Hardware vs. Datenhandel

iOS 9 – Apple baut Datenschutz aus
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Apple geht weiter auf Datenschutz-Kurs und schränkt Apps ein, Userdaten an Werbetreibende zu verkaufen. Mit der Geschäftsausrichtung kommt Apple seinen Nutzern entgegen, aber verscherzt es sich womöglich mit Entwicklern für iOS. Apples Hardware-Trick gegen Googles versteckten Datenhandel.

Auf dem EPIC-Event vor drei Wochen machte Tim Cook gegenüber Datenschützern und Kryptografen unmissverständlich klar, dass Apple sich für die Privatsphäre seiner Kunden stark machen werde. Eine Woche drauf wurde bekannt, dass für das kommende mobile Betriebssystem iOS 9 eine Werbeblocker-Erweiterung für den Safari-Browser herauskommen wird. Während der Testphase mit der Beta-Version sei nun zudem, so BusinessInsider, herausgekommen, dass Apple weitere Einschränkungen für Werbetreibende eingeplant habe. Das Credo von Apple lautet: Wir sind nicht an den Daten unserer Nutzer interessiert und wir machen es anders als der Wettbewerb.

Teure Hardware statt versteckter Datenhandel

Bisher konnten Entwickler für iOS-Apps über die Programmierschnittstelle „canopenURL“ Daten der User für Werbezwecke auslesen. Gezielte Werbung über derlei Wege der Datenverarbeitung von Fremdanbietern wie Facebook oder Google sollen mit dem neuen Betriebssystem unterbunden werden. Häufig sind es jedoch vor allem vermeintlich kostenlose Spiele-Apps, die diesen Zugang nutzen, um sich über den Verkauf von User-Daten an Werbetreibende zu finanzieren. Mit dem voraussichtlich im Herbst erscheinenden Update auf iOS 9 müssen sich die Anbieter neue Wege der Monetarisierung suchen.

Apples Vorstoß zum Datenschutz richtet sich jedoch nicht gegen die Entwickler von Apps, sondern vielmehr gegen die Geschäftsphilosophie von Google. Während der Suchmaschinen-Riese mit seinen kostenlosen Angeboten und Open-Source-Projekten (Android) über die Informationen der User Einnahmen generiert, setzt Apple vorwiegend auf teure Hardware. So lobenswert Apples Vorstoß zum Datenschutz ist, so sehr steckt auch dahinter ein ausgeklügeltes Geschäftsmodell. Da Apple nicht mit Daten wirtschaftet, kann es dementsprechend den lauter werdenden Forderung nach mehr Privatsphäre auch leichter gerecht werden.

Einschränkungen und neue Chancen für App-Entwickler

Während Apple mit seiner Ausrichtung zum Datenschutz viele Kunden hinzugewinnen dürfte, könnte das Unternehmen es sich jedoch auf Seiten der Entwickler und Anbieter von Apps verscherzen. Trotzdem wird iOS 9 auch weiterhin für Entwickler ein interessantes Spielfeld bleiben – vor allem, wenn sich noch mehr Leute für ein iPhone oder iPad entscheiden. In-App-Käufe dürften dadurch weiter an Stellenwert gewinnen. Dass Apple die Datenzugriffe von Fremdanbietern reglementiert ist im Sinne der Privatsphäre begrüßenswert. Google wird notgedrungen ebenfalls Eingeständnisse dahingehend machen müssen.

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