Das lange Warten hat ein Ende: Magento 2 wurde endlich veröffentlicht

Magento 2 – eine neue Ära der E-Commerce-Innovation?
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Das lange und zähe Warten hat endlich ein Ende: Was vor vielen, vielen Jahren mit einer Ankündigung begann wurde nun mit der Veröffentlichung von Magento 2 zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht. Geändert hat sich – gelinde gesagt – alles.

So ist es nicht weiter verwunderlich, dass man im offiziellen Release Announcement von nichts weniger als der Veröffentlichung der „nächsten Generation der Open-Source-E-Commerce-Plattform“ spricht.

Magento 2

Gleich in zwei Versionen ist eben jene Plattform erschienen; in der Magento Enterprise Edition 2.0 und in der Magento Community Edition 2.0. Erstere soll vor allem durch „enterprise-grade scalability and high availability“ überzeugen. Erreicht wird das dadurch, dass die Funktionalität der Schlüsselsysteme der Plattform durch eine Master- und damit verbundenen Slave-Datenbanken gespeist wird.

Auch sonst können sich die Versprechungen sehen lassen: Magento 2 soll um 50 % schnellere Seitenaufrufe im Frontend bieten; das Anlegen von Produkten soll gar vier mal schneller vonstatten gehen als noch in Version 1.

Zwiebelarchitektur

Den größten Anteil daran dürfte die komplett überarbeitete Softwarearchitektur von Magento 2 haben. So sind sämtliche Schichten der Architektur voneinander getrennt, was dazu führt, dass die Komplexität des Systems wesentlich leichter zu beherrschen sein soll. Außerdem wurden auf diese Weise Abhängigkeiten aufgelöst, die das System noch einmal deutlich beschleunigen sollen.

Magento 2 Architekturmodell
Quelle: netz98 new media gmbh

Durch die neue Architektur kann jede Funktionalität durch Module bereitgestellt werden, die den Core des Shopsystems unberührt lassen. So ist eine hohe Flexibilität gegeben, in der jederzeit einzelne Module ausgetauscht werden können, ohne, dass die Funktionalität der Shops beeinträchtigt wird.

Performance & Stabilität

Generell hat sich die Performance von Magento 2 gegenüber Version 1 deutlich gesteigert. In der Enterprise Edition ist es sogar möglich, die Zugriffe auf Produkt- und Bestelldaten auf unterschiedliche Datenbank(server) zu verteilen und so einen noch größeren Performancegewinn zu erzielen – von einer Steigerung um bis zu 114 % ist die Rede.

Doch auch die Community Edition punktet mit jeweils knapp über 50 % schnellere Ladezeiten für die Startseite und die Kategorie-Ansichten der Shops.

Die Modularisierung ist jedoch auch für Entwickler interessant. Das Magento Testing Framework ermöglicht nun eine durchgängige Testabdeckung durch alle Bereiche, was vor allem der Stabilität des Gesamtpakets zugute kommt.

Auch die verwendeten Technologien tragen noch ein gutes Stück dazu bei, die Performance und die Stabilität zu unterstützen. so unterstützt Magento 2 PHP ab Version 5.6 und soll auch unter PHP 7 und der HHVM ab Version 3.6 voll funktionsfähig sein. Als Datenbank dient MySQL 5.6, beim Full-Page-Caching kommt Varnisch in Version 4 zum Einsatz.

Im Frontend kommt jQuery in Verbindung mit RequireJS zum Einsatz; für die Suche setzt man bei Magento auf Apache Solr.

Next Generation E-Commerce Innovation

Natürlich darf der Mobile-First-Ansatz nicht fehlen; auch hier folgt Magento dem aktuellen Credo – dennoch soll sich das mitgelieferte Standard-Theme ohne großen Aufwand nach Belieben anpassen lassen.

