Studie zum Bot-Einsatz in der Werbeindustrie

Milliarden-Betrug mit Bots: Werbebranche zahlt die Zeche
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Mit User-Daten und Werbung wird im Netz viel Geld verdient. Ein immenser Teil der Kosten wird dabei durch Bots erzeugt. Die automatisierten Programme erfreuen sich weiterhin großer Beliebtheit und sollen im letzten Jahr einen Schaden von fünf Milliarden US-Dollar verursacht haben. Eine neue Studie zählt die Schwachstellen auf.

Wenn ein Online-Banking-Account gehackt und Abbuchungen vorgenommen werden, ist von einer Straftat die Rede. Wenn ein Botnetz durch gefälschte Klicks oder Views Wettbewerber verdrängt oder den Pro-Klick-Preis von Anzeigen in die Höhe treibt, geht dies noch immer als Kavaliersdelikt durch. Allein im vergangenen Jahr sollen durch Bots in der Online-Werbebranche Schäden von fünf Milliarden US-Dollar verursacht worden sein. Einer neuen Studie zufolge, die in Zusammenarbeit zwischen der Cyber-Security-Firma White Ops und dem Branchenverband Association of National Advertisers (ANA) entstanden ist, könnte sich die Schadensumme 2016 um weitere zwei Milliarden erhöhen.

Mit Industriegrößen wie Bayer, Ford oder IBM haben insgesamt 49 Unternehmen an der Untersuchung teilgenommen. Die jeweiligen, durch Bots verursachten Wirtschaftsschäden rangieren bei den Teilnehmern zwischen 250.000 und 42 Millionen US-Dollar. Die Betrüger sitzen häufig genug unter den Publishern, Seitenbetreibern oder Werbetreibenden. Die von ihnen bezahlten Dienste nutzen Botnetze, um beispielsweise Wettbewerber zu verdrängen, Marktvorteile zu erzwingen oder Anzeigenpreise zu fälschen. Die prognostizierte Schadenssumme von rund sieben Milliarden Dollar für 2017 ist eher als ideeller Wert zu verstehen, teilweise durch die Branche selbst verschuldet.

Das lukrative Werbegeschäft mit Botnetzen

Der eigentliche Schaden liegt darin, dass Geld für Werbung ausgegeben wurde, die teilweise nie von Menschen gesehen wurde. Der Studie zufolge hätten sich zwar die Abwehrmaßnahmen gegen Bots immer weiter verbessert, zugleich würden aber auch die Betrüger immer perfider vorgehen. Vor allem wenn es darum geht, schwer erreichbare Zielgruppen zu simulieren, kommen laut Studie regelmäßig Bots zum Einsatz. Die Betrüger setzen diese ein, um beispielsweise Page-Impressions in die Höhe zu treiben oder Werbebanner anzuklicken. Die Bots werden hierzu mit den gekaperten IP-Adressen, Cookies und Nutzer-IDs von realen Usern getarnt.

Botnetze können den Web-Traffic derart steigern, dass Werbetreibende immense Klick- beziehungsweise Impression-Preise zahlen müssen. Vor allem Anzeigenmodelle wie sogenannte „Cost per thousand impressions“ (CPM) werden laut der Studie vermehrt Opfer von Bot-Betrügerein.Wenn der Preis bei mehr als zehn Dollar pro tausend Impressions lag, sei der Einsatz von Bots 39 Prozent höher gewesen. Bei Video-Ads mit einem CPM von mehr als 15 Dollar habe der Bot-Traffic sogar bei über 173 Prozent gelegen. Die Betrüger arbeiten natürlich dort, wo mehr zu holen ist.

Guter Rat kann teuer sein

Dan Kaminsky von White Ops rät Unternehmen dazu, mehr in die Erkennung von Bots zu investieren – nicht ganz uneigennützig, denn White Ops bietet Kunden Unterstützung beim Aufspüren von Bots und Malware an. Ungewöhnlich schnell steigende Impressions und Klickzahlen seien ebenfalls ein Indikator dafür, dass Bots am Werke sind. CEO Michael Tiffany fordert zudem, dass zwischen Plattform und Werbepartnern klarer geregelt werden müsse, wie mit gefälschtem Traffic vertraglich umgegangen wird. Viele Bots würden nach einer gewissen Zeit entdeckt und könnten der Impression zugeordnet werden. Zahlen müsste der Werbetreibende dafür dann eigentlich nicht.

Aufmacherbild: Robots with cursors. Image contain clipping path via Shutterstock, Urheberrecht: Palto

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