Suchmaschinenoptimierung

„Mobilegeddon“: Nach dem Update ist vor dem Update
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Das letzte Google Algorithmus-Update hat am 21. April die SEO-Welt auf den Kopf gestellt. Marcus Tober, Unternehmensgründer und Geschäftsführer von Searchmetrics, gibt einen Überblick über die Auswirkungen des Mobilegeddons und die Bedeutung von Mobile-Optimierung für Webseiten-Betreiber.

58% aller deutschen Bundesbürger ab 14 Jahren verwenden aktuell ein Smartphone ‒ und viele User surfen inzwischen immer öfter mobil als über stationäre Geräte. Laut Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) nutzen deutsche Smartphone-User ihr Mobilgerät durchschnittlich 81 Minuten am Tag. Genau wie das Surfverhalten der User verändert sich aber auch die Suche. Mobiles Surfen befindet sich auf dem absoluten Durchmarsch – entsprechend oft werden auch Suchanfragen über mobile Endgeräte getätigt. Das bestätigt auch eine Studie der Initiative D21, nach der aktuell mittlerweile fast 54% aller User mobil online sind und auch entsprechend oft von unterwegs suchen.

Auf dieses veränderte Nutzungsverhalten hat nun auch Google reagiert und seinen Algorithmus an die steigende mobile Suche angepasst. Seit dem 21. April werden mobil-optimierte URLs in den mobilen organischen Suchergebnissen bevorzugt und entsprechend besser gerankt als nicht-mobil-optimierte Seiten. Im Vorfeld des Updates, vielfach als „Mobilegeddon“ heraufbeschworen, blieb das große mobile Chaos zwar aus – nicht zuletzt, weil Google intensiv und detailliert auf die bevorstehenden Änderungen hingewiesen hatte, und der Großteil der Online-Branche gut vorbereitet war: Bereits im Zeitraum zwischen der Google-Ankündigung und dem eigentlichen Update war der Anteil mobilfreundlicher Seiten noch einmal deutlich angestiegen. Allerdings haben dennoch im Zuge des Updates auch einige größere Seiten Verluste hinnehmen müssen, weil ihre URLs – zu Teilen oder komplett – eben nicht „mobile-friendly“ waren.

Zwei Monate nach dem Google Mobile Update: Was vom Hype übrig bleibt

Unternehmen sollten die Mobilfreundlichkeit ihrer Websites auf keinen Fall unterschätzen. In Vorbereitung auf unsere diesjährige Studie zu den „Mobilen Ranking-Faktoren 2015“ haben wir auf Basis mehrerer hunderttausend URLs aus den Top 30-Suchergebnissen analysiert, wie sich deren Rankings vor und nach dem Mobile Update verändert haben. Die ersten Ergebnisse zeigen – wie zu erwarten war – dass der Anteil nicht mobil-optimierer URLs zurückgegangen ist.

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©Searchmetrics

 

Interessant ist aber auch der Blick auf die genauen Positionierungen von URLs, besser gesagt deren Änderungen: Im Durchschnitt sind nicht mobil-optimierte URLs nach dem Update 0,21 Plätze abgerutscht. Was hier noch ziemlich gering aussieht, würde in der Betrachtung aller URLs sicher weitaus größer ausfallen. Zudem haben wir für diese Analyse lediglich jene URLs herangezogen, die auch nach dem Update noch in den Top 30 vertreten waren. Zählte man die nicht mobilfreundlichen URLs in dieser Berechnung mit, wäre der entsprechende Positionsverlust erheblich größer.

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©Searchmetrics

 

Auch wenn viele Domains sehr gut auf das Google Mobile Update vorbereitet waren, haben eben speziell jene Websites, die nicht mobil-freundlich sind, durch das Update vielfach stark an Sichtbarkeit in den mobilen Suchergebnissen verloren, z.B. Websites wie last.fm, wissen.de oder gamestar.de. Die Gründe sind recht einfach zu erklären: Entweder waren die betroffenen Domains komplett oder in Teilen – also auf bestimmte Seitenbereiche bezogen – nicht für mobile Geräte optimiert, beispielsweise durch fehlerhafte Redirects, zu kleine Schrift, zu eng liegende Links etc. Gleichzeitig konnten mobil-freundliche Domains so an Mitbewerbern vorbeiziehen, die keine mobil-optimierte User Experience bieten.

Anders als bei anderen Updates, wie etwa Panda, ist bei diesem Update erstens ausschließlich der mobile Sektor (also primär die per Smartphone abgerufenen SERPs) – unabhängig von der Sichtbarkeit von Webseiten bei der Google-Suche am Desktop – betroffen. Zweitens ist keine thematische Kategorisierung der betroffenen Domains möglich, da dem Google Mobile Update eine rein technische Algorithmus-Änderung zugrunde liegt – im Gegensatz etwa zum Panda– oder Hummingbird-Update, welche die Qualität & Inhalt von Websites in den Vordergrund stellen. Drittens handelt es sich bei der Bewertung um keinen Domain-weiten, sondern um einen URL-spezifischen Filter. Das heißt, es wird nicht gleich eine komplette Domain abgestraft, wenn diese nicht mobil-freundliche URLs aufweist. Von Verlusten sind in der Regel nur jene URLs betroffen, die nicht „mobile-friendly“ sind. Interessanterweise konnten wir jedoch keine Muster oder direkten Zusammenhänge zwischen dem Anteil nicht-mobil-freundlicher URLs einer Domain und dem Ausmaß des Verlustes an SEO Visibility dieser Domain erkennen. Einer der Gründe hierfür ist sicher die Abhängigkeit vom jeweiligen Wettbewerb und Suchumfeld.

Mobile bestimmt die Zukunft – auch bei Google

Google stellt sich immer mehr auf das veränderte Surfverhalten der User weltweit ein. Entsprechend arbeitet Google intensiv an der Darstellung der mobilen Suchergebnisse, da hier oftmals eine andere Suchintention als bei der Desktop-Suche vorhanden ist. So unterscheiden sich beispielsweise die Google-Ergebnisse für das gleiche Keyword, je nachdem von welchem Endgerät aus eine Suchanfrage erfolgt und wo genau sich der User befindet. Zudem nimmt die Anzahl von Suchanfragen über Mobilgeräte immer weiter zu: Google hat Anfang Mai 2015 kommuniziert, dass laut eigenen Daten in 10 Ländern, darunter in den USA und Japan, inzwischen mehr Suchanfragen über Mobilgeräte als über Desktop-Computer gestellt werden. Daher liegt der Schluss nahe, dass eine kontinuierliche Optimierung von Desktop- und mobilen Suchergebnissen für die beste Nutzererfahrung auch künftig ein Hauptfokus von Google bleiben dürfte.

Deshalb mein Rat an alle Unternehmen: eine Website, die technisch auf dem aktuellen Stand ist, bleibt Grundvoraussetzung. Doch der Schlüssel zu wirklich guten Rankings liegt für Websites auch in der Zukunft in der perfekten Bedienung von Suchintentionen durch einen reichhaltigen und passenden Inhalt. Wenn Nutzer eine Website schätzen, dann wird auch Google dies tun.

Fit für Mobile – Auf die richtige Strategie kommt es an

Aber wie genau werden Website-Betreiber fit für Mobile? Ganz klar: Die mobile Performance im Vergleich zur Desktop Performance zu analysieren ist einfach immens wichtig. Plus: Der mobile Sektor erfordert eine individuelle Strategie. Und dazu sind über den Vergleich der Sichtbarkeit in beiden Sektoren hinaus individuelle, tiefere Analysen speziell für die mobile Performance zwingend erforderlich, die zudem unter Einbeziehung lokaler Parameter (die für Mobile naturgemäß noch wichtiger sind als bei Desktop) zu betrachten sind.

Wir bieten hier mit der Suite beispielsweise tiefgehende Analysemöglichkeiten an, mit denen spezifisch die mobile Performance von Websites (übrigens auch bereits historisch) sowie lokale Einflüsse untersucht werden können. Und eines ist offensichtlich klar: Sofern noch nicht geschehen, sollten Websites natürlich mobilfreundlich gestaltet werden. Dies ist einer der „Vorteile“ dieses Updates. Über eine Optimierung der Seite für Mobile sollten in der Regel Ranking-Verbesserungen erreicht werden können – übrigens auch auf URL, nicht nur auf Domainebene.

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten – etwa eine bestehende Website auf Responsive Design umzustellen, wodurch sich die Inhalte in der Darstellung dem Endgerät anpassen. Oder eine Mobil-Version der Seite unter einer unabhängigen URL (etwa m.domain.de) zu entwickeln, die bei Anfragen via Mobilgeräte abgerufen wird – allerdings halte ich dies – anders als Responsive Design – für nicht die beste Lösung, da es hier zu Weiterleitungsproblemen kommen kann oder auch die extern gewonnenen Signale (Traffic, Likes/Shares aus sozialen Netzwerken oder auch Links) nicht auf einer URL konzentriert gesammelt werden können.

Generell gilt für mobile Websites, die gut ranken: Schnelle Ladezeiten sind wichtig – noch wichtiger ist aber der Inhalt, der die Suchintention der Nutzer bedienen muss. Und diese ist mobil anders als bei Desktop, weshalb sich auch die Suchergebnisse zunehmend unterscheiden.

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