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Build or Buy: Was ist das beste Shop-System?
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Off-the-Shelf oder Custom-Built – That’s the question. Zu welchem Shop-System man greift, hängt von viele Faktoren ab. Wo liegen aber die Vor- und Nachteile und wie finde ich das beste System für meinen eigenen Shop?

Wer einen Online-Shop betreibt oder launchen möchte, der muss sich zunächst einmal auf die Suche nach dem passenden Shop-System machen. Hier stellt sich nun die Frage: Was passt besser zu meinem Unternehmenskonzept? Greife ich zu einem Off-the-Shelf System oder nutze ich ein eigens für mich kreiertes Custom-Built System? Je nach Größe des Unternehmens, Geschäftskonzept und Ausrichtung oder Produktpalette haben die beiden Systeme jeweils Vor- und Nachteile.

Bevor man sich überhaupt mit der Wahl des richtigen Systems befasst, sollte man sich zunächst einmal überlegen, was das System eigentlich alles können muss und wofür es überhaupt verwendet werden soll. Ziel ist es schließlich, alle nötigen Features griffbereit zu haben, um das bestmögliche aus dem Shop rauszuholen.

Was soll mein Shop-System können?

Auf der technologischen Seite müssen die ganzen Prozesse im System sicher und ohne Abbruch ablaufen, damit die Kunden ohne Probleme ihren Kauf abschließen können. Hier ist es besonders wichtig, dass Warenkorb und Zahlungssysteme einwandfrei implementiert sind.

Des Weiteren kann ein gutes Shopsystem die Buchhaltung immens erleichtern, indem es die Kunden- und Produktdaten optimal aufbereitet. Vielleicht ist sogar eine Integration in schon bestehende Systeme wie SAP sinnvoll.

Wenn ihr in eurem Online-Shop Waren vertreibt, sollte euer Shopsystem euch einen Überblick über die Lagerbestände geben. So könnt ihr rechtzeitig nachbestellen oder –produzieren und es ist immer gewährleistet, dass noch genug Produkte vorrätig sind. Eine schnelle Lieferung gehört schließlich auch zum guten Service dazu.

Auch beim Customer Management kann euch ein Shopsystem behilflich sein. Gerade bei Waren, die man häufiger bestellt, kann ein guter Kundenservice dazu führen, dass Kunden wieder zurückkehren und erneut bei euch einkaufen. Features für Livechats, Reklamations-Management oder Rücksendungen sind hier hilfreich.

Vor allem größere Shops setzen oft auf Marketing-Aktionen und arbeiten mit Gutscheinen oder Rabatt-Codes. Auch hier wollen spezifische Features im System angelegt sein, in denen auf der einen Seite der Kunde seinen Rabatt anfordern kann und auf der anderen Seite dieser mit der Bestellung weiterverarbeitet werden kann.

Suchmaschinen sind die Hauptkanäle, durch die Kunden ihren Weg in den Shop finden und so ist eine gute SEO-Optimierung von essentieller Bedeutung. Auch hier kann das Shopsystem helfen, indem zum Beispiel eine SEO-Ampel beim Anlegen der Artikel hilft und Aufschluss darüber gibt, ob man noch mal einen Blick auf die Keywords werfen sollte.

Zuletzt ist es gerade bei jungen Web-Shops und Startups wichtig, die Verkäufe und Fortschritte für eventuelle Investoren zu dokumentieren. Das kann aber auch für’s eigene Bookkeeping nützlich sein. Erstellt das Shopsystem automatisch Reportings, ist auch diese Arbeit schnell erledigt.

Keine Kosten für Developer mit Off-the-Shelf

Off-the-Shelf-Lösungen werden von fast allen Webshops genutzt. Bekannte Systeme sind zum Beispiel WordPress, Drupal, Joomla, Mambo oder auch osCommerce. Diese Shop-Systeme werden von vielem Webshops auf dem Markt genutzt. Sie sind also praxiserprobt, funktionieren gut und haben sich einfach in zahlreichen Anwendungsgebieten schon bewährt. Die Software muss also nicht ständig überarbeitet oder angepasst werden und ist somit schlichtweg mit weniger Aufwand verbunden.

