Ein bisschen BWL hilft bei der Softwareentwicklung

Business-Wissen für Informatiker
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Verwaltungsfragen, Finanzen und Marketing, das sind nicht die beliebtesten Themen unter Informatikern. Immerhin haben sie meistens nur damit zu tun, wenn der Chef mal wieder die Deadline für das Projekt verkürzt oder ein bestimmtes Feature in den Vordergrund stellen möchte. Ein gewisses Grundwissen in Wirtschaftsdingen kann allerdings auch Entwicklern dabei helfen, ihre Projekte zum Erfolg zu führen.

Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Motivation. Motivierte Mitarbeiter leisten die beste Arbeit, daran besteht kein Zweifel. Wie hält man allerdings die Motivation hoch? Im Studium der Informatik lernt man darüber nicht allzu viel; wer BWL studiert hat, kennt sich schon besser aus. So ist beispielsweise eine klare Zielsetzung für Mitarbeiter wichtig. Sie müssen wissen, wozu ihre Aufgabe im großen Projektkontext dient. Ist das nicht der Fall, wird ihre Arbeitsleistung immer weiter nachlassen.

Probleme erkennen und lösen

Wer hier um die potenziellen Stolpersteine weiß, kann selbst etwas dazu beitragen, dass es im Team gut läuft. Klare Absprachen und eine gute Kommunikation über die anstehenden Aufgaben können einen ganz direkten Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiter haben. Oder wie wäre es mit einem kleinen, internen Wettkampf, wer den besten Code schreiben kann? Auch das kann durchaus hilfreich sein.

Kommunikation ist allerdings häufig nicht die größte Kompetenz von Softwareentwicklern. Natürlich steht es nicht ganz so schlimm um die Soft Skills von Programmierern, wie das Klischee behauptet. Dennoch haben viele Entwickler hier Nachholbedarf. So kann die Einführung regelmäßiger, gut vorbereiteter Meetings schon einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass ein Team besser zusammenarbeitet. Doch auch die Gestaltung von Meetings will gelernt sein. Eine richtige Agenda ist wichtig, diese muss allen Beteiligten im Vorfeld bekannt sein und Diskussionen dürfen nicht ausarten. Nur dann können alle davon profitieren.

Wirtschaftliche Entscheidungen

Auch bei Entscheidungen über die Projektentwicklung kann es helfen, ein paar wirtschaftliche Grundkenntnisse mitzubringen. Am Ende soll das Projekt ja den eigenen Lohn zahlen und dafür muss es genug Einnahmen generieren. Damit das funktioniert, müssen die richtigen Features eingebaut werden. Immer wieder kommt es aber vor, dass Entwickler unzufrieden damit sind, welche Funktionen das Management ins Zentrum der Entwicklung stellt. Wer weiß, welche Interessen dahinter stehen, kann fundierter Einfluss auf solche Entscheidungen nehmen – oder sie leichter akzeptieren.

Andererseits ist Akzeptanz aber keine Einbahnstraße. Nicht nur Entwickler müssen verstehen, was das Management von ihnen verlangt – auch der Chef muss sich darauf einstellen, dass Informatiker nicht BWL studiert haben. So sind kurzfristige Änderungen an Projekten aus Management-Sicht vielleicht eine gute Idee, wenn sie mehr Profit versprechen. Bringen sie allerdings zu viel Unruhe ins Team, sollten Chefs genau darüber nachdenken, ob das unbedingt notwendig ist.

Gegenseitigkeit ist wichtig

Die Frage des Auslieferungsdatums eines Projekts sollten Manager nie alleine beantworten. Während sie sehen, was wirtschaftlich wichtig ist, können nur die Entwickler selbst beurteilen, wann ein Produkt wirklich fertig ist. Fehlerhafte Anwendungen sind nämlich am Ende weder für die Entwickler noch für das Management zufriedenstellend.  Hier braucht es gegenseitiges Verständnis.

Am Ende lassen sich wirtschaftliche Fragestellungen nie ganz von der Arbeit der Entwickler trennen. Zu einem erfolgreichen Projekt gehören beide Seiten und noch viel mehr. Wer sein Projekt also wirklich verstehen oder sogar selbst managen möchte, sollte über den Tellerrand der Programmiersprachen hinausschauen.

Aufmacherbild: Back view of businessman drawing sketch on wall via Shutterstock.com / Urheberrecht: Sergey Nivens

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