anbieters, gegebenenfalls unter dem Bild oder im Impressum (Vorsicht: unbedingt auf korrekte Schreibweise des Namens achten!).

Grundsätzlich gilt es, beim Erwerb von Fotolizenzen die Nutzungsbedingungen aufmerksam zu lesen. Sollten sie nicht klar sein, unbedingt nachfragen und die Regeln bei jeder Verwendung der jeweiligen Bilder befolgen. So bleibt man immer auf der sicheren Seite.

Auf Abmahnungen reagieren

Wie bereits oben erwähnt, verstößt bei der Verwendung eines fremden Bildes bereits eine fehlende Namensnennung des Urhebers gegen § 13 UrhG und kann somit vom Urheber abgemahnt werden. Grundsätzlich sollte man als Abgemahnter in einem solchen Fall nicht untätig bleiben, denn es könnte durchaus passieren, dass der Anwalt des Urhebers versucht, eine kostenintensive einstweilige Verfügung gegen den Beschuldigten vor Gericht durchzusetzen. In der Regel ist der Abmahnung eine vorformulierte Unterlassungserklärung beigefügt. Diese sollte man aber nicht sofort unterschreiben, sondern stattdessen mit dem Schreiben zu einem Anwalt gehen und sich beraten lassen.

Ausblick

Welche Zukunft hat angesichts der momentanen Problematik das Urheberrecht in seiner jetzigen Form? Till Kreutzer, Experte für Urheberrecht vom Institut für Rechtsfragen der Freien und Open Source Software (ifrOSS) in Berlin, ist der Meinung, dass das Urheberrecht eine wichtige Funktion besitzt. „Allerdings wurde es unter anderen Umständen geschaffen, und seine Auswirkungen haben sich seither erheblich verbreitert. Früher waren nur Profis mit dem Urheberrecht befasst, heute geht es annähernd jeden an.

Daher muss das Urheberrecht dringend geändert werden.“ Doch in welche Richtung sollten die Modifikationen gehen? Wie kann der private Anwender besser geschützt werden? „Ein wesentlicher Baustein solcher Veränderungen liegt darin, die Privatnutzer wieder aus dem Urheberrecht herauszuhalten. Es wäre sinnvoll, sie für ihre Handlungen pauschal bezahlen zu lassen, damit die Urheber und Rechteinhaber hierfür vergütet werden“, so Kreutzer. Im Gegenzug sollten die Handlungen der Privatnutzer aber legal sein, damit sie nicht mehr ständig abgemahnt und verklagt werden können: „So war es vor dem Internet und so sollte es auch zukünftig wieder sein.“

Bleibt zu hoffen, dass der Gesetzgeber die bestehenden Defizite des derzeit gültigen Urheberrechts schnellstmöglich behebt, damit endlich Rechtssicherheit für jedermann besteht.

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