Swipe-Economy

Small Data: Swipes und kartenbasiertes User Interface
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Das Tinder-Prinzip macht Schule: Per Wischgeste und einer kartenbasierten Nutzeroberfläche werden Nutzer ambitioniert, Entscheidungen zu fällen – ein Inhalt und eine Wertung im Schnellverfahren ohne Ablenkung. So funktioniert das Geschäftsmodell mit Small Data.

Es gibt viele gute Gründe auf Big Data zu setzen: Unternehmen, die das Potenzial der Datennutzung erkannt haben, können nicht nur das Verhalten ihres Kundenstamms besser einschätzen, sondern auch ihre Inhalte zielgruppengerechter ausspielen. So weit so gut – problematisch wird es nur dann, wenn der Nutzer beziehungsweise Kunde auf Inhalte oder Produkte tatsächlich aufmerksam werden soll. Steht eine App oder Plattform zur Verfügung, über die beispielsweise ein Newsfeed oder eine Magazinauswahl bereit gestellt wird, so ist trotzdem jeder Einzelne gefragt, aus den relevanten Informationen seine Favoriten auszuwählen. Zu viele Informationen befinden sich an einem Ort. Zwar besteht für den User die Möglichkeit, bestimmte Dienste zu abonnieren, wie auch durch Likes oder Klicks für sich zu favorisieren, doch bekommt dieser dadurch immer nur eine Auswahl an Informationen und Optionen, aus denen immer noch gewählt werden muss.

Je mehr Content und Optionen zur Verfügung stehen, desto kürzer ist die Aufmerksamkeitsspanne für die einzelnen Artikel oder Produkte. Vieles wird nur überflogen, übersehen oder gleich willentlich ausgeblendet. Die durch Big Data-Analysen bereitgestellten Inhalte sind zwar personalisiert, doch die Bereitschaft, diese auch zu nutzen, damit noch nicht gewährleistet. Nun zeigen gerade kartenbasierte Benutzeroberflächen für mobile Apps, bei denen per Swipe Interesse (oder Desinteresse) bekundet wird, eine erstaunliche Bereitwilligkeit beim Nutzern, sich mit Inhalten zu beschäftigen. Die Dating-App Tinder hat das Auswahlmodell mit Wischgesten alltags- und businesstauglich gemacht und viele weitere Dienstleister wie auch den Möbel-Shop Home24, die Job-Börse Selfiejobs oder die Event-App Weotta dazu veranlasst, auf den Swipe zu kommen.

Action-Faktor mit wenig Ablenkung

Swipe Economy setzt auf schnelle und klare Entscheidungen. Per Wischgeste kann der Nutzer in Sekundenschnelle entscheiden, ob er die Karte, die er gerade sieht, interessant findet oder nicht. Ein potenzieller Partner, ein interessantes Produkt oder ein spannender Beitrag – mit einem Daumen lässt sich sofort entscheiden. Auch wenn die meisten Inhalte rigoros abgelehnt werden, lässt sich dennoch klarer herausfinden, was gefragt ist. Außerdem gibt es keine Ablenkung durch andere Inhalte. Da unsere Aufmerksamkeit sich fokussiert nur einer Sache zuwenden kann, ist die Ausspielung singulärer Inhalte umso präsenter. Ja, nein oder vielleicht (später) sind klare Ansagen, mit denen sich arbeiten lässt. Der eigentliche Reiz am Swipe ist jedoch der Action-Faktor. Der User kann tätig werden und seine Entscheidung wird direkt zur Kenntnis genommen – die Karte bleibt, fliegt oder wird in Reserve gehalten. Der User wird um seine Meinung zu einem Inhalt herausgefordert, anstatt dass ihm nur etwas wohlwollend als Auswahl vorgesetzt wird. Im Nachhinein kann er sich in Ruhe mit den favorisierten Inhalten auseinandersetzen und eingehender informieren. Diese Entscheidungsfreudigkeit ist auch für den Anbieter einer Applikation überaus wertvoll.

Jedes Mal, wenn der Nutzer eine Wischgeste vollführt, wird das Interessenprofil konkreter. Statt auf einen Trend zu setzen, der sich anhand einer Big Data Analyse abzeichnet, werden Apps künftig direkt auf die Anforderungen des Nutzers reagieren können. Je nachdem, wie seine Entscheidungen gefällt werden, wird ihm als nächstes ein relevanterer Inhalt zur Abstimmung präsentiert. Man könnte sagen, dass sich Swipe Economy auf Small Data stützt, da sie vom Individuum ausgeht und nicht von einer Typisierung.

Der Kartenstapel als App-Idee

Adobe hat zu Swipe Economy bereits die T.I.N.D.E.R- Formel aufgestellt: Triggered, Individualized, Now, Data-Driven, Engaging, Relevant. Der Software-Designer Steven Lehrburger hat auf seinem Blog eine solche Tinder’scher Benutzeroberfläche skizziert. Angenommen es ist ein Streaming-Angebot für Filme: Zunächst findet der User ein Textfeld für Suchbegriffe oder ein Drop-Down mit Keywords beziehungsweise Kategorien. Zusätzlich hat er eine Übersicht mit früheren Suchbegriffen vorfinden. Nach Eingabe der Suchanfrage bekommt der User keine Liste ausgespielt, sondern ein übereinander gestapelte Karten mit Bild und Basisinformationen, die zum Suchbegriff passen. Die Karten können dann beispielsweise mit einer Links-Wischgeste einzeln durchgeschaut werden und erscheinen nicht mehr. Ein Swipe nach rechts öffnet speichert den Inhalt unter den Favoriten. Ein Swipe nach oben könnte direkt in die Detailansicht führen. Über die Suchanfragen und die direkte Bewertung des Users können für den nächsten Kartenstapel noch relevantere Inhalte aufgenommen werden. Eine solche App gleicht also tatsächlich einer Art Kartenspiel, weil der Nutzer aufgefordert ist, sich zu jeder Aktion zu verhalten.

Wer gerade unterwegs ist, nur eine Hand frei hat und schnell etwas suchen will, was er in ähnlicher Weise schon ein Mal genossen hat, etwa ein Film, ein Restaurant oder eine andere Dienstleistung, der kann per Wischgeste und einem Kartenstapelsystem dank weniger Information und Ablenkung trotzdem schnelle Entscheidungen treffen.

Aufmacherbild: a deck of cards via Shutterstock, Urheberrecht: Yuri Snegur

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