Kleinanlegerschtzgesetz

Crowdinvesting braucht nicht mehr Regulierungen
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Brauchen Crowdinvesting-Plattformen mehr Reglementierungen? Der Hightech-Verband Bitkom hat über 130 Investoren zu diesem Thema befragt.

Die Antwort ist eindeutig: Nutzer von Crowdinvesting-Plattformen im Internet fühlen sich über Chancen und Risiken ihrer Geldanlage in Startups gut informiert und halten eine stärkere Reglementierung von Investitionen durch die Politik für unnötig.

Investoren kennen die Risiken beim Crowdinvesting

Ganze 90 Prozent der befragten Crowdinvesting-Nutzer geben an, dass die Projekte auf den Plattformen transparent vorgestellt wurden. Von diesen halten sich sogar 62 Prozent für besser informiert als bei klassischen Investitionen, etwa bei Banken. Gerade einmal 8 Prozent fühlen sich schlechter informiert. Praktisch alle Crowdinvestoren (98 Prozent) sind sich über das Risiko bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Geldes im Klaren. Und 95 Prozent möchten auch künftig einen Teil ihres Geldes auf diese Weise investieren.

„Die Zahlen belegen eindeutig: Es ist nicht notwendig, Crowdinvesting in Deutschland stärker zu reglementieren. Die im Kleinanlegerschutzgesetz vorgesehenen bürokratischen Regelungen sind überflüssig und würden Crowdinvesting in Deutschland nur unattraktiv machen“, sagt BITKOM-Vizepräsident Ulrich Dietz.

Kleinanlegerschutzgesetz: zu viel Bürokratie

Kürzlich hat das Bundeskabinett das sogenannte Kleinanlegerschutzgesetz beschlossen. Ziel ist es, Kleinanleger bei Investitionen besser zu schützen. Das Gesetz sieht zwar für Crowdfinanzierung Ausnahmen vor, diese reichen aber aus Sicht des BITKOM nicht aus.

Sie gelten beispielsweise nur bis zu einer Gesamtfinanzierungsumme von 1 Million Euro. Einzelinvestoren dürfen sich nur mit 1.000 Euro beteiligen, eine Obergrenze von maximal 10.000 Euro soll nur bei entsprechenden Vermögens- oder Einkommensnachweisen gelten.

Wohl am meisten kritisiert und belächelt wurde, dass Anleger ein Informationsblatt ausdrucken und dies unterschrieben an die Crowdinvesting-Plattform zurücksenden müssen das die Einkommensverhältnisse der Investoren offenlegt.

Drei Viertel der Crowdinvesting-Investoren (74 Prozent) erklären, dass sie ihre Einkommensverhältnisse gegenüber der Plattform oder dem Startup nicht offenlegen wollen. Das bedeutet, sie dürfen künftig maximal 1000 Euro in ein Projekt oder Startup investieren. Gerade einmal 12 Prozent wären zu dieser Offenlegung bereit.

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Investoren haben in der Vergangenheit bereits Summen von mehr als 1000 Euro investiert. 5 Prozent aller Befragten haben sogar schon einmal mehr als 10.000 Euro für ein einzelnes Investment eingesetzt.

Ausdrucken, unterschreiben, per Post einsenden

Auch die Tatsache, dass das Informationsblatt ausgedruckt und per Post eingesandt werden muss, wird als absolut nicht zeitgemäß gesehen und verkompliziere nur den bürokratischen Aufwand, zumal Crowdinvesting-Plattformen meistens Online-Plattformen sind und die Abwicklung per E-Mail wesentlich effizienter wäre.

Nur jeder Vierte (26 Prozent) wäre bereit, das vorgeschriebene Informationsblatt auszudrucken und unterschrieben zurückzusenden. Jeder Zweite (48 Prozent) hält das für zu aufwändig. 17 Prozent wären dazu gar nicht in der Lage – sie besitzen überhaupt keinen Drucker.

Darüber hinaus dürfen die Startups ebenso wie die Anleger nur sehr beschränkt im Internet um Investoren werben.

„Das geplante Kleinanlegerschutzgesetz macht Crowdinvesting bürokratisch, langsam und unattraktiv. Bundesrat und Bundestag sind jetzt aufgerufen, diese überflüssigen Änderungen zu stoppen. Alle diese neuen Vorschriften verbessern die Finanzierungssituation von Startups nicht, sondern es würde hierzulande schwerer, Geld bei Kleinanlegern einzusammeln“, so Dietz. „Crowdinvesting muss von den bürokratischen Regelungen des Kleinanlegerschutzgesetzes in deutlich größerem Umfang als bisher vorgesehen ausgenommen werden.“

Zur Studie

Grundlage der Angaben ist eine Blitzumfrage unter 186 Nutzern von Crowdinvesting-Plattformen, von denen 133 bereits online investiert haben.

 

Aufmacherbild: messy file folders, fictional labeling, bureaucracy concept via Shutterstock / Urheberrecht: Thomas Bethge

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