Verkauf von User-Daten

Macht Online-Werbung Kunden zum Produkt?
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Google, Facebook, Spotify: im Internet haben sich eine Reihe von kostenlosen Diensten etabliert, ohne die das Netz in seiner heutigen Gestalt nicht denkbar wäre. Doch stecken hinter den großen Internet-Konzernen keine wohltätigen Organisationen, sondern profitorientierte Unternehmen, die auf Werbeeinnahmen angewiesen sind.

Kunde wird zu Produkt

Als Facebook 2004 an amerikanischen Colleges immer beliebter wurde, ahnte noch keiner, dass daraus eines Tages ein Miliardenkonzern werden könnte. Die Social-Media-Plattform hat in den vergangenen zehn Jahren digitale Geschichte geschrieben, hat der zwischenmenschlichen Kommunikation neue Facetten gegeben und eine ganze Generation geprägt – alles kostenlos?

Individualisierte Werbung

Die Anmeldung und Nutzung der Plattform kostet private User kein Geld – das stimmt. Jedoch zahlen Nutzer einen ganz anderen Preis, wenn sie Facebook verwenden – sie geben laufend Informationen von sich preis. Bewegungsmuster oder persönliche Vorlieben werden bei jeder Interaktion, wie Like oder Share erfasst. Die Erstellung kompletter Kundenprofile ist mit dieser Unsumme an Daten möglich. Ein Traum für die Werbeindustrie, die dank der immer feiner ausgewerteten Nutzer-Daten ihre Zielgruppe individuell ansprechen kann.

Die User und ihre Daten sind also vor allem für werbetreibende Unternehmen ein wertvolles Gut, für das sie eine ganze Menge Geld hinlegen würden. Ein Punkt, der nicht nur von Datenschützern, sondern auch von großen Vertretern der Internet-Industrie kritisiert wird. So hatte im vergangenen Herbst im Cook, CEO von Apple in einem Interview betont, dass Apples Geschäftsidee nicht darauf beruhe, Informationen über seine User zu sammeln, die Apple-Kunden seien nicht das Produkt. Hier wurde auf Facebooks „Datensammelwut“ angespielt – ein klarer Seitenhieb gegen Zuckerberg.

Mobile Trend aufgeholt – Investoren abgeholt

Facebook musste sich 2012 nach seinem Börsengang viel gerechtfertigte Kritik anhören. Die Mobile-Strategie der weltweit größten Social-Media-Plattform war nicht ausgereift, das Monetarisierungskonzept sah dürftig aus, die Investoren gingen auf Distanz, die Aktie brach ein.

Mark Zuckerberg gab damals zu, den Mobile-Trend verpasst zu haben und gelobte Besserung. Innerhalb weniger Monate wandelte sich Facebook und machte sich für die Werbe-Branche interessant. Die Einnahmen flossen und Facebook wurde immer häufiger verdächtigt, die zahllosen Informationen seiner Kunden für Werbezwecke zu missbrauchen.

Hat Tim Cook Recht? Machen werbefinanzierte Dienste ihre Kunden zu Produkten, die an die Werbeindustrie verkauft werden? Diese Frage drängt sich auf.

Kostenlos-Mentalität im Internet

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Internet-Gemeinde eine kostenlos-Mentalität angeeignet, die mit der fortschreitenden Digitalisierung zu einem großen Problem herangereift ist. „Musik, Filme und komplette Bücher kann man bestimmt irgendwie und irgendwo auch kostenlos herunterladen“: im Netz scheint fast alles umsonst zu sein.

Aber ist es den Kunden solcher Umsonst-Dienste denn bewusst, dass sie mit der bloßen Nutzung bezahlen oder machen sie sich über die Finanzierung solcher Dienste schlichtweg keine Gedanken, weil „im Netz ja alles kostenfrei zur Verfügung steht“?

Nach diversen Abmahnwellen wegen illegalen Downloads ist das Streamen von Filmen nun Salonfähig geworden. Viele User wähnen sich in einer trügerischen Sicherheit und erwarten von Internet-Diensten, dass sie gefälligst kostenlos zu sein haben.

Doch bekanntermaßen ist im Leben nichts kostenlos, sodass sich früher oder später jeder Nutzer von Werbefinanzierten Diensten selbst fragen muss, ob  die Sicherheit der eigenen Daten wichtiger ist, als der Dienst, den man nutzt. Die oben erwähnte Kostenlos-Mentalität geht gerade bei jüngeren Internet-Nutzern einher mit einem sorglosen Umgang mit eigenen Daten – getreu dem Motto „ich habe ja eh nichts zu verbergen“. Eine gefährliche Aussage, die das allgegenwärtige Unwohlsein im Schatten von Datenkraken betäubt.

 

Aufmacherbild: Anonymous crowd of people walking on a busy New York City street via Shutterstock / Urheberrecht: blvdone

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