E-Mail-Vermittlungsservice

E-Mail-Anfragen gegen Gebühr: Ein neues Geschäftsmodell?
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Ein überfülltes Postfach, dutzende unsachliche Anfragen sowie nervige Werbeschreiben später hilft nur ein weiterer Spam-Filter – oder man lässt sich seine E-Mail-Anfragen einfach bezahlen. Ein Bezahlservice bietet die Möglichkeit, die Vermittlung an einen Empfänger gegen eine Gebühr vorzunehmen. Verlage, Experten und andere Dienstleister könnten damit ihr Postfach in den Griff bekommen und sich etwas dazu verdienen.

E-Mails bleiben trotz Social Media und Messenger Boom der letzten Jahre weiterhin eines der wichtigsten, digitalen Kommunikationsmittel – im Alltag wie auch im Beruf. Ein Blick ins eigene Postfach genügt oft, um zu der Überzeugung zu gelangen, dass manch einer die E-Mail sogar zu wichtig nimmt. Vor allem im Berufsleben werden viele von Anfragen überhäuft, worunter es sinnvolle wie auch indiskrete Mails gibt, von denen letztere nicht durch einen Spam-Filter abgefangen wurden. Während sich einige Unternehmen seit Jahrzehnten ihren Telefonservice bezahlen lassen, ist eine kostenpflichtige Antwort per Mail bisher die Seltenheit. Wenn es nach dem Bezahldienstanbieter wrte.io geht, sollte sich das in Zukunft für einige Dienstleister ändern.

E-Mail-Anfragen anrechnen: Dienstleistung oder Abzocke?

Das Prinzip ist einfach: Hat man sich als Dienstleister oder Unternehmen bei dem Bezahlservice angemeldet, bekommt man die entsprechenden @wrte.io-Adresse. Schreibt nun jemand eine Mail an diese Adresse, weil er etwa eine spezielle Frage zu einem Fachgebiet beantwortet haben möchte, bekommt er zunächst eine automatisch generierte E-Mail zurück, die ihn auffordert, über einen Link einen Übermittlungs-Beitrag zu leisten. Ist der per Paypal oder Bitcoin frei definierbare Betrag überwiesen worden, wird die Mail an das Postfach des Empfängers weiter geleitet. Was augenscheinlich nach fieser 0900-Nummer-Abzocke klingt, könnte sich je nach Aufstellung der Bezahlfunktion trotzdem bewährt machen.

Spammer bleiben draußen, seriöse Anfragen werden weitergeleitet

Der Kostenbeitrag wird beispielsweise auf den eigenen Stripe-Account gutgeschrieben oder kann auch gleich per Watsi gespendet werden. Denn wrte.io ist lediglich der Zwischendienstleister, der die Abwicklung regelt und eine Provision für die Transaktion einfordert. Diese bewegt sich je nach Höhe des festgelegten Mailweiterleitungsbeitrags bei etwa 8-10 Prozent. Der Vorteil: Das eigene Postfach bleibt übersichtlicher, da nur die Mails durchdringen, die von Menschen geschrieben wurden und ein offenbar wichtiges Anliegen haben. Spams, Newsletter und andere mit der Zeit nervig gewordene Auto-Mails werden wohl kaum die Kreditkarte in die Hand nehmen, um bis zum Empfänger vorzudringen. Experten und Servicedienstleister aller Couleur können hierüber auch für Mikrobeträge ihren Postzugang regeln und monetisieren.

wrte

Mehr als 1000 US-Dollar lassen sich nicht per Mail-Anfrage berechnen.
Screenshot: https://wrte.io/signup

Mangelnde Kontrolle, aber sicheres Einkommen

Der Nachteil: Wer kontrolliert, dass auf eine bezahlte Weiterleitung auch eine Antwort zurück kommt? Derjenige, der eine Weiterleitungsgebühr für seine Dienste in Anspruch nimmt, muss auch dafür Sorge tragen, dass der Sender eine Antwortgarantie bekommt. Vermittungsagenturen oder Verlage beispielsweise könnten sich ein solches Modell zunutze machen, um die Vielzahl an Anfragen zu bändigen und gewissermaßen vorzusortieren. Bereits etablierte Experten könnten kleine Provisionen einheimsen, wenn die Meinung zu einem Sachverhalt gewünscht ist. Viele weitere Szenarien sind denkbar.

Bisher befindet sich wrte.io in der Beta. Es eignet sich zum Testen, sollte aber nicht unbedingt gleich für’s eigene Unternehmen oder den Service genutzt werden.

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