Dieser geringere Aufwand schlägt sich natürlich auch auf die Kosten nieder. Die Off-the-Shelf Programme müssen zwar erst einmal gekauft werden, dafür fallen aber keine Kosten für Entwickler an, die das Programm erst schreiben und im Anschluss weiter betreuen. Das System updated sich einfach selbst und so arbeitet man immer mit Software, die auf dem neusten Stand ist. Die Entwickler sind zunächst einmal sehr schwer zu finden, zum anderen sind die Gehälter für gute Developer zur Zeit ziemlich hoch, was dem akuten Mangel auf dem Arbeitsmarkt geschuldet ist.

Off-the-Shelf – keine Kontrolle über Daten

Wenn ich ein Off-the-Shelf System nutze, bin ich abhängig und auf den verschiedensten Ebenen verknüpft mit diesem Softwareunternehmen. Dies hat zum Beispiel Auswirkungen auf die Datenbanken, denn die Kunden- oder Produktdaten gehören nicht wirklich dem Shopbetreiber selbst, sondern werden von dem jeweiligen Softwareunternehmen verwaltet.

Damit hat dieses prinzipiell Zugriff auf alle Kreditkarten- und Rechnungsdaten, Bestell- und Lagerdaten. Ob man allerdings selbst die Daten nutzen, diese exportieren und analysieren kann, ist die Frage, die sich hier stellt, denn der Shop-Betreiber hat in den meisten Fällen keine Ahnung wie und wo die Shop-Daten verwaltet werden, in welchem Format sie vorhanden sind. Je nach Funktion, die einem das Off-the-Shelf System liefert ist dies möglich oder eben nicht.

Auch was die Datensicherheit angeht ist man vollständig abhängig von dem Unternehmen, denn was wenn plötzlich alle Daten verloren sind? Gibt es überhaupt ein Sicherheits-Backup? Wurde die Datenbank gehackt und sind die Daten zum großen Ärger der Kunden in die falschen Hände geraten? All diese Dinge müssen berücksichtigt werden, wenn man die Kontrolle über seine Daten aus der Hand gibt.

System-Integration von Off-the-Shelf

Manchmal ist es schwierig, die Off-the-Shelf Systeme in die schon bestehende Infrastruktur zu integrieren. Verwendet man zum Beispiel schon ein bestimmtes Customer Relationship System oder eine Software für das Controlling oder die Verwaltung des Vertriebs und der Lagerbestände, kann man nur hoffen, dass das gekaufte Shopsystem diese schon vorhandene Software auch unterstützt. Ansonsten kann es mit viel Aufwand verbunden sein, die schon bestehenden Arbeitsprozesse umzustellen.

Limitierte Funktionen bei fertigem Shop-System

Auch was die Features und Funktionen angeht, kann die Abhängigkeit von dem Betreiber des Off-the-Shelf Systems mit Unannehmlichkeiten verbunden sein. Wenn ich für meinen Shops bestimmte Features haben möchte, vielleicht eine neue Zahlungsmethode oder einen Live-Chat einrichten möchte, so bin ich immer davon abhängig, dass diese Funktion auch unterstützt wird. Hierfür kann der Anbieter im Zweifelsfall eine zusätzliche Gebühr erheben, die man entweder zahlen muss oder man bekommt das Feature eben nicht. Was die Updates angeht, so ist es zwar sehr praktisch, dass man sich nicht selbst um die Softwareaktualisierung kümmern muss, trotzdem muss man aber darauf warten, wann die Aktualisierung kommt und hat keinen Einfluss darauf, welche Bugfixes oder Neuheiten das Update mit sich bringt.

