NFC und Bezahlfunktionen per App oder Gadget

Mobile Payment: Umsetzungen, Probleme und Perspektiven
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Apple, Google und Samsung lassen mit ihren Mobile-Payment-Diensten in Deutschland auf sich warten. In der Zwischenzeit haben sich hierzulande andere Modelle abseits von NFC etabliert. Zur gleichen Zeit testet MaserCard eine Bezahlmethode via Gadget. Eine Bestandsaufnahme und Studien im Vergleich.

Mit Bekanntgabe der Apple-Quartalszahlen ist bei einigen deutschen iPhone-Besitzern wohl Ernüchterung eingetreten. So wurde am Rande des Berichts bekannt gegeben, dass der mobile Bezahldienst Apple Pay wohl nicht wie in anderen Ländern auch hierzulande verfügbar sein wird. Obwohl viele User seit der Einführung letzten Jahres darauf hofften, dass im Laufe des Jahres 2015 die Bezahlung via NFC (Near Field Communication) und iPhone in Deutschland möglich sein wird, zögert sich die Einführung nun unabsehbar hinaus. Stattdessen wird Apple Pay 2016 definitiv in Spanien eingeführt. Wie kann das sein?

Ein Besuch beim Supermarkt veranschaulicht das Problem in seinen Grundzügen. Während man in Spanien problemlos überall mit der Kreditkarte zahlen kann, hört man hierzulande noch bei vielen Geschäften eine vage Entschuldigung, dass dies nicht möglich sei oder man sich damit nicht auskenne. Vereinzelt gibt es zwar Initiativen wie ein Pilotprojekt zum kontaktlosen Bezahlen von Volksbanken und Raiffeisenbanken gemeinsam mit EDEKA-Hessenring, doch noch sieht es in Deutschland eher mau aus. Nur langsam findet die Infrastruktur für mobile Zahlungsmethoden und NFC mehr Verbreitung. Deshalb sollte nicht nur der Frage nachgegangen werden, ob es tatsächlich an Akzeptanzstellen im stationären Handel fehlt, sondern vielleicht auch an Akzeptanz seitens der Kunden. Ein weitere Schwierigkeit besteht hinsichtlich der Verträge mit Kreditinstituten. Zwar bestätigte CEO Tim Cook eine neue Partnerschaft mit American Express. Doch hierzulande sind vor allem VISA und MasterCard in der Nutzung. Obwohl MasterCard gleich bei der Einführung von Apple Pay eine Kooperation eingegangen ist, hat der Finanzdienstleister mittlerweile auch eigene Ambitionen eine alternative Mobile-Payment-Lösung zu etablieren.

Die Großen warten – Alternativen gibt es bereits

Apple Pay ist längst nicht der einzige Mobile Payment Dienst, dessen Umsetzung auf sich warten lässt. Auch Googles Bezahldienst mit Android Pay wird sobald nicht in Deutschland realisiert werden, obwohl die Verträge mit American Express, Discover, MasterCard und Visa bereits stehen sollen. Samsung ist das dritte große IT-Unternehmen, das mit einer Bezahlmethode fürs Smartphone in den Startlöchern steht. NFC-taugliche Smartphones sind längst verbreitet. Doch in Deutschland wird keiner der drei großen Dienste so bald umgesetzt. Wenn es nicht an der Infrastruktur liegt, woran dann? Dass dahinter die mangelnde Bereitschaft der Kunden steckt, ist eher unwahrscheinlich.

Schließlich trifft Mobile Payment dort, wo es längst eingesetzt wird, auf immer mehr Akzeptanz im Retail-Geschäft und bei Kunden. Lediglich NFC-Technologie ist im Vergleich zu den USA unzureichend in den Geschäften etabliert. Eine im Juni veröffentlichte Studie von PriceWaterhouseCoopers (PwC) mit rund 1.000 Deutschen zum Thema Mobile Payment hat ergeben, dass bereits jeder Vierte die Möglichkeit nutzt, mit einem mobilen Endgerät bargeldlos einzukaufen. Hotels, Flug- und Bahntickets und Kleidungsstücke zählen zu den beliebtesten Produkten, die auf diesem Wege bezahlt werden. 76 Prozent der Verbraucher sähen es als Vorteil, mit dem Smartphone bezahlen zu können, wenn sie dafür nicht mehr aufpassen geben müssten, ob sie genügend Bargeld dabei haben. 58 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass mobile Bezahlverfahren den Einkauf und das Bezahlen vereinfachen würden. Sowohl die Erfahrung als auch die Akzeptanz von Bargeld und Karte auf mobiles Bezahlen umzusteigen ist also vorhanden. Das Problem scheint hierzulande wie so oft mit Sicherheitsbedenken zusammenzuhängen.

