Innovationskultur

Key Potential: Innovation Culture – Startups im Vorteil
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Deutschland schneidet gut ab, was die Innovationskultur in Unternehmen angeht. Was aber macht ein solch kreatives Arbeitsumfeld aus und warum sind gerade Startups ein fruchtbarer Boden für Innovationen?

Im Oktober 2013 veröffentlichte Booz & Company eine Studie über den Stand der globalen Innovationskultur. Deutschland lag im globalen Vergleich weit vorne und übertrumpfte auch seine europäischen Nachbarn. Demnach forcieren Top-Player der deutschen Industrie, wie Volkswagen, Daimler, Siemens, BMW, Bayer, SAP, Continental, BASF und Merck das Innovationstempo mittels Erhöhung der Budgets für Forschung und Entwicklung (F&E).

Deutschland liegt mit einem Investitionsvolumen von insgesamt 49,6 Mrd. US-Dollar weit über dem globalen Durchschnitt. Die von Booz & Company untersuchten 44 deutschen Unternehmen stehen damit für 7,8 Prozent der weltweit betätigten F&E-Investitionen. Die deutschen F&E-Ausgaben konzentrieren sich zwar stark im Bereich der Automobilindustrie, allerdings sind ebenfalls Elektronik-, IT- und Pharmaunternehmen stark vertreten. Der Volkswagenkonzern gilt, noch vor dem südkoreanischen Elektronikriesen Samsung und dem Schweizer Pharmakonzern Roche, als forschungsintensivstes Unternehmen der Welt.

Faktoren einer Innovationsstrategie

Leider sind hohe Forschungsbudgets noch lange kein Garant für einen wirtschaftlichen Erfolg oder eine steigende Rendite von Unternehmen. Viel mehr belegt die Studie, dass langfristige F&E-Strategien im Zeitalter der Digitalisierung auch in Zukunft einen entscheidenden und zentralen Erfolgsfaktor darstellen.

Laut Dr. Klaus-Peter Gushurst, Sprecher der Geschäftsführung von Booz & Company, erkennt man an dem Erfolg von Volkswagen und Samsung, dass eine langfristig angelegte und strukturierte Innovationsstrategie, neben hohen Investments besonders eine konsequente Ausrichtung auf Erneuerung der Unternehmenskultur beinhalte. Und dass sich solch ein Verhalten auszahlt. Beide Global Player verfügen über ein hoch kompetitives Produktportfolio und können auf eine volle Innovations-Pipeline zugreifen.

Schon 2011 wurden als wesentliche Erfolgsfaktoren einer Innovationsstrategie globale Innovationstrendanalysen basierend auf Customer Insights, Talentmanagement sowie die richtige Zusammenstellung von Entscheidungsträgern identifiziert, um eine Ausführung der übergreifenden Business-Strategie zu ermöglichen. Seit 2012 wird unter internationalen Führungskräften zudem das Credo angeführt, dass die Integration einer Innovationskultur innerhalb der Corporate Culture absolut notwenig und obligatorisch ist.

Nach wie vor gelten laut Booz & Companys Auswertung Apple, Google und Samsung zur Spitzengruppe und Avantgarde der innovativsten Unternehmen weltweit. Allerdings schaffte es 2013 auch der Elektromobilitätsppionier Tesla in die Top 10. Die Digitalisierung innnerhalb des Innovationsprozess nimmt weiter zu. Neue Tools für die Umsetzung digitaler Prozessabläufe, Big Data Solutions für eine effiziente Datenverarbeitung, 3D-Drucker im Bereich des Prototypings und Social Media Plattformen für die Auswertung von Kundenstimmen und für ein besseres Kundenverständnis haben die Perspektiven in der Innovationsentwicklung fundamental verändert.

Bedeutung einer Innovationskultur

Auch Innocentive, ein weltweit führender Anbieter zur Lösenung von Innovationsproblemen mittels Crowd Sourcing und der Crowd Intelligence hat zusammen mit dem Autor und Strategie-Berater Stefan Lindegaard Withepapers zum Thema Innovationskultur veröffentlicht. In ihrem gemeinsamen Bericht „Innovation Culture: The Big Elephant in the Room“ wird von den großen Schwierigkeiten für etablierte Unternehmen gesprochen, alternative und neuartige Innovation Culture Konzepte, wie beispielsweise Googles „20 percent time program”, erfolgreich in die Unternehmenskultur zu integrieren.