Zusätzliche Gebühren

Je nach Anbieter können auch die Off-the-Shelf Systeme nachhaltig Kosten verursachen. Manche verlangen zum Beispiel Gebühren für bestimmte Dienste oder die Implementierung von Plugins oder Personalisierungen. Andere monetarisieren sich durch Abgaben, die die Shop-Betreiber prozentual von ihrem Umsatz an das Softwareunternehmen abgeben müssen. Auch diese Kosten sollte man nicht unterschätzen. Besonders ärgerlich wird es, wenn man eine Wechselgebühr zahlen muss. Diese kann recht hoch ausfallen, so dass es sich teilweise einfach nicht rentiert, den Software-Anbieter zu wechseln, auch wenn man eigentlich nicht mit den Leistungen zufrieden ist.

Custom-Built flexibel individualisierbar

Die Alternative hierzu ist das Custom-Built System, das extra für einen bestimmten Shop entwickelt wird. Mit diesen Systemen arbeiten vor allem die großen Player auf dem Webshop-Markt wie Amazon und Co. Da dieses System quasi aus dem nichts kommt, kann es flexibel auf die Bedürfnisse des Webshop-Betreibers angepasst werden und mit der schon bestehenden Infrastruktur kombiniert werden.

Kontrolle über Daten behalten

Auch was die Daten angeht, bietet ein Custom System jegliche Form des Data-Tracking. So kann man die verschiedensten Kundeninformationen sammeln und hat natürlich auch jederzeit Zugriff auf alle Daten. Hier kann man natürlich auch jede Analytics-Implikation anwenden, um die Daten anschließend auszuwerten. Das gibt wiederum wertvolle Erkenntnisse, um den Shop an anderer Stelle zu optimieren. Man hat 100 Prozent der Kontrolle über die eigenen Daten, kann sie absichern und abspeichern wie und wo man möchte, und kann volle Verantwortung für diese übernehmen.

Außerdem kann man das System so bauen, dass es jede Marketing-Form unterstützt oder mit jeder anderen Software kompatibel ist. Kurzum: es lassen sich sämtliche Features implementieren, die man irgendwie braucht und man kann diese jederzeit individuell anpassen, auch wenn man seine komplette Shop-Strategie umändert.

Außerdem praktisch: Ein eigenes System lässt sie weiter monetarisieren, indem man es lizensiert und auch anderen Shops zur Verfügung stellt.

Welches Shop-System ist das richtige?

Wie also entscheide ich, welches System das Beste für meinen eShop ist?? Der CEO des Berliner Startups Wummelkiste gibt folgenden Tipp: die SWOT Analyse, ein altbewährtes Mittel aus der BWL. Was sind die Strengths, Weaknesses, Opportunities und potentielle Threats, die mit jedem der beiden System-Typen einhergehen? Nach der Analyse wird sich eine als die bessere Möglichkeit herauskristalisieren.

Häufig gibt es sogar einen ganz entscheidenden Dealbreaker, der einem die Entscheidung abnimmt. Bei vielen kleineren Shops dürfte der Mehrkostenaufwand sein, der mit dem Custom-Built System einhergeht oder die speziellen Features, die man nur in einem spezifischen Shop-System bekommt.

Features unterschiedlich priorisieren

Außerdem ist es immer sinnvoll, die Features und Funktionen, die man benötigt in „must have“, „should have“ und „nice to have“ zu unterscheiden. „Must haves“ können zum Beispiel eine Katalog-Funktion, Content Pages, der Warenkorb, das Lieferformular und die Bezahlfunktion sein. Auch sollte man berücksichtigen, inwieweit man den Shop auch optisch individualisieren möchte, ob einem die Off-the-Shelf Lösungen die nötigen Freiheiten hier lassen oder ob die mitgelieferten Templates hier ausreichend sind.

Hat man alle Ansprüche gesammelt, kann man sich ein Angebot einholen, wie viel das optimale Shop-System kosten würde. Auf dieser Basis lässt sich eine Entscheidung treffen, ob alles so passt, ob man bereit ist, Abstriche zu machen oder ob es sich vielleicht doch lohnt, ein Custom-Built-System entwickeln zu lassen.

Aufmacherbild: Thoughtful brutal man and lighting arrows on wood wall via Shutterstock / Urheberrecht: Sfio Cracho

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