Darüber hinaus wurde sowohl im Backend als auch im Checkout einiges an Arbeit investiert. So wurde der Checkout-Prozess von sieben auf zwei Schritte verschlankt, dem Backend ein ansehnliches und zeitgemäßes Antlitz spendiert und die komplette Funktionalität des Backends, wie beispielsweise Filterungsmöglichkeiten und benutzerdefinierte Ansichten, auf das Frontend übertragen.

Wer sich selbst von Magento 2 überzeugen möchte, dem sei die Demo der Plattform ans Herz gelegt, die nach einer kurzen Registrierung zur Verfügung steht. Magento 2 steht allen E-Commerce-Unternehmern ab sofort in den Versionen Enterprise Edition und Commiunity Edition zur Verfügung.

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Der Leiden des Magento 2

Anfang 2011 wurde bekannt, dass eBay das Unternehmen Magento im Herbst desselben Jahres schlucken würde; im Februar 2011 hielt der Marktplatzriese bereits 49 % am E-Commerce-Unternehmen. Damals waren die Pläne, Magento in die ebenfalls 2011 gegründete Open Commerce Platform Group zu integrieren – x.com sollte Dreh und Angelpunkt der Initiative werden. Befürchtungen, dass der von Magento angestrebte Open-Source-Ansatz nicht weiter verfolgt werden würde, hatten sich im Laufe der Jahre allerdings zerschlagen.

Zerschlagen hatten sich allerdings auch die Träume, dass das von der Community sehnlichst erwartete Magento 2 das Licht der Welt erblickt. Bereits damals war Version 2 mehr oder weniger angekündigt; aber nach einem größeren Update in Magento-2.0-dev auf GitHub Ende März 2012 herrschte zunächst lange Zeit Funkstille. Zwar präsentierten wie euch eine Möglichkeit, wie man die Test Suite aus Magento 2 in Version 1 portieren konnte, offizielle Neuigkeiten blieben allerdings weitestgehend aus.

Richtig spannend wurde es erst wieder im Herbst 2014, als sich erste Blogposts mit Neuerungen rund um Magento 2 beschäftigten. So war unter anderem die Rede davon, dass die Frontend-Architektur in Magento 2 komplett umgekrempelt werden würde.

Ein letzter kleiner Aufschrei folgte dann Ende letzten Jahres, als bekannt wurde, dass man im Magento-2-Team auf das Zend Framework in Version 1 setzt – gleichzeitig allerdings wurde eine Umfrage initiiert, die Entwickler fragte, auf welches Framework sie setzen würden …

Magento 2 auf eigenen Beinen

Eine lange Entwicklungszeit, mangelhafte Kommunikation und zwar hervorragende Zahlen – Forbes sprach von einem Wachstum des Gewinns um sechs Prozend auf 1,24 Milliarden US-Dollar –, die am Ende wohl doch nicht eBays Erwartungen erfüllen konnten … das dürfte der Grund gewesen sein, warum Magento seit Anfang November wieder als mehr oder weniger eigenständiges Unternehmen agiert.

eBay befand sich schon seit einiger Zeit in einer Umstrukturierungsphase. Die von eBay-Chef John Donahoe vergeblich zu verhindern versuchte Abspaltung des Bezahldiensts PayPal hatte für nicht unerhebliche Umsatzeinbrüche gesorgt. Außerdem fehlt dem Unternehmen schon seit langem ein klares Profil. Somit kann man den Verkauf von eBay Enterprise – Magento ist seit 2013 Teil des Unternehmensbereichs – als Versuch verstehen, die Bilanzen auf Vordermann zu bringen.

Bei Magento und seinen Beteiligungsgesellschaften herrscht seitdem allerdings Aufbruchsstimmung: „It was like putting a bushel basket over a candle–it was dimmed within eBay. Outside of eBay, Magento can shine“, so Mark Lavelle, CEO von Magento, in einem offenen Brief nach der Trennung von eBay.

Mit der Veröffentlichung von Magento 2 ist jedenfalls ein erster Grundstein gelegt – und die Showcases der Early Adaptor können sich wirklich sehen lassen.

 

Aufmacherbild: Magento Shiny IconJessekoeckhoven

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