Häufig gestaltet sich eine signifikante Änderung innerhalb der Unternehmenskultur von komplexen Konzernstrukturen, vergleichbar mit dem Eigenleben von komplexen Systemen, überaus mühsam und problematisch. Es ist zum Einen unerlässlich, dass alle voller Elan mitziehen und die Notwendigkeit erkennen, dass die Veränderung JETZT passieren muss. Zum Anderen ist die Unterstützung aller Top-Führungskräfte unentbehrlich, um Innovation innerhalb der Unternehmenskultur ZU LEBEN. Nicht viele Unternehmen haben solche Strukturen und nur ausgewählte Top-Manager verstehen den Begriff Innovation als solchen.

Innovation bedeutet, entgegen der Annahmen einiger alteingesessener Manager, nämlich nicht unermüdlich Benchmarks zu erstellen und umzusetzen oder schlichtweg besser zu machen, was andere Konkurrenten bereits anbieten. Innovation impliziert im Optimalfall die Schaffung etwas völlig Neuartigem. Oder laut dem Duden eine „geplante und kontrollierte Veränderung […] durch Anwendung neuer Ideen und Techniken“ beziehungsweise auch die „Realisierung einer neuartigen, fortschrittlichen Lösung für ein bestimmtes Problem […]“. Schaut man sich einige Produktideen unserer deutschen Großkonzerne an, mag man meinen, das Rad neu zu erfinden, wäre ein absolut genialer Einfall. Solche Ansätze sind in unserer heutigen Welt von Vorneherein zum Scheitern verurteilt und dienen lediglich dazu – salopp gesagt – Geld sinnfrei zu verbrennen. Clonen ist keine Innovation!

 Wichtige Elemente für eine erfoglreiche Innovationskultur

  • Das richtige Personal: Kreative Menschen mit ausgeprägten Networking Skills und der Fähigkeit Beziehungen mit Partnern und Kunden zu koordinieren.
  • Open Innovation Culture: Bereitschaft F&E intern wie extern zu betreiben und Einsicht gegenüber der Tatsache, dass schlaue Köpfe auch ausserhalb des eigenen Unternehmens zu finden sind und diese sich via Crowd Sourcing und Open Innovation Programs sogar gerne an einer Entwicklung beteiligen.
  • Offene und flexible Fehlerkultur: Mut zu Fehlern, da diese Möglichkeiten eröffnen Neues zu lernen und zu erfahren.
  • Konstruktiver Umgang mit Intellectual Property: Bereitschaft das Beste aus internen und externen Ideen zu machen ohne auf alleinige Besitzrechte zu bestehen.
  • Wille zur Transparenz: Verständnis dafür, dass Open Innovation eine transparente und offene Kommunikation voraussetzt.

Diese relativ kurze Auflistung disqualifiziert bereits einige Unternehmen, da oben genannte Werte weder in der Unternehmenskultur angeführt noch tatsächlich angestrebt oder gelebt werden. Offene Kreative und besonders Startups haben demnach gegenüber den Traditionsunternehmen einen klaren Vorteil. Da verwundert es auch niemanden, dass viele Unternehmen ihre eigenen Funding-, Accelerator- oder Company-Builder-Programme starten, um das externe Innovationspotential anzuzapfen oder auszuschöpfen.

Häufig stellt sich dann doch heraus, dass eine Open Innovation Culture, oder der Verzicht auf „Not invented here“ nicht gegeben sind. Von der Einführung und Integration einer Innovationskultur innerhalb der Corporate Culture kann auch nicht zwingend die Rede sein. Der Startup Szene in Deutschland kann man lediglich mit auf den Weg geben: Treibt Eure Ideen voran, lasst Euch nicht kaufen und lebt weiterhin den Traum, den möglicherweise manche Unternehmen nie erreichen werden. Failen heißt Lernen. Nur das Aufstehen und Weitermachen sowie der Erhalt der Offenheit sind wesentlich für das Vorankommen.

Aufmacherbild: Photo of Hanging light bulbs with depth of field. Modern art via Shutterstock / Urheberrecht: Vadim Georgiev

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