Wann ist es wo zu voll?

Google: Zustromanzeige für den Alltag spart Zeit
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Google arbeitet an einer Lösung für die Staumeldungen im Alltag. Ob es in der Einkaufsstraße, im Café oder im Zoo gerade zu voll ist, soll sich künftig mobil per Google-Suche abfragen lassen. Geschäftsbetreiber und Kunden würden an Zeit hinzugewinnen – doch Zeit wofür?

Am Wochenende ist mittags immer das Lieblingscafé zu voll, zur Feierabendzeit das Fitness-Studio und wenn wieder das Nötigste aus dem Supermarkt eingekauft werden muss, heißt es Schlange stehen. Vielen kommt es so vor, immer zum falschen Zeitpunkt unterwegs zu sein oder ein Geschäft, eine Bar oder öffentliche Einrichtung aufzusuchen. Die Staumeldung für die Autobahn wird deshalb von manch einem sehnlichst für den Alltag erwartet. Wer sonst, wenn nicht Google, will diesem Problem schon bald dank Big-Data Abhilfe leisten. Auf Google+ hat das Unternehmen mit einem kurzen Beitrag ein großes Thema angesprochen. So wie bereits viele Autofahrer und Pendler Kartendienste und Apps nutzen, um etwaige Staus und Störungen abzusehen, will Google auch eine Zustromanzeige für Einkaufsstraßen und bestenfalls einzelne hochfrequentierte Cafés, Geschäft und öffentliche Einrichtungen anbieten. „Genieße deine gewonnene Zeit!“, heißt es dazu im Blog mit einem vagen Verweis auf die Funktionsweise.

Die Google-Suche für den Zustrom

Das Beispiel sieht so aus, dass man über die mobile Google-Suche eine Einkaufsstraße oder ein Geschäft eingibt und dann eine Anzeige ausgespielt bekommt, die in etwa veranschaulicht, zu welcher Zeit es besonders voll ist und wann nicht; so lässt sich in etwa selbst ermessen, wann es zeitsparender ist, einkaufen zu gehen. Was Google teilweise über Maps auch schon für stark genutzte Straßenzüge anbietet, könnte in Zukunft auch für den Einzelhandel, Restaurants oder auch Bibliotheken interessant werden. Fraglich ist jedoch, welche Technologie für die Erhebung der Daten zum Einsatz kommt, beziehungsweise, auf welche Daten zugegriffen wird. Werden statische Daten, etwa durchschnittliche Frequenz-Zahlen angezeigt, oder gar dynamische mittels Personenzähler durch Lichtschranken oder Videoüberwachung dank Objekterkennung? Eine Zusammenarbeit mit den Händlern ist wahrscheinlich die Grundvoraussetzung.

Die möglichen Gewinner der Kosten-Nutzen-Rechnung

Es könnte für Unternehmen nicht nur die Chance bieten, ihre Beschäftigten besser einzusetzen beziehungsweise zu beschäftigen, sondern auch dem Kunden Shopping-Stress ersparen. In der Summe könnte dies zu mehr Entlastung für aller Beteiligten führen, da sich womöglich die Stoßzeiten vergleichsweise etwas entzerren – es änderst sich natürlich nichts daran, dass die meisten frühestens ab 16 Uhr Feierabend haben und am Wochenende gern später aufstehen. Dahinter steckt letztlich eine Maßnahme zur Effizienzsteigerung. Werden neue Freiräume geschaffen, müssen sie im Sinne des marktwirtschaftlichen Fortschritts neu gefüllt werden. Das Beschäftigte dadurch früher frei bekommen oder weniger zu tun bekommen, ist sehr unwahrscheinlich. Gewinnen also nur die Geschäftsbetreiber und der Kunde?

Nur bedingt. Der eigentliche Gewinner an der quantitativen Erhebung von Besucherzahlen ist Google. Die Auswertung der Besucherströme gibt Aufschluss über Vorlieben einer Region zu Produkten, Veranstaltungen und vielem mehr. Mit diesen Daten kann Google letztlich selbst sein eigenes Geschäftsportfolio besser aufstellen oder etwa Geschäftskunden im Einzelhandel an seine Dienstleistungen binden. Auch der Vertreib, online wie stationär, wüsste gern mehr darüber, wann potenzielle Kunden eher das Haus verlassen, um Einkaufe zu tätigen – um beispielsweise zum rechten Zeitpunkt, die passende Werbung über das mobile Gerät auszuspielen. Ein Staudienst für den Alltag wird jedem einzelnen User Zeit ersparen. So viel steht fest – doch Zeit wofür?

rush hour via Shutterstock, Urheberrecht: estherpoon

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