Studien über Akzeptanz und Misstrauen

Der Studie zufolge würden 88 Prozent der Deutschen befürchten, dass ihre Daten gehackt oder missbraucht werden; 85 Prozent sehen eine zunehmende Gefährdung darin, dass ihr Smartphone gestohlen und mit den Bezahldaten Missbrauch getrieben werde. Da zumindest die NFC-Bezahldienste der drei großen Anbieter auf ein Token-System setzen, ist es um die Sicherheit der eigenen Datenrecht gut gestellt. Denn über die kontaktlosen Bezahldienste wird man sofort benachrichtigt, wenn eine Transaktion stattgefunden hat. Nicht autorisierte Aktivitäten können also schnell nachvollzogen und gemeldet werden. Und dennoch – die Deutschen tun sich im Vergleich zum Ausland schwer mit der neuen Technologie. In Osteuropa wie auch in Afrika sind Bezahlungen mit dem Mobiltelefon viel verbreiteter und im Alltag angekommen.

Eine von cashcloud in Auftrag gegebenen Online-Umfrage kam kürzlich erst zu dem Ergebnis, dass in Kenia und Uganda fast jeder Zweite mit dem Smartphone bezahlt. In Brasilien ist es jeder Dritte. Gerade weil die Infrastruktur schlechter ist und weniger Geldautomaten zur Verfügung stehen, setzen viele aufs mobile Bezahlen mit dem Smartphone. Laut der Umfrage wird auch die Zurückhaltung des deutschen Handels für Mobile Payment mit dafür verantwortlich gemacht, dass Deutschland im weltweiten Vergleich mit der neuen Technologie hinterher hinkt. Doch dabei gibt es bereits Lösungen, die Kunden hierzulande überzeugen konnten. Statt auf NCF und große Tech-Namen wird nämlich bereist auf integrierte Bezahlfunktionen innerhalb der App gesetzt.

Die beliebtesten Mobile-Payment-Lösungen in Deutschland

Vodafone wie auch die Telekom bieten mit Wallet und MyWallet bereits Bezahldienste an, die Akzeptanzstellen vom Baumarkt bis zum Supermarkt bieten. Paypal ist allerdings der beliebteste Mobile-Payment-Dienst hierzulande, heißt es in einer Studie von Mücke, Sturm & Company und How2Pay. Platz zwei nimmt demzufolge die App des Discounters Netto ein, mit der sich in über 4.000 Filialen bargeld- und kartenlos bezahlen lässt. Platz drei der beliebtesten Smartphone-Bezahlarten belegt Yapital, die zum Otto Versandhaus gehört. Während also schon fleißig Mobile-Payment-Dienste genutzt werden, liegt das Problem scheinbar doch bei der übergreifenden Akzeptanz der Händler. Zwar werden durch die einzelnen Anbieter Anreize geschaffen den mobilen Bezahldienst zu nutzen – etwa durch Bonuspunkte und Gutscheine – doch mangelt es an einer flächendeckenden Nutzbarkeit.

MasterCard plant Zahlung mit Gadgets

Wer in verschiedenen Läden mit seinem Smartphone bezahlen möchte, hat jedoch eher wenig Interesse daran, jeweils die passende App aufzurufen und die Ausgaben auf mehreren Kanälen nachzuvollziehen. Ein Big Player wie Google oder Apple mit flächendeckenden Akzeptanzstellen und der Umsatzerfassung über eine Kreditkarte ist hier deutlich übersichtlicher aufgestellt. Zumal durch NFC die Transaktion beschleunigt wird. Diese Woche wurde zudem bekannt, dass JPMorgan Chase, eine der größten Banken der Welt, einen ähnlichen Dienst wie Apple und Google mit NFC-Technologie auf den Markt bringen wird. Während hierzulande noch diskutiert wird, ob sich NFC mit der Bezahlung via Smartphone überhaupt durchsetzen wird, hat MasterCard längst einen Schritt weitergedacht. Mit der Verbreitung vernetzter Gadgets wie Fitnessarmbändern könnten künftig auch hierüber kleinere Bezahlvorgänge vorgenommen werden. Die in Zusammenarbeit mit NXP und Qualcomm vorgestellte Technologie soll – wie das Video zeigt – auch Bezahlvorgänge mit einem Ring, Smart Watch oder dem Autoschlüssel ermöglichen. Also mit Gegenständen, die man immer bei sich trägt und nicht erst per App vor dem Bezahlvorgang ausgewählt werden müssen.

Basierend auf dem Programm MDES (MasterCard Digital Enablement Service) ist allerdings noch nicht genau absehbar, wie sicher solche Ansätze sind. Fest steht aber, dass auch Nutzer mit einem iPhone 6 oder einer Apple Watch den Dienst nutzen können. Schon 2016 soll die neue Technologie in den USA eingeführt werden, SB-Kassen weiter Verbreitung finden und die Bezahlung mit einer einfachen Bewegung vor dem Lesegerät stattfinden. Das Misstrauen wie auch die Infrastruktur in Deutschland dürfte die Einführung von MasterCards Mobile Payment Lösung jedoch erst mal auf die lange Bank schieben. Eines nach dem anderen. Doch wann Apple, Samsung oder Google ihr Angebot in Deutschland einführen, bleibt also ungewiss.

Aufmacherbild: Cropped image of customer paying through mobilephone over electronic reader at cafe counter via Shutterstock, Urheberrecht: Tyler Olson

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