Kartendienst hoch gehandelt

Nokia Here: Internetkonzerne bieten gegen Autohersteller
Kommentare

Google, Uber, Mercedes – europäische Autohersteller wie auch amerikanische Tech-Unternehmen sind an dem finnischen Navigationsdienst interessiert. Das führerlose Google Car versetzt die Automobilbranche in Aufruhr. Ein Kartendienst könnte über das Gleichgewicht zwischen den Interessen der Internetkonzerne und Autohersteller entscheiden.

Als Mobilfunkhersteller ist Nokia vom Marktführer zum alten Eisen deklassiert worden. Den Anschluss an den Smartphone-Boom, eingeleitet durch Apple und fortgeführt durch Android-Gerätehersteller, hat das finnische Unternehmen auch mit der Übernahme durch Microsoft 2014 nur schwerlich gefunden. Daneben ist das Telekommunikationsunternehmen jedoch in Sachen Kartendienst und Navigation noch ganz vorn mit dabei – auch dank der gehörigen Konkurrenz durch Apple Karten und Google Maps.

Nokia Here hoch gehandelt

Nokia Here, der kostenlose Routenplaner mit Kartenmaterial, Verkehrsinformation und Nahverkehrsauskunft bietet als Navigations-App für iOS, Android und Windows Phone eine mindestens ebenso gute Alternative zu den großen Anbietern aus den USA. Dem Wall Street Journal zufolge seien unlängst auch deutsche Autohersteller, darunter BMW, Mercedes wie auch Audi sehr an dem Kartendienst interessiert. Gebote für das finnische Unternehmen sollen in Kürze abgegeben werden. Die New York Times hat zudem erneut den Fahrvermittlungservice Uber als potenziellen Käufer neben den Autoherstellern und anderen amerikanischen Tech-Unternehmen ins Rennen gebracht. Uber habe demnach 3 Milliarden US-Dollar für den Kartendienst geboten. Wie viel die Autokonzerne bereit sind auszugeben, ist noch nicht durchgesickert. Aber dass der finnische Kartendienst hoch gehandelt wird, zeigt sich schon allein daran, dass auch Amazon, Apple, der chinesische Autohersteller Baidu und sogar Facebook daran interessiert ist. Wie kommt es zu dem Aufgebot an Interessenten?

Google greift nach dem Automobilmarkt

Nokia hält der NYT zufolge bereits 80 Prozent aller Auto-Navigationssysteme weltweit. Das Unternehmen selbst wende jedes Jahr mehrere Millionen auf um die Karten zu aktualisieren. Zwar noch meilenweit entfernt von dieser Verbreitung im Automobilsektor, aber von ganz anderen Ausmaßen arbeitet derweil Google wie auch Apple an selbstfahrenden Autos. Hierfür braucht es ebenfalls ein hochkomplexes Navigationssystem. Über das fortschrittlichste Kartenmaterial verfügen beide US-Tech-Konzerne, erste Bordcomputer befinden sich schon in der Entwicklung. Das eigenständig fahrende Auto aus Übersee könnte zu einer ernsthaften Bedrohung für die Domäne europäischer wie auch asiatischer Autohersteller werden. Dem WSJ gegenüber habe sich anonym jemand aus der Szene geäußert: Wenn Google etwa das Betriebsystem für eigenständig lenkende Autos kostenlos zur Verfügung stellen würde, könnte dies in unternehmerischer Hinsicht eine ernsthafte Bedrohung für die Automobilbranche werden.

Nokia wird zum Zünglein an der Waage

Nokia Here, als einziger europäischer Kartendienst, der auf Augenhöhe mit den Anbietern aus Übersee konkurrieren kann, könnte zum Zünglein an der Waage zwischen den Interessen amerikanischer Internetkonzerne und der europäischen Automobilbranche werden. Gebote aus Asien könnten den ganzen Deal weiter antreiben und womöglich in eine ganz andere Richtung lenken. Dass Nokia von der Bildfläche verschwunden sei, davon kann nun wirklich keine Rede sein. Der Kartendienst, der eigentlich für die Nokia-Mobiltelefone entwickelt wurde, nimmt nun außerhalb der Mobilfunkbranche einen entscheidenden Stellenwert ein. In Kürze könnte der endgültige Deal bekannt gegeben werden.

Aufmacherbild: BANGKOK,THAILAND – JULY 16: A Google Maps car on view in central Bangkok as the internet giant announces the Thai capital has been added to its Street View utility on July 16,2013 in Bangkok,Thailand. via Shutterstock, Urheberrecht: Em7

Unsere Redaktion empfiehlt:

Relevante Beiträge

Meinungen zu diesem Beitrag

X
- Gib Deinen Standort ein -